Privatsphäre, Folge III

Und wieder tauchen peinliche Bilder im Netz auf. Die Ursache: Zugriff Unbefugter auf Bilder “in der Cloud”. Dahinter steckt die seit einiger Zeit weiträumig angebotene Idee, Bilder auf allen Geräten mit demselben Account zugänglich zu machen. Das funktioniert nur wenn sie zentral synchronisiert werden, über das (überraschend gratis) angebotene Anwenderkonto. Ich habe nichts dagegen wenn einer Nacktfotos macht, aber wer dann so dusslig ist und diese hochlädt, tja, dann kann man auch nicht mehr helfen. Der entscheidende Punkt dabei ist das Vertrauen. Ich meine, Vertrauen muss man schon haben, wenn man Wildfremden sehr private Dinge anvertraut, oder? Cloud-Speicher kann nur über Vertrauen funktionieren und diese Aktionen beweisen mehr als plastisch, wie wenig dies verdient ist. Dabei reden wir noch nicht einmal von der direkten Auswertung der Bilder durch den Anbieter. Was hindert z.B. jemand wie Dropbox, Apple, Strato oder Google daran, die in der Cloud hinterlegten Bilder durch eine Gesichtserkennungssoftware auszuwerten? Zusammen mit dem Aufnahmedatum (und dem in den Exif-Daten auch häufig hinterlegten Aufnahmeort) erhält man ein fantastisches Profil. Umsonst. Wer, wann, mit wem nackt war. Oder angezogen im Cafe saß. Wer mit wem Beziehungen unterhält, geschäftlicher oder privater Art. Bisher werden diese Erkenntnisse nur an die Geheimdienste und wahrscheinlich in gefilterter Form an die Werbeanbieter weitergeleitet. Soweit wir es wissen, zumindest. Das Erstaunen ist dann groß, wenn die Fotos dann irgendwann auch auf den öffentlichen Share-Hostern liegen. Privatsphäre ist ein Recht das viele einfach grundlos aufgeben. “Wer nichts zu verbergen hat, dem sollte das doch egal sein”, das höre ich sogar in meinem direkten Arbeitsumfeld. Immer wieder. Keiner scheint daran zu denken, daß es Situationen und Informationen geben könnte, die man dann doch ganz gern verbergen würde. Und anscheinend lieber die Privatsphäre aufgeben als die Bequemlichkeit. Unsere Zuarbeit zu der ganzen Situation macht mich vollkommen kirre, dieses permanente Füttern der Bilderhoster, Whatsapps, Facebooks und Twitters. Ich warte auf den Tag, bei dem man nur noch mit Facebook-Account zu einer Gemeinderatswahl darf. Oder nur noch bei Amazon ein Buch bekommt. Oder die Rollos immer unten lassen muss.

Schließen möchte ich mit der Vorschau auf einen vielleicht nicht allzu unrealistischen Film..

Raspberry basteln

Bei dem netten Projekt mit dem Totmannschalter habe ich festgestellt, was für eine nette Plattform der Raspberry Pi ist. Er ist sehr preiswert, nicht zu schnell (wichtig in meinem Alter haha) und man kann seine verrosteten Linux Shell Fähigkeiten wieder hervorholen. Wirklich angenehm. Für 3 Euro kann man sich z.B. einen digitalen Temperaturfühler bei Ebay bestellen (der angeblich auf 3 Nachkommastellen genau ist.. naja, so ganz glaube ich es nicht). Das war ein Teil meines Wochenendes.
Gleichzeitig habe ich mir noch das Kameramodul besorgt. Das kostet keine 20 Euro und kann über ein filigranes Flachbandkabel mit dem Raspberry verbunden werden. Sowas wie der Traum einer preiswerten Überwachungsanlage oder der Alptraum der Nachbarin, je nach Standpunkt. Standbilder macht das winzige Ding mit 5 Megapixeln, Videos schafft er sogar in Full-HD. Dabei ist natürlich die SD Karte des Pi’s bzw. das Netzwerk der limitierende Faktor, so dass andauernde HD Aufnahmen meinem Gefühl nach nicht möglich sind. Aber man kann ganz nett Zeitraffer machen, mit einem kleinen Script alle 10 Sekunden (länger oder kürzer, je nach Dafürhalten) ein Bild aufnehmen und das ganze dann direkt auf dem Pi mit mencoder zu einem .mp4 verarbeiten. Geht ganz gut. Meinen ersten Versuch kann man hier sehen, 720 Bilder über 2 Stunden, an einem Sonntag abend im September wird es in der Innenstadt langsam dunkel:

Lesenswert

[..] von der Struktur unterscheidet sich diese Gesellschaft nicht vom Feudalismus des Mittelalters. Wir befinden uns in einer Leibeigenschaft. Die digitalen Feudalherren wie Facebook geben uns Land, sagen: Beackert es, ihr bekommt es kostenlos. Und wir beackern es wie verrückt, dieses Land. Am Ende kommen die Lehnsherren und holen die Ernte. Das ist eine Ausbeutung der Kommunikation. Wir kommunizieren miteinander, und wir fühlen uns dabei frei. Die Lehnsherren schlagen Kapital aus dieser Kommunikation. Und Geheimdienste überwachen sie. Dieses System ist extrem effizient. Es gibt keinen Protest dagegen, weil wir in einem System leben, das die Freiheit ausbeutet.

Sehr interessantes Interview mit Byung-Chul Han mit der Zeit. Lohnt sich.

Tief im Osten..

..ist es schöner als man glaubt. Vergangenes Wochenende waren wir drei Tage in Dresden und Umgebung. Während der Fokus wie so oft auf Lost-Place Geocaching lag, haben wir uns trotzdem die Zeit genommen, die Stadt wenigstens oberflächlich anzuschauen. Zumindest deren Kern ist absolut sehenswert, hier reihen sich die Highlights an historischen Gebäuden nur so aneinander. So manche andere Kommune wäre froh, wenigstens eins dieser Gemäuer zu besitzen. Hier sind es so viele, daß sie teilweise fast schon untergehen. Etwas weiter außerhalb beginnt allerdings sofort die übliche Plattenbau-Baumarkt-Tristesse, so dass auch hier ein etwas zwiespältiger Eindruck verbleibt. Fest steht jedoch, dass selten ein Areal aufwendiger saniert wurde bzw. saniert wird wie das gesamte Stadtzentrum um den Jüdenplatz herum. Ein altes Foto von 1953 aufgenommen vom Kirchturm der Kreuzkirche aus dem Jahr 1953 macht es deutlich: Hier war nach dem Krieg einfach eine Ebene! Kein Haus! Die Angriffe im Februar 1945 hatten den gesamten Stadtbezirk völlig eingeebnet. Umso erstaunlicher der heutige Zustand, allen voran die Frauenkirche. In den hellen Steinen sind immer wieder dunkle gemischt, die aus dem ursprünglichen Bau stammen und an die richtige Stelle gepuzzelt wurden. Was für ein Aufwand. Man sieht deutlich die Auswirkungen, wenn Generationen von Kindern mit Lego-Steinen aufwachsen, diese Fähigkeiten kann man immer wieder praktisch einsetzen. Unterkunft, Essen und Trinken war auch ohne Tadel.

Für Lost Places gilt der Osten Deutschlands immer noch als Geheimtip, wobei ich sagen muss, dass dieser Titel 25 Jahre nach der Wende langsam verblasst. Wir waren in reichlich alten Anlagen, darunter ein riesiges Kunststoff-Presswerk, die allerdings inzwischen einen ziemlich hohen Zerstörungsgrad aufweisen. Da die Softair- und Spraydosenfraktion diese Örtlichkeiten ebenfalls für sich entdeckt hat, haben wir schon eine Menge Kollateralschäden festgestellt. Die vorhandenen Geocaches sind teilweise auch schon ziemlich alt, so dass manche Stages nur schwer auffindbar sind, bzw. die Hinweise durch Überarbeitung manchmal in die Irre führend. Gefunden haben wir am Ende trotzdem alles, auch wenn es nicht immer ganz einfach war. Aber es gab gute Stories und eine Menge zu sehen, darunter eine Halle in Kathedralengröße, Susi’s Schrank, ein verbranntes Archiv, Tunnel mit Reflektoren, Bühnen ohne Vorhang und sogar ein ein-Frau-Cacher-Team, das ganz unerschrocken im Dunkeln unterwegs war. So also insgesamt ein durchaus interessantes Erlebnis, dem ich noch ein paar Bilder anfügen möchte.

Der Weg des leichtesten Widerstands. Heute: Der Neubau.

Ein Unternehmen sucht größere Geschäftsräume – und baut schließlich auf der grünen Wiese. Darüber hat sich der hiesige kommunale Arbeitskreis “Stadtentwicklung” so aufgeregt, daß sie eine Demo inklusive Flugblatt-Aktion vor dem betreffenden Geschäft veranstaltet haben, mitten in der besten Geschäftszeit am Samstag vormittag. Damit ist garantiert, dass man (wenn auch mit 3 Tagen Verspätung) tatsächlich von unserem Lokalblatt “Schorndorfer Nachrichten” wahrgenommen wird. Und während man die etwas hilflose Stellungnahme der Stadt zu der Protestnote liest kommen die Gedanken, wieso es zu so etwas kommt. Aus Unternehmersicht leuchtet es mir ein: Verkehrstechnisch perfekt an die B29 angebunden sind natürlich ganz andere Umsätze zu erwarten als durch die Laufkundschaft in der Schorndorfer Innenstadt. Und so muß sich die Stadt auch fragen, wie sie ein expandierendes Unternehmen am besten unterstützt. Weil die Wiederverwendung bestehender Gewerbeimmobilien bzw -flächen, die es entgegen der Aussage im Artikel in Schorndorf tatsächlich gibt wesentlich komplizierter als eine simple Baufreigabe auf einem unbebauten Stück ist, sind sie da schnell fertig. Und genau das ärgert mich, diese faule Borniertheit unserer Verwaltung, ihre Arbeit zu machen. Es gibt so viele Baustellen, die endlich angegangen werden sollten – und das im Wortsinn. Das Areal um den Güterbahnhof, das Breuningergrundstück, das Gelände um den Bahnhof herum, selbst im ehemaligen Postgebäude scheinen die Entwicklungsarbeiten ins Stocken gekommen zu sein. Klar ist das schwierig – aber dafür leistet sich die Gemeinde sogar einen Baubürgermeister. Tja. Unabhängig vom Ökogedanken ist die Kernfrage sicherlich, ob es sich die Stadt leisten kann, die Kundenströme dauerhaft in die nur per Pkw erreichbaren Randzonen zu verlegen. Ich bin im Sinne der Nachhaltigkeit und der Altersentwicklung ziemlich skeptisch.

Der Brüllwitz ist allerdings in dem kleinen Kasten “Ausgleichsfläche” am Rande des Artikels versteckt: Als Ausgleichsmaßnahme für die Bebauung von 10 Ar Wiesenfläche soll eine andere, immer noch im Stadtbesitz befindliche Wiesenfläche regelmäßig gemäht werden und die dort befindlichen Obstbäume sogar geschnitten werden. Von der Stadt! Ihre eigene Wiese! Gemäht! Nein! Doch! Oooh!

Hier wird gebaut:

Hörschbachschlucht

In der Zeitung erscheinen hin und wieder Wandertips. Ich schnibbel diese gerne aus und lege sie (zusammen mit einem Haufen anderem Krempel) ab, auf dem Haufen: “Könnte mal interessant werden”. Gestern gab es dann den Zugriff. Auf der Suche nach einem passenden Ziel entschieden wir uns für einen spontanen Besuch in Murrhardt. Man kommt . . . → Read More: Hörschbachschlucht

Closing the circle..

Interessantes III:

Titel Was? Taugst was? Dave Eggers: The Circle Buch Eine düstere Zukunftsdystopie. Ha, endlich kann ich auch mal dieses Wort verwenden! In nicht sehr weiter Zukunft hat ein neuer Konzern Google und Facebook geschluckt und die Kontrolle über das Netz erlangt. In wohltätiger Manier (Sicherheit! Offenheit! Klarheit! Ehrlichkeit!) soll eine neue Weltordnung geschaffen . . . → Read More: Closing the circle..

Der Hermannsweg

Markierung

Der Hermannsweg verläuft in Nordrhein-Westfalen von Rheine über Bielefeld nach Leopoldstal. Über den angeschlossenen Egge-Weg heißt das ganze dann Hermannshöhen und verläuft weiter in südöstlicher Richtung bis Niedermarsberg. Der Weg verläuft zumeist in Kammlage im Teutoburger Wald. Darunter hatte ich mir auch mehr vorgestellt. Dieser “Wald” ist aber eher ein Wäldchen. Man versteht darunter nicht . . . → Read More: Der Hermannsweg

Klebstoff! :-)

Für die häusliche Eisproduktion wird Invertzucker empfohlen. Damit wird das Eis cremiger und kristalliert nicht so leicht aus, wie bei der Verwendung von herkömmlichem Zucker beim Anrühren der Masse. Den Tip, wie man das selbst macht habe ich gleich ausprobiert, es ist ein chemischer Prozeß und hat nicht viel mit Kochen zu tun. Zu Beginn . . . → Read More: Klebstoff! :-)

Eheszenen

Dinge, von denen ich fast nichts verstehe: Theater, Oper, Musik und Wein. Ich weiß nicht genau warum, die Faszination dafür konnte mich nicht komplett packen. Ich glaube es liegt daran, wenn andere über Premieren und Weingeschmäcker schreiben. Dann steige ich spätestens im zweiten Absatz nach erster Erwähnung von “erdig-blumig” oder “selbst-entlarvender Pose” aus. Komische Einleitung. . . . → Read More: Eheszenen