Kürbislampe, revisited

Das Thema gab es hier schon mal. Auf dem Markt habe ich letztes Jahr doch noch zwei brauchbare Flaschenkürbisse ergattert. Leider waren beide EXTREM groß, so dass ich gewisse Befürchtungen für die Trocknung hatte. Nicht unbegründet: Dieser vor allem ist beim Trocknen ordentlich angeschimmelt, was man später durch sorgfältiges Schleifen im getrockneten Zustand wieder korrigieren kann. Leider nicht ganz optimal: Dieses Exemplar hat dadurch eine extrem dünne (und damit zerbrechliche) Haut bekommen.
Merke: Größe spielt eine Rolle, diesmal: je kleiner, desto besser ;-)
Die kleineren kann man durch die Gegend werfen, sie haben eine etwa 4mm dicke Holzschale, der hier nur etwa 2mm.


Aus Grün wird Grau

Ich habe mit zwei Schnitten gearbeitet, damit ich das ganze Material überhaupt heraus bekomme. Es ging auch gut. Ich kann allerdings das Tragen einer Staubschutzmaske nur wärmstens empfehlen.

Bereits leicht angehölt

Das Innenleben war reine “Resteverwertung”: Etwas übrig gebliebenes RGB-LED Band, zusammen mit einer Konstantstromquelle aus einer defekten Chinaschrott-Deckenlampe.

Dezente^^ Innenbeleuchtung

Die Batterien in der (ebenfalls Chinaschrott-) Fernbedienung sind nicht mehr so toll, oder die Ansteuerungs-elektronik hat hier auch schon einen Schaden: Es funktionieren leider nur noch ein paar Farben. Du drückst drauf und bist erstaunt, was passiert.

Schnittstellen scheinen durch: hier muss ich nochmal bei

Sieht man deutlich: Weißleim ist zwar ein klasse Fugendichter, aber leider transparent.

Sieht ganz lustig aus im Regal..

Die weiße Lackierung kommt daher, dass noch eine Dose übrig war, und der Kürbis “natur” nicht mehr so ganz toll aussah. Ich weiß, es ist nicht der Weisheit letzte Schluß, aber eine ganz interessante Abwechslung.

Dreimal Bühne

Inzwischen sind so viele Erlebnisse zusammengekommen, dass ich diese als Empfehlung unbedingt weitergeben möchte. Alle drei Veranstaltungen lassen sich als sensationell beschreiben. Also nichts wie hin, wenn in eurer Nähe!

Im Polittbüro war ich Anfang letzten Monats bei Pigor, begleitet von Eichhorn. Dieser Schauspieler und Sänger war mir vor allem durch seine Chanson des Monats auf YouTube bekannt. Etwas älter geworden braust trotzdem der Sturm der Empörung über das Publikum. Ich kenne niemand, der sich so gepflegt aufregen kann wie Pigor. Meistens muss sein Kollege drunter leiden. Es war übrigens auch das erste Mal das ich erlebt habe, dass jedem Besucher zu einem Programmpunkt ein Schnaps überreicht wurde.


Ein paar Wochen später gleich nochmal im Polittbüro, dieses Mal bei Anna Mateur. Hier hatte wir sehr viel Respekt davor am Rand zu sitzen – ist aber nochmal gutgegangen. Diese Dame hat eine Stimme.. vielseitiger als Nina Hagen, eine Rampensau wie sie im Buche steht. Wer da nach vorne muss.. haha. “Hast Angst??!” fragt sie gleich zu Beginn einen Herrn in der ersten Reihe. Der wird immer kleiner, hat aber nochmal Glück gehabt. Das Programm ist von schräg bis brüllwitz, dazwischen immer wieder Einlagen die man nur als Denkfutter bezeichnen kann.


Letzte Veranstaltung in der Reihe war gestern eine Auswahl Musiker von Scott Bradlee’s Postmodern Jukebox. Selbst stand der hohe Herr leider nicht auf der Bühne, dafür hat er ein paar seiner besten Leute geschickt. Mayja Sykes, Robyn Anderson, Sara Niemitz, LaVance Colley und der geniale Bassist Adam Kubota waren mit am Start. Nach kleineren Soundproblemen zu Beginn wurde es ein musikalisch mitreißender Abend. Nur das Ambiente der Liederhalle war nicht so passend, ein lostanzendes Pärchen wurde gleich von den Saalordnern entfernt und die Bestuhlung war.. na wie bei der Matthäuspassion. Schade eigentlich, wäre eher was für das Bixx gewesen.

errorMode Custom

Hier eine kleine Anmerkung zu einem kleinen Ärgernis, AKA ungooglebarer Fehler:

Man betreibt man eine Site oder einen Webservice mit dem IIS (Version 7 in meinem Fall) möchte man in seltenen Fällen im Code explizit den StatusCode setzen. Das kann z.B. so aussehen:

WebOperationContext.Current.OutgoingResponse.StatusCode = System.Net.HttpStatusCode.ServiceUnavailable;

Diese Zeile führt dazu, dass der Aufrufer 503 Busy zurückerhält. Neulich hatte ich die Situation, dass der Client stattdessen immer 500 bekam und die betr. Zeile ignoriert wurde. Weshalb? Es war zum Verrücktwerden. Offensichtlich war folgender Abschnitt in der web.config dafür verantwortlich:

<system.webServer>
<httpErrors errorMode="Custom" />
<system.webServer>

Wahrheit

Aus aktuellem Anlass eine Frage zur Wahrheit. In meinem Freundeskreis existiert eine Person, die großen Wert auf Ehrlichkeit legt. Ein ehrliche Meinung, keine Lügen erzählen. Eine direkte Frage resultiert da oft in einer Antwort, mit der man so gar nicht gerechnet hätte. Für mich eine außerordentlich bewundernswerte Einstellung und ein äußerst spannender Faktor in zahlreichen Gesprächen.

Das wirft aber Fragen auf:
Ist eine Person, die 10 Wahrheiten und 2 Lügen erzählt unehrlicher als eine, die nur 3 Wahrheiten, aber keine Lügen erzählt? Welcher würdest du trauen? Ist das eine Delta-Funktion? Der Ehrlichste ist derjenige, bei dem Anzahl Wahrheiten – Anzahl Lügen den größten Wert ergibt? In der zwischenmenschlichen Interaktion spielt Vertrauen eine große Rolle. Was heißt es denn, jemand “gut” zu kennen, denjenigen auch als Freund zu bezeichnen? Im Grunde doch, ein tiefes Verständnis für diese Person zu entwickeln, das in einer gewissen Zuneigung, im Extremfall sogar in Liebe münden kann. Jetzt habe ich da jemand, der mir immer alles so sagt wie es ist – oder eben gar nicht. Damit dreht er mir ein sehr schmales Profil zu, ich kann nicht wissen, wie es an den Längsseiten aussieht. Dann passieren auf einmal Dinge, die ich aus den Aussagen überhaupt nicht abzuleiten waren – ich bin auf einmal sehr unangenehm überrascht.

Es ist keine Lüge, die Wahrheit wegzulassen. Nur ergibt sich daraus eine Art Vakuum. Weil ich die fehlende Wahrheit mit meiner Phantasie ersetze, die dann auch “wahr” sein muss? Moralisch sitzt der Ehrliche jedenfalls auf dem hohen Roß. “Wieso, ich habe doch nichts falsches gesagt?!” Nein! Aber das “Richtige” weggelassen! Das führt in meinem Beispiel dazu, dass man der vermeintlich so ehrlichen Person so gar nicht mehr über den Weg traut – man weiß nie welche Wahrheiten da noch so aus den Löchern kommen.

Ist es deswegen ok, jemand anzulügen? Es scheint mir eher unerwünscht zu sein. Aber auch eine Lüge kann sozialen Frieden stiften, vor allem sind das die “kleinen” Lügen mit eher taktischem Inhalt. Ich für meinen Fall halte das für verzeihlicher, als einen vermeintlichen “Freund” die wirklich wichtigen Sachen zum großen Teil vorzuenthalten. Es ist manchmal richtig, Ballast abzuwerfen. Auch bei Freundschaften kann das vorkommen, vor allem wenn sie gedanklichen Raum einnehmen, der mit irrelevanten Interpretationen gefüllt wird. Das ist übrigens auch eine Wahrheit, die mir das Leben etwas einfacher macht.

Rock Paper Scissors (Lizard Spock)

 
 
 

 

Der Weihnachtsmarkt Schorndorf wird seit gestern durch drei Polizeifahrzeuge gesichert, die quer auf den Zufahrten stehen. Dazu müssen deren Insassen frierend daneben warten, bis die Schicht endlich vorbei ist.
Eigentlich müsste auch noch der Wochenmarkt gesichert werden, da treibt sich noch viel mehr Fußvolk herum. Einen besseren Erfolg hätten die islamischen spacken kaum erzielen können.

Ich bin ja ein großer Freund von Strategiespielen, gerne auch militärischer Art. Wie Schach. Bloss bunter. Jedes dieser Spiele läuft immer darauf hinaus, dass man gemäß dem Papier-Stein-Schere Prinzip eine Situation erzeugt, in der man den Stein hat, während der Gegner mit einer Schere hantiert. Dann kann man verlustfrei Schaden erzeugen. Alle militärhistorischen technischen und organisatorischen Entwicklungen liefen auf das Prinzip hinaus. Hast du eine große Burg vor dir? Baue Schleudern, die eine größere Reichweite haben als die der Verteidiger. Verfügt dein Gegner über keine Luftabwehr? Lass deine Bomber aufsteigen. Hast du keine vernünftigen Schiffe? Bau welche, die unter Wasser fahren können. Und so weiter.

IS zeigt uns gerade eine neue Stufe. Wir werden mit einer Art Low-Tech Angriffen attackiert, gegen die aus meiner Sicht keine vernünftige Abwehrmöglichkeit besteht. Je einfacher, desto besser. 9/11 war zwar spektakulär, aber zu aufwendig, um wiederholt zu werden. Die letzten Jahre zeigen ganz deutlich dass die Angriffe in ihrer Komplexität immer simpler werden, in der Häufigkeit und Effektivität jedoch ständig zunehmen. Europa und ganz speziell Deutschland ist völlig wehrlos in dieser Situation. Die weit entfernte Wurzel des Problems ist für uns wegen militärischer Zahnlosigkeit unerreichbar, genauso unbedeutend unser dortiger politischer Einfluss. Die Streitkräfte des Gegners lassen sich bei uns nicht identifizieren. Die Ziele sind für uns nicht nachvollziehbar und damit nicht berechenbar. Der Gegner hält sich nicht an die Regeln.

Die Medien dröhnen jetzt von Vorschlägen und Maßnahmen, die wir sofort ergreifen müssen. Wie beispielsweise Hunderte von Polizisten auf Weihnachtsmärkte stellen, statt ihre normale Arbeit machen lassen. Gestern abend im SWR Radio ein Beitrag zurm internationalen Rechtsverfolgung, die in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat. Das wird die Hobby LKW-Fahrer sicher abschrecken. Die Leute überwachen. Filmen. Ihre Daten dauerhaft speichern. Wird das helfen?

Ich bin mir unschlüssig. Im vorangegangenen Beispiel des Papier-Stein-Schere Prinzips muss man dafür sorgen, Schere gegen Papier auszutauschen wenn der andere einen Stein hat. Dazu als erstes die Schere in Sicherheit bringen, Rückzug außer Reichweite und dann so lange manövrieren, bis das Papier den Stein erlegt. Aber dazu muss man den Gegner auch als solchen begreifen und nicht nur darauf setzen, dass sich die Situation schon irgendwie von allein wieder beruhigt. Initiative!

OTT 2016 Hahnweide

Nach längerer Pause als gewöhnlich fand letztes Wochenende das Oldtimer-Fliegertreffen OTT 2016 auf der Hahnweide statt. Meines Wissens nach eines der größten Treffen in ganz Europa und aus meiner Sicht die wichtigste öffentliche Veranstaltung Süddeutschlands :-)
Wie schon in den Jahren zuvor waren wieder eine Unmenge Flugzeuge vor Ort, laut Veranstalter waren es allein an die 80 Doppeldecker. Leider konnte ich wegen einer Familienfeier erst am Sonntag hin. Bei 30 Grad im Schatten war ich auf die Resturlaubsbräune absolut angewiesen! Leider hatten einige Teilnehmer ihre Teilnahme absagen müssen, so dass einige “Stars” leider fehlten, unter anderem die “Rote Sieben” aus Manching. Dennoch gab es viele Warbirds zu sehen, unter anderem eine Hawker Hurricane, Spitfire Mk IV, eine P-40, Jak-3, Jak-11 und nicht zuletzt zwei P-51 mit ihren turbogeladenen 12-Zylindern und dem damit erzeugen ohrenbetäubenden Geheul. Einfach umwerfend :-)
Highlight für mich außerdem der Überflug der Me-262 ebenfalls aus Manching und die A-1 Skyraider aus dem Korea-Krieg mit ihren Klappflügeln. Nicht nur für die Zuschauer, auch für die Veranstalter war es wohl ziemlich perfekt: Bestes Wetter, viele Besucher und keine Unfälle.


Zwei Fieseler Störche waren dieses Mal da. Leider konnten sie mangels Wind keinen Rückwärtsflug vorführen ;-)


Die Me-262. Es ist ein Nachbau, es gibt keine originalen Exemplare mehr.


Nicht so ganz Öko. Die Skyraider lässt ihren 2.800 PS Sternmotor an.


P-40 Warhawk am Start. Durch die Windstille wurde von beiden Seiten gestartet und gelandet.


Das Jak.50 Schleppflugzeug nebelt die Piste ein.


Mehrmotoriges gab es auch!


Die Spitfire im Display.

Pax mongolica


Im Urlaub tut man gemeinhin immer das, was man sonst nicht so oft macht. Wie auch in meinem Fall: Ich habe die Gelegenheit genutzt, mich durch einige tausend Seiten der Historienromane von Conn Iggulden zu wühlen. In 5 Bänden wird hier das Leben von Temujin / Genghis Khan und seiner Nachfahren skizziert. In einer derart lebendigen Art und Weise dass man sich fragt, wieso man sich jemals mit “Game of Thrones” abgegeben hat, wenn wahre Begebenheiten doch noch packender sind. Die Geschichte wird allerdings nicht ganz 100% korrekt wiedergegeben, mit Rücksicht auf die Spannungsbögen der einzelnen Figuren. Der Anhang jedes Buches listet die Differenzen auf. Auch ein Blick auf die entsprechenden Wikipedia-Seiten von Genghis (Dschingis) Khan, dem genialen General Tsubodai, Kublai Khan und anderen wichtigen Figuren wie Mongke oder Sokhartani macht klar, dass es wahrscheinlich mehr oder weniger so gewesen sein muss. Drachen sind völlig überbewertet! ;-)

Wolf of the Plains” ist das Intro, das Thema der heranwachsende Khan und die Unmöglichkeit, die mongolischen Stämme zu vereinen.
Lords of the Bow” setzt die Geschichte unmittelbar fort, die Stämme reiten gegen Xi Xia, einen chinesischen Vasallenstaat.
Bones of the Hills” beschreibt im Anschluss daran den Feldzug gegen den Chorezm-Schah, der damals große Teile Persiens (heutiges Iran/Irak/Afghanistan) beherrschte und dessen Reich durch den Angriff der Mongolen völlig zerstört wurde. Das Buch endet mit dem Tod des Khans.
Empire of Silver” ist eine Generation später angesiedelt. Mittelpunkt ist das Schicksal Ögedai Khans, der als Herrscher den Feldzug der Mongolen gegen Russland und Westeuropa befahl. In wenigen Jahren erreichten die Reiter Budapest und Wien und hätten Europe vollständig überrollt, wenn der Feldzug nicht durch den Tod des Khans unterbrochen worden wäre.
Eine irre Vorstellung: Der überraschende, verfrühte Tod eines einzelnen Menschen 1241 ist vermutlich dafür verantwortlich, dass wir heute keine chinesische Schrift haben!
Es gibt noch ein fünftes Buch über Kublai Khan (“Conqueror“), das wiederum eine Generation später das Schicksal dieses Enkels von Genghis Khan schildert. Ich habe es allerdings noch nicht gelesen.

Wer ein bisschen historisches Interesse mitbringt und nichts gegen detaillierte Taktik-Schilderungen hat ist hier genau richtig, sehr empfehlenswert!

Gegenlenken

Ich fahre mit dem Wagen auf einer Pass-Straße. Immer wieder gibt es scharfe Kurven, auf der Talseite geht es bedrohlich weit runter. Ich gehe vom Gas, lenke etwas ein und tippe vielleicht die Bremse kurz an. Völlig gefahrlos das alles, die Familie im Fond schläft selig. Oder spielt Handy. Oder schaut sogar raus.
Szenenwechsel. Diesmal kein Auto, sondern ein Kies-Laster, das ganze bergab und mit defekter Bremsanlage. Mit kurz vom Gas gehen und vorsichtig einlenken ist es hier nicht getan. Drastische Maßnahmen müssen schnell ergriffen werden, wenn die Katastrophe vermieden werden soll.
Gnadenlos runterschalten ohne Rücksicht auf das Getriebe, die defekten Bremsen malträtieren, Ausschau halten nach einer Abzweigung, vielleicht sogar einen geplanten Crash herbeiführen. Lkw-Fahrern fallen hier sicherlich noch bessere Optionen ein.
Das ist natürlich alles wieder nur ein weit hergeholter Vergleich zu dem, was in einer Firma ablaufen kann, die sich aktuell auf einem wirtschaftlich nicht vorteilhaften Kurs befindet, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Kleine Änderungen oder drastische Maßnahmen? Dabei sind für mich zwei Fragen interessant, die ich versuche, in dasselbe Bild zu setzen:
1. In welchem Fahrzeug sitzen wir überhaupt? Rauscht hier der Kieslaster bergab oder nur ein Tuk-Tuk? Was kann maximal passieren, wer und was ist überhaupt betroffen?
2. In welchem Verhältnis stehen die Maßnahmen zu der befürchteten Situation? Müssen Radfahrer bergab jetzt Bremsfallschirme tragen? Oder werfe ich eine Schippe Schotter vom bereits vorher bemühten Laster und hoffe, dass er dadurch deutlich langsamer wird?
Wie man sich denken kann, kommt es also sowohl auf das richtige Verhältnis an, als auch auf die Art der Gegenmaßnahme. Wenn man beschließt, statt Kies nun einfach Stahlbrammen zu befördern ändern sich dadurch nicht die Fahreigenschaften des Lkw.
Das ganze ist natürlich in einem Unternehmen viel komplizierter als in meinem dämlichen Beispiel. Aber die Mechanik ist durchaus vergleichbar. Für drastische Maßnahmen ist vor allem eine gewisse Risikobereitschaft notwendig. Diese ist natürlich bei bestellten Führungskräften höher als bei den Eigentümern, die einen echten Verlust zu verkraften haben, wenn die Sache schiefgeht. Dennoch: Eine falsche Maßnahme verzögert möglicherweise nur das Unausweichliche oder macht es am Ende tatsächlich unausweichlich. Wie den Crash zwei Serpentinen weiter unten.

30 jähriger Krieg, Phase II

Mein Vater hat vor Jahren den Gedanken geäußert, dass der Zustand im Nahen Osten immer mehr dem 30-jährigen Krieg gleicht. Unter dem Vorwand unterschiedlicher religiöser Praktiken wird Krieg gegen die Zivilbevölkerung geführt, dessen Ziel es ist, Ressourcen zu erobern und Machtgrenzen zu erweitern. Ressourcen sind Ölfelder und bewässerungsfähige Flächen. Kommt einem doch gleich bekannt vor. Aktuell sind nun so viele Parteien im Spiel, dass man da etwas den Überblick verlieren kann. Der Spiegel zeigte gestern als “Augenblick des Tages” ein Bild*, das mir eine Weile im Kopf herumging. Abgesehen von der etwas absurden abgebildeten Situation sind mir zwei Punkte aufgefallen, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen:
1. Der Gegner wird hier zwar militärisch bedroht, aber es geht eigentlich um Demütigung: Wir bauen hier in aller Seelenruhe deckungslos eine 15cm++ Haubitze (=Phallus) auf und haben Spass – mit eurer Stadt (=Mutter).
2. Unsere Medien freuen sich über das Bild und verbreiten es weiter. Damit wird erst echte Wirkung erzeugt – sicherlich nicht mit dem wackligen Handybild, das da entstanden sein mag.

Mir erscheint hier wieder die Ahnungslosigkeit, wie Europa vor diesem Konflikt steht. Oder kann es sogar Berechnung sein? Ich hoffe es nicht.

*) abgebildet sind (angeblich) schiitische Milizen, die die sunnitische Stadt Falludja unter Beschuss nehmen. Könnte aber auch anders herum sein, ich kenne mich nicht so gut mit Artillerie aus.

Air Travel

Über Ostern waren wir in kleiner Besetzung in Sevilla. 3 Tage eine fremde Stadt unsicher machen, eine prima Sache. Normalerweise nicht so unsere Art, aber dieses Mal haben wir (aus Versehen!) vieles richtig gemacht. Semana Santa, AirBNB, im Park mit einem Buch auf der Bank, Cafe lecche und Churros, einfach prima.

Aber die Reise. “Moderner” Luftverkehr existiert in der aktuellen Form seit mindestens 50 Jahren. Aber nach wie vor ist es für den Passagier ein grandios hakeliges Unterfangen. Damit meine ich jetzt nicht das ganze Security Theatre, das man über sich ergehen lässt (Stuttgart seit dem letzten Mal als ich dort war: Jetzt auch mit Nacktscanner), sondern schlicht und ergreifend den ganzen Ablauf. Ich verstehe ja, dass man Fahrzeuge im Innenraum so optimiert, das möglichst viele Menschen reinpassen, ist im neuen ICE auch nicht anders. Aber diese Leute müssen auch diese Plätze irgendwie einnehmen können. Und daran hakt’s. Durch den “Finger” spart man sich zwar den Bus, aber der hat nur einen Eingang. Warum eigentlich? Dann rennen natürlich diejenigen als erste los, die die vorderen Plätze haben. Bis am Ende eine halbe Stunde um ist, bis so ein 180 Personen Airbus boarding complete hat. Beim Aussteigen der ganze Quatsch noch einmal, vielleicht marginal schneller, weil die Leute ihre Plätze nicht suchen müssen.
Aber übrigens, Security Theatre: Wenn man mal in den Gate-Bereich muss, so als, sagen wir Staatsfeind oder so geht man doch nicht durch die Sicherheitskontrolle! Nein, man lässt sich mit einer Bordkarte bei der Gepäckausgabe wieder in den Innenraum schleusen. “Ah, habe meine Tasche vergessen, muss der Oma helfen”, was auch immer.

Qualität bei Dienstleistern zeigt oder versteckt sich immer dann, wenn etwas schief geht. z.B. schnelles DSL hat jeder, aber was passiert bei einer Störung? Kommt dann ein Mitarbeiter oder telefoniere ich erst eine Stunde mit Mumbai? Im Luftverkehr ist das genauso. Wir kamen in den Genuss von Vueling, das ist die “Billig”-Tochter von Iberia. Auf dem Rückflug passierte dann folgendes: Nebel über dem Ziel (Flugzeit 1 Stunde, man hätte also vorbereitet sein können..), der Flieger in der Schleife und der Sprit geht zur Neige. Ausweichen zu einem anderen Flugfeld. Soweit, so gut. Wir stehen auf dem Feld, es heißt wir tanken und es geht weiter. Dann die Meldung, es dauert noch drei Stunden, wir sollen alle aussteigen. Der ganze Flieger in einen Bus, passt nicht, einige müssen auf dem Flugfeld stehen bleiben. Warum weiß eigentlich niemand, wieviel Leute im Flieger sind und wieviel Menschen in einen Bus passen? Dieses Wissen muss irgendwann verloren gegangen sein. Das Gefährt setzt sich Richtung Terminal in Bewegung. Stoppt direkt davor, Rückwärtsgang wird eingelegt (kein Witz, wir sind auf dem FLUGFELD(!)), es geht zurück zum Flieger. Alle wieder rein. Hatte ich schon erwähnt, wie lang das jedes Mal dauert? Mitteilung, es geht jetzt doch weiter, Terminal dauert zu lange. Ein kollektives Aufseufzen geht durch die Maschine. Die Spanier, muss man fairerweise sagen, nehmen die Situation mit stoischer Gelassenheit hin. Ich bin froh, nicht in einem deutschen Ferienflieger zu sitzen. Wir warten noch 45 Minuten. Dann sind wir viel später doch noch am Ziel. Die Transitpassagiere am Zielflughafen in Aufregung, es hat nun jeder seinen Anschlussflug verpasst. Keine Durchsage, kein Personal am Terminal, gar nichts. Durchfragen im Terminal, Ticketing, ein Glücksfall: Wir werden umgebucht zu Germanwings. Und kommen sogar noch am gleichen Tag nach Hause, viele andere müssen übernachten. Jetzt kommen wieder die um die Ecke, die sagen, was hast du für ein Problem bei dem Preis. Gute Frage. Aber es muss doch auch möglich sein, ein komplett industrialisiertes Flugtransportangebot zu machen, ohne die Kunden so zu behandeln. In anderen Branchen klappt das doch auch, von Starbucks bis ATU. Nur beim Fliegen herrscht immer noch der Kenntnisstand von 1961, außer das kein freundliches Personal mehr vorgehalten wird und die Sitzreihen so eng sind, dass meine Knie (1,87m) in ECO nicht mehr dazwischen gehen. Forget it!