Shower thoughts

In Reddit gibt es die Sektion “Showerthoughts“. Diese besteht aus manchmal schlauen oder sinnfälligen Sprüchen, die einem angeblich besonders häufig unter der Dusche einfallen. Irgendwie stimmt das auch. Etwas zu tun, bei dem man nichts denken muss und auch nichts anderes denken *kann*, weil Smartphones und andere Personen außer Reichweite sind (nehme ich jetzt mal an, ohne zu generalisieren), scheint die geistige Produktivität zu erhöhen. Es ist wie eine Art Meditation.
Heute morgen ist mir (natürlich unter der Dusche) eingefallen, dass genau das eigentlich sehr traurig ist. Der einzig übriggebliebene Raum, in dem wir noch kreative Gedanken bekommen. Weil es überall sonst zu laut ist?
Wie geht euch das? Könnt ihr irgendwo anders noch nachdenken, ohne dass ihr sofort abgelenkt werdet?

Mineralwasser Pt. II

Ein paar Fehler muss man einfach mal machen. Man kann oft auch gar nicht anders. Seit ein paar Jahren habe ich eine Pumpe in einem Betonbecken im Keller, die mir das Sickerwasser, das durch die umlaufende Drainage kommt heraussaugt. Letzte Woche meldet der Laden ein kalte Heizung, kurze Prüfung ergab Sicherung draußen. Wollte sich auch nicht mehr anschalten lassen. Etwas Trial & Error ergab die Ursache war die Tauchpumpe:

Heute habe ich sie mir dann angeschaut. Oh Schreck, nach Abnahme des Bodendeckels (für die Propellerreinigung) dicke Rostablagerungen!

Ich kratze ein bisschen herum und WAS IST DAS? Löcher in der Bodenplatte des Motors! (Edelstahl).

Das ist ein kapitaler Totalschaden. Absolut erstaunlich, dass sie trotzdem so lange durchgehalten hat. Aber hey, jetzt habe ich mich an die Amazon-Bewertungen gehalten und einfach den Hersteller gewechselt. In ein paar Jahren kommt dann der nächste Teil. In diesem Sinn: Augen auf beim Pumpenkauf! :P

Netflix ist das neue..

Die dunkle Jahreszeit hat begonnen. Ich hoffe in erster Linie nur im Wortsinn. Schluß mit Dachterrasse und Straßencafé, drinnen bleiben. Und für die Phasen, in denen man nicht mehr richtig denken und noch viel weniger Sachen erledigen kann strandet man auf dem Sofa. Netflix, das neue Rauchen. Oder mindestens Kiffen, rauchen war schon sitzen. Schlimm. Hier kommen ein paar Hinweise, die mühsam in Eigenregie zusammengetragen wurden. Selbstmedikation? Wie dem auch sei, vielleicht hilft das jemand als Tip-Geber oder Warnung. Ich hoffe die Bewertungskategorien sind einigermassen hilfreich. Die Reihenfolge ist nicht als Rangliste zu verstehen.

Name Empfehlung Beschreibung
Stranger Things
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Story SterneSterneSterneSterneSterne
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Grusel-Geschichte im Setting der 80er, in der ein paar Jungs unfreiwillig Kontakt zur Unterwelt (“Upside-Down”) aufnehmen. 2 unabh. Staffeln.
Breaking Bad
Originalität SterneSterneSterneSterneSterne
Cast SterneSterneSterneSterneSterne
Story SterneSterneSterneSterneSterne
Sucht SterneSterneSterneSterneSterne
Flaggschiff-Serie des Senders über den Absturz eines Lehrers in die Drogenwelt. Begründet ein neues Genre, in der es keine “Guten” mehr gibt.
Grimm
Originalität SterneSterneSterneSterneSterne
Cast SterneSterneSterneSterneSterne
Story SterneSterneSterneSterneSterne
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Hanebüchene “Grusel”-Geschichte über Menschen, die sich in Fabelwesen verwandeln können und damit reichlich (unfreiwillige) Komik auslösen.
Suburra
Originalität SterneSterneSterneSterneSterne
Cast SterneSterneSterneSterneSterne
Story SterneSterneSterneSterneSterne
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Römische Gangster-Geschichte, keine amerikanischen Schauspieler. Großartige Figuren übervorteilen sich gegenseitig im Papier Schere Stein Prinzip.
Marco Polo
Originalität SterneSterneSterneSterneSterne
Cast SterneSterneSterneSterneSterne
Story SterneSterneSterneSterneSterne
Sucht SterneSterneSterneSterneSterne
Intrigen am Hof Kublai Khans, in der Marco Polo eine historisch gesehen unplausible Schlüsselrolle hat. Mal was anderes!
Narcos
Originalität SterneSterneSterneSterneSterne
Cast SterneSterneSterneSterneSterne
Story SterneSterneSterneSterneSterne
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Serie über den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Pablo Escobar in Kolumbien. Wirkt durch den Dreh an Originalschauplätzen und den Aufbau als Dokumentation sehr
authentisch
Jessica Jones / Luke Cage / Iron Fist / The Defenders..
Originalität SterneSterneSterneSterneSterne
Cast SterneSterneSterneSterneSterne
Story SterneSterneSterneSterneSterne
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Superhelden SOAP-Opera(s) die auf teure Effekte verzichtet. Bleibt leider nicht viel.
Better Call Saul
Originalität SterneSterneSterneSterneSterne
Cast SterneSterneSterneSterneSterne
Story SterneSterneSterneSterneSterne
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Spin-Off / Prequel von Breaking Bad. Wie der Anwalt Saul Goodman auf die dunkle Seite geriet. Fantastisch
Sons of Anarchy
Originalität SterneSterneSterneSterneSterne
Cast SterneSterneSterneSterneSterne
Story SterneSterneSterneSterneSterne
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Familiendramen in einer Motorradgang

Wahlfrust ’17

Noch eine Woche bis zur Wahl. Der Wahlkampf könnte langweiliger nicht sein. Mein Tip: Es wird gerade so, haarscharf, wieder für die ehemalige “große” Koalition reichen. Die Union hat den rechten Rand der SPD angenagt und dabei den eigenen rechten Rand aufgegeben. Viele finden das mehr oder weniger scheiße, aber so ist das mit der Thermodynamik.
Für mich gibt es zwei Themen, die alles in den Schatten stellen:
1.) Die Veränderung unserer Gesellschaft: Dazu zähle ich Flüchtlingskrise, Integration, soziale Gerechtigkeit, Altersarmut und die “Verrohung” größerer Bevölkerungsteile mit den passenden Folgen.
2.) Klima: Überbevölkerung, Flächenverbrauch, Energiewende, Luftverschmutzung, CO2, Diesel-“Affäre”. Einfach der individuell viel zu hohe Energieverbrauch.
Die Politik hat die Möglichkeit, diese Fragen anzugehen, viel mehr als jeder Einzelne. Ich kann mich aus den vergangenen Jahren jedoch nur an zwei Situationen erinnern, an denen etwas passiert ist: Fukushima 2011 und Grenzöffnung 2015. Reaktion! Keine Gestaltung.
Ich bedaure außerordentlich, dass keiner bereit ist, anzupacken.

Ziemlich rote Wolke

Edit: Ich hatte (leider) Recht, konnte aber nicht ahnen, dass sich die SPD diesmal nicht für den Futtertrog entscheidet. Wie unerwartet. Das Ergebnis ist aber ganz ähnlich. Durch das breite Meinungsspektrum in der Koalition verlieren sie am Ende alle. Ich fürchte weiteren Stillstand..

Ahn ma!

Beim Winterbacher Zeltspektakel gibt es immer ein buntes Programm. Wir waren gestern dabei mit den Beginnern, die wieder kräftig ihre Heimatstadt Hamburg gefeiert haben. Am Bierstand gab’s Ohrstöpsel, mit denen war der Sound im Zelt deutlich besser. Ich werd langsam zu alt für den Krach ;-) Vorweg Bengio (aus Fulda! :D), der Kerl hört sich ein bisschen so an wie die Beginner vor 20 Jahren. Da war er wahrscheinlich noch nicht auf der Welt. Hat seine Sache aber nicht schlecht gemacht. Dann ging’s los mit “Ahn ma“. Ganz viel kam von dem Absolute Beginner Album mit dem Boot, Füchse usw.
Das Publikum war grandios, es ging bis in die hinterste Reihe mit. Umso unverständlicher, dass bereits nach 75 Minuten die erste Zugabe kam, nach anderthalb Stunden war dann der Spaß vorbei. Schade auch, aber klasse war’s trotzdem.
SterneSterneSterneSterneSterne

Rom snippets


Wer U-Bahn fahren will: Sinnlos, am Hauptbahnhof einen Fahrkartenautomaten zu suchen. Man sucht stattdessen einen Zeitschriftenkiosk! Ist auch irgendwie interaktiver als ein Automat. Dort gibt es für den Touristen passend 24-, 48- und 72-Stunden Tickets. Perfekt. Überall kann man gedankenlos einsteigen. Fahrzeug statt Bahn vom Flugplatz lohnt sich m.E. ab 3 Personen, da der Leonardo pro Person/Richtung 14€ fix kostet.

Ich weiß nicht wie ich es geschafft habe, hier ein Bild ohne Menschen zu machen.

Du warst nicht da, wenn du nicht da warst.

Dieser Flohmarkt existiert immer noch! An der Via Appia, rechts halten direkt nach der Stadtmauer. Ich war hier zuletzt vor knapp 20 Jahren.

Nette Idee, durchwachsene Umsetzung: Das Dorf aus Cafes, Bars und Bühnen entlang des Tibers. Es erstreckt sich mit Unterbrechungen praktisch kilometerweit. Der Betrieb beginnt erst mit dem Einbruch der Dunkelheit. Dann kann flaniert werden! Vieles ist auch sehr schön dekoriert, aber im großen und ganzen war trotz Wochenende nichts los. Oder man wurde nicht bedient. Oder die Preise waren so angesetzt, dass man gleich keinen Durst mehr hatte. Vielleicht auch einfach deshalb, weil es in dieser Stadt schon genügend schöne Plätze zum Ausstrecken gibt. Am Ende dann doch noch eine passable Bluesband-Bühne gefunden.

Straßenbahnfahren ist hier ein großer Spaß. Neben ein paar (semi-) modernen Zügen fahren hier auch so allerliebste Fuhrwerke (wie das hier) herum. Teilweise sogar mit unterschiedlichen Spurweiten. Technisch sicher an die 100 Jahre alt, mit mechanischen Türen, die mit einem Knall vor der Nase zufahren. Eine ehrliche Angelegenheit und prima um Römer in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten ;-)

Ab und zu kann man in einer Kirche auch nach unten sehen. Huch! :) (San Giovanni in Fonte)

..oder nach oben. Wenn man die Kohle oben parkt, kommen die Plünderer auch nicht so gut heran. Grandios. Wenn man so viel Geld hat, dass man gar nicht mehr weiß wohin – dann werden manchmal irre Sachen beauftragt.

Du hälst es nicht aus..

Die Wellen schlagen wieder hoch in letzter Zeit auf der Autobahn: Es werden keine Rettungsgassen gebildet, die Helfer kommen nicht rechtzeitig an die Unfallstelle. So wie erst letzte Woche beim Busunfall auf der A9 mit vielen Toten. Der Postillion hatte schon den hervorragenden Vorschlag gemacht, die Rettungsfahrzeuge mit entsprechenden Räumvorrichtungen auszustatten. So bizarr ist das gar nicht, kennt man auch von amerikanischen Polizeifahrzeugen.
In Video kann man gut sehen, was das Problem der Rettungsfahrzeuge ist. Aber in Ruhe betrachtet ..okay, Geduld mitbringen: Das Haupthindernis des Fahrzeugs sind gar nicht die Autofahrer, sondern die Lkw und überbreiten Fahrzeuge in der Mitte und teilweise sogar auf der linken Spur. Und das Problem lässt sich ganz einfach lösen, schlicht mit einem generellen Überholverbot. Diese kann an langen Steigungen und anderen neuralgischen Punkten vielleicht aufgehoben werden. Und wer jetzt denkt, das geht wahrscheinlich schon wegen der schieren Masse an LkW nicht: Richtig! Ein Grund mehr, den Fernverkehr endlich auf die Schiene zu bringen.

Thema: Rettungsgasse bei Nacht Diesmal bei einem Unfall auf der A8, km 43 Stuttgart Richtung München gegen 22.30 Uhr. Wir benötigten für ca. 3,5 Kilometer knapp 40 Minuten (!!) um an die Unfallstelle zu gelangen!!! (Das gezeigte Video ist stark gekürzt) Wir mussten sogar aussteigen, um Auto- bzw. LKW-Fahrer zum wegfahren zu bewegen!!! Es ist einfach nur der Wahnsinn!(Aktuell gab es gestern bei dem Busunfall auf der A9 mit 18 Toten wieder enorme Probleme mit der Rettungsgasse! Wäre dort schneller eine Gasse gebildet worden, hätten vielleicht mehr Menschen diese Tragödie überlebt…)

Posted by Auto Braune, Inh. Robert Braune on Montag, 3. Juli 2017

Westweg Etappe 8: Thurner – Feldberg

Montag, 26.6.2017
Meine unfreiwillig letzte Etappe beginnt wieder mit einem strahlenden Morgen. Im Frühstücksraum wird vorwiegend spanisch gesprochen. Das ist mir übrigens schon mehrfach aufgefallen: Im Schwarzwald sind sehr viele Spanier unterwegs! Genauso wie viele Belgier, mit denen man ab und zu ins Gespräch kommt. Beide Nationen sind offenbar nicht so ganz die navigations-stärksten Wanderer ;-)
Frisch gestärkt mache ich mich auf den Weg (Òle!). Es ist noch kühl, und inzwischen läuft es sich wie fast von selbst: Nichts drückt, ich bin ausgeschlafen und Kräfte sind da.
Der Tag ist vollkommen wolkenlos und auf Anhöhen kann man sehr weit schauen. An einem Abzweig eine merkwürdig geformte Bank. Kommt mir bekannt vor, ganzseitiges Bild im Wanderführer. Okay, ich bin richtig. Kurz vor dem Wanderheim Berghäusle erreicht man einen Sattel: Dort ist tatsächlich der Nordrand der Alpen inkl. Schneebedeckung sichtbar! Das erzwungene Weitwinkel des Handys ermöglicht leider kein brauchbares Foto. Hinter dem Wanderheim kurze Pause, dann geht es auf der Straße hinunter nach Titisee. Hier trifft man auf die geballte Schwarzwaldtouristik. Ferien auf dem Bauernhof, ein Golfplatz, Fahrzeuge aus ganz Europa, Kurgäste, das volle Programm. Mitten im Ort teilt sich der Westweg. Ich bin so auf der Suche nach einer Bank (zum Geldabheben), dass ich den Abzweig erstmal verpasse. Im Ort gibt es übrigens (nur) noch eine einzige Sparkasse. Neu finanziert und orientiert erreiche ich das Seeufer. Es ist 12 Uhr, das Strandcafe macht gerade auf. Die Sonne scheint, ich bin bereit für meine übliche Stärkung (Kuchen + JoBe-Schorle). In der Sonne wird es schon wieder richtig heiß. Nach einer halben Stunde will ich weiter, ich packe wieder alles auf und verlasse den Ort hinter dem Strandbad, steil den Berg hinauf. Auf dem Weg hinauf beginnt der Fußrist rechts zu schmerzen. Das hatte ich links am zweiten Tag auch schon und denke mir, wird eine leichte Reizung der Sehnen sein. Da ich in Erwartung steiler Anstiege die Stiefel heute morgen unten recht eng geschnürt habe, lockere ich die Schnürung und es wird etwas besser. Durch einen wunderschönen Wald schlängelt sich der Weg jetzt dem Feldberg entgegen. Mein Etappen-Ziel ist eine Unterkunft in “Feldberg-Ort”. Ich passiere einen Fischweiher, nach einer kleinen Waldetappe erreicht man einen wieder sehr einsam gelegenen Hof. Kurz danach darf ich wieder fluchtartig vom Forstweg springen, als mich ein LkW mit Tieflader in rasanter Vorbeifahrt einnebelt. An der Rufenholzhütte mache ich Pause und treffe dabei auf eine freundliche Wandergruppe. Die können kaum glauben, dass ich in Pforzheim losgelaufen bin. Ich auch nicht ;-) Nach der Hütte schmerzt mein Fuß wieder etwas mehr und ich gehe langsamer. Nach dem die Höhe über dem Feldsee erreicht ist gibt es immer wieder fantastische Ausblicke nach unten. Der Feldsee liegt ganz tief in einem fast runden Kessel, wie eine Art Vulkankrater. Die Hänge sind stark bewachsen, es ist Bannwald und sehr feucht, trotz der jetzt längeren trockenen Witterung. Eine Art Regenwald! Hier zweige ich vom Westweg ab, der jetzt weiter steil nach oben Richtung Feldberggipfel geht (3km). Ich umrunde den See Richtung Hotelkomplex “Feldbergerhof” und meinem Ziel. Inzwischen kann ich kaum noch laufen, es hilft auch nicht gerade, dass die Wegstrecke per Schild als “schwierig” angegeben ist, mit hohen Tritten, vielen Steinen und Wurzeln. Am Feldbergerhof komme ich aus dem Wald, es ist die Talstation des Wintersportgebiets. Das sieht jetzt im Sommer aus wie ein notgelandetes klingonisches Raumschiff. Nicht so toll. Da mein Wasser und die Energie alle ist, trinke ich im touristischen Auge des Sturms ein Apfelschorle 0,5 für sensationelle 4,60€. Ist mir aber zu dem Zeitpunkt völlig egal. Irgendwie schaffe ich noch die letzten zwei Kilometer bis zu meiner Unterkunft Gasthof Wasmer am Feldbergpass, das sich mit wohltuender Einfachheit von seiner Umgebung abhebt. Außer mir scheint wieder keiner da zu sein. Ist mir jetzt egal, ich ziehe die Stiefel aus und lasse mich aufs Bett fallen. Bin ich platt, es waren wieder an die 30km. Der Fuß zieht jetzt schon ganz ordentlich. Nach einer Dusche mache ich mich auf die Futtersuche. Direkt daneben im neugebauten Hotelkomplex finde ich Platz auf der Außenterasse und esse ganz passabel, wenn auch lange nicht so gut wie bei meinen anderen Unterkünften. Inzwischen zieht es zu, wird kühler und windiger. Ich ziehe mich zurück, in der Nacht fängt es an zu regnen.

Am nächsten Morgen kann ich rechts kaum den Fuß abrollen. So wird as mit dem Feldberg nicht klappen :-( Keine Ahnung, was da los ist. Die freundliche (und nicht unattraktive) Wirtin klingelt für mich den örtlichen Arzt durch, ich kann gleich zur Sprechstunde kommen. Wie nett von ihr. Ich packe zusammen und verabschiede mich. Mein Ziel ist hinter dem Feldberger Hof, wo ich gestern schon vorbeigekommen bin. Auf dem Weg dorthin merke ich aber bereits nach mehreren hundert Metern, dass die Wanderung vorbei ist: Der Fuß ist durch. Das wird auch mit einem Eßlöffel Voltaren nichts mehr. Ich spare mir das Wartezimmer und setze mich in den Bus nach Titisee. Dort fährt die Höllentalbahn Ri. Freiburg, und ich bin 13:30 wieder zuhause.

Später zuhause beim Arzt, die Diagnose nach dem Röntgen: Ermüdungsbruch! Der sog. “Marsch-Bruch”, der gern untrainierte(!) jugendliche Bundeswehrrekruten befällt. Und das in meinem Alter nach 200km. Jetzt müssen die letzten drei Etappen etwas warten. Ich glaube, der Hauptfehler war die enge Schnürung, verbunden mit dem längeren Wegstück auf Hartbelag. Hier treten dann doch recht große Kräfte auf, das habe ich wohl etwas unterschätzt. Ich hatte auch nicht-eingelaufene Wanderstiefel an, die aber auf den ersten Etappen überhaupt keine Probleme machten.

Das vorzeitige Ende ist für mich natürlich eine große Enttäuschung. Ich bin aber froh, dass ich den Großteil der Strecke ziemlich problemlos bewältigen konnte. Es ist auch überhaupt kein Problem, allein unterwegs zu sein. Die meiste Zeit verbringt man in einer Art Lauf-“Trance”, in der man viel Zeit hat, sich über alles mögliche Gedanken zu machen und die meiste Zeit dann an gar nichts denkt. Sehr entspannend. Außerdem trifft man ständig Menschen, es geht gar nicht anders. Viele spricht man einfach an, es entstehen Situationen, in die man gar nicht kommt, wenn man zu zweit oder in der Gruppe unterwegs ist. Das vergrößert das Erlebte über die reine “Gegend” oder “Wanderung” hinaus. Schwer zu beschreiben. Ich habe jedenfalls etwas Großartiges für mich gefunden.


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Westweg Etappe 7: Wilhelmshöhe – Thurner

Sonntag, 25.6.2017
Der Frühstücksmann in der Wilhelmshöhe ist der grummeligste Zeitgenosse der Woche. Mit Abstand. Kommt man um 7:28, darf man noch zwei Minuten draußen warten. Als ein Gast ein schwäbisches “Haja” an einen Satz anhängt kam von ihm ein “Schwäble odder?!!”. Herrlich. Gleich zum Frühstück lerne ich wieder neue Leute kennen: Ein Trio Arbeitskollegen, zwei Ältere, die den Westweg laufen (bisher und nachher nie wieder gesehen?!) und eine jüngere, die, extrovertiert veranlagt, mich gleich an ihren Tisch einlädt. Sie ist nur für den Tag dabei. Wir treffen uns später noch am Start-Tor Richtung Süden.
Es ist bedeckt und der Weg beginnt über ein kurzes Bohlenstück durch ein Moor. Danach geht es ganz unspektakulär weiter, leider an diesem Tag längere Wegstücke auf Hartbelag. Das liegt an den zahlreichen Höfen mit Viehhaltung. Quer über die Weide ist nicht, dann halt auf der Straße. Nicht so schön aber wahrscheinlich geht es nicht anders. Vorher kommt man allerdings noch an einem sagenhaft schönen, nur leider sehr kurzen Teilstück vorbei: Der Blindensee mit der zugehörigen Moorlandschaft. Angeblich gehörte der See mal dem blinden Bauer des (Blinden-)hofs ganz in der Nähe. Der hatte Pech, daß er sich das nicht anschauen konnte. Der Weg verläuft ebenfalls über Bohlen, überall knistert und gluckert es. Hier kann man auch mal einfach so hinkommen, wenn man in der Gegend ist (Furtwangen), es lohnt sich. Nach 10km ist der Brand-Turm erreicht, ebenfalls ein schöner Aussichtspunkt. Direkt in der Nähe ist auch ein Wanderheim mit Übernachtungsgelegenheit, das allerdings nicht so recht in den Etappenverlauf passt (hierher hätte ich es gestern nicht mehr geschafft).
Im weiteren Verlauf rollt der Weg ohne große Höhenunterschiede durch eine Hügellandschaft – wir befinden uns auf dem Hochschwarzwald in ca. 1000m Höhe. Kleines Wäldchen, Weide, kleines Tal mit malerischem Hof (Blumenkästen satt), Hügel rauf, kleines Wäldchen, usw. Das ist wahrscheinlich irgendwann doof wenn es regnet, aber jetzt kommt die Sonne raus und man kann alle paar hundert Meter ein “Postkartenfoto” machen. Es ist sehr angenehm und ich komme recht zügig voran. Am frühen Nachmittag erreiche ich bereits die “Kalte Herberge”, ein weiterer Gasthof und das offizielle Ende der heutigen Etappe. Ich möchte aber den Tag noch etwas füllen und habe mein Tagesziel 7km weiter, am “Gasthof zum Kreuz” gewählt. Vorher betrete ich allerdings noch die Herberge und bestelle mir eine kleine Stärkung. Auch hier wieder das Publikum 70+: Es ist Sonntag nachmittag und das perfekte Ausflugsziel für Kaffee und Kuchen.
Zum späteren Nachmittag erreiche ich dann nach einem eher unspektakulären Wandertag mein Ziel. Da in dem Zimmer ein Fernseher steht, erwische ich zufällig die zweite Halbzeit des Confed-Cup Spiels gegen Kamerun: Hoher Unterhaltungswert (für Fußball). In der Gaststube wieder dasselbe Bild wie in der Kalten Herberge, ich esse vorzüglich und ziehe mich zeitig zurück.


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Wie man sehen kann hat das GPS den halben Tag nicht aufgezeichnet. Ich muss eine andere Lösung finden.. Anfangs- und Endpunkt sind aber richtig.