Nicht mehr ganz dicht

Zuverlässigkeit ist eine wichtige Eigenschaft von Waschmaschinen. Sie sollen möglichst unauffällig funktionieren und spätestens jedes Wochenende die angehäuften Wäscheberge bearbeiten. Unser Gerät hat sich dabei in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Um so größer meine Bedenken, als sich vor kurzem zum wiederholten Mal ein kleiner See unter der Maschine bildete.

Dann hatte der See einmal eine Größe, die als “bedrohlich” eingestuft wurde, so dass wir den Bosch Kundendienst anriefen. Der tauchte erfreulich zügig auf und fand auch sogleich die Ursache: Ein spitzer Gegenstand unbekannter Art hatte ein fingernagel-großes Loch in die Gummi-Manschette gerissen. Die Stelle war unter einem Falz und war uns daher nie aufgefallen. Für diese Mißhandlung kann man das Gerät sicher nicht verantwortlich machen. “200€!” verkündete der Kundendienstler sofort, geübt darin, schreckliche Nachrichten ohne großes Drumherum zügig zu überbringen. Ohne Arbeitszeit. Darauf hin sofort meine Frage, ob man das denn nicht flicken könnte. Unvorsichtigerweise bejahte dieser mit “können Sie ja versuchen” und so musste er wieder abziehen. Ach ja, abziehen, die Anfahrtspauschale (60€!) hat er natürlich trotzdem verdient. Danach war natürlich zu beweisen, ob sich Waschmaschinen genauso gut vulkanisieren lassen wie Fahrradschläuche. Und siehe da, es klappte ganz gut. Im Gegensatz zu Fahrrädern kann man hier die Flicken auf beiden Seiten aufbringen.

(Der Stift zum Aufspreizen hat natürlich eine stumpfe Spitze, ich habe nicht versucht, gleich noch ein Loch zu stechen..) Gerät wieder zusammengebaut und eine Probewäsche laufen lassen. Das Wasser blieb drin. Ob es ewig so bleiben wird weiß ich nicht, aber zumindest ist jetzt die “Sollbruchstelle” bekannt.

Sicherung durchgebrannt: Logitech Z-5500

Vor 6 Jahren habe ich mir eine 5.1 Anlage für mein Arbeitszimmer zugelegt. Logitech Z-5500. Jahrelang erfreute mich der Spitzenklang und der störungsfreie Betrieb – bis – wir ahnen es bereits – dieses Wochenende. Status-LED aus, kein Muckser mehr. Die Sache erstmal zur Seite gelegt weil ich hier ohnehin neu verkable. Aber so ganz ohne Musik.. Hinten am Subwoofer ist neben dem Netzschalter eine Sicherung, die man mit einem Schraubenzieher herausdrehen kann. Durchgemessen – futsch. Hm gut, das kann ja mal passieren. Im Bauteile-Arsenal gewühlt und ein passendes Ersatzteil eingebaut, vorher natürlich noch probiert ob sie funktioniert. Nichts rührt sich. Mir schwant nichts Gutes. Ausgebaut, durchgemessen, auch futsch. Uuh, gar nicht gut. Das sind Momente in denen ich erstmal google, bevor ich die Gehäuserückwand komplett abschraube. Dabei stieß ich auf diesen etwas bizarren Forumsthread, in dem ein User mit dem wenig vertrauenserweckenden Namen Keine_Ahnung90 (seit 90 keine Ahnung oder Baujahr 90 und keine Ahnung?) behauptet, dass das passiert, wenn man den Subwoofer mit seinem eigenen Netzschalter einschaltet. Klingt komisch, aber das hatte ich eben getan. Ob der nicht doch recht hat? Also nochmal in den Bauteilen gewühlt, diesmal deutlich länger. Manchmal ist es doch praktisch, daß ich jeden Scheiß aufbewahre an dem ein Kabel dranhängt. Dann die Reihenfolge: Ausstecken, Netzschalter an, Sicherung einbauen, Einstecken. Ich fall vom Glauben ab: Es tut wieder! Ein Tip aus der Hexenküche, danke Keine_Ahnung90! Du hattest Recht, auch wenn dich die Forumskollegen niedergeflamt haben. Vermutlich ist die Spannungsspitze beim Schaltvorgang so hoch dass die Sicherung sofort nachgibt. Jetzt weiß ich es und fass da nie wieder dran ;-)

Was es wert ist

Bildung Bildung Bildung

Heute: Ein praktischer Fall. In unserem Unternehmen betreue ich seit einiger Zeit die sog. “BA-Studenten”. Die Berufsakademie heißt inzwischen etwas sperriger “Duale Hochschule Baden-Württemberg” kurz DHBW, die Bezeichnung hat sich aber noch nicht auf die Studenten übertragen. Das ist zumeist keine unangenehme Aufgabe. Gestern erreichte mich nun eine Zuschrift der DHBW, in der diese um nebenberufliche Dozenten warb. Zitat:

“Zur Praxisorientierung gehört auch, dass die Vorlesungen zum überwiegenden Teil von Praktikern aus den Unternehmen gehalten werden.”

Man übernimmt also eine Vorlesung inkl. ausführlichem Curriculum, darf sich darauf vorbereiten, Klausuren durchführen und korrigieren. Diese Tätigkeit ist steuerfrei bis 2.100€ wegen des “Übungsleiterfreibetrags”. Vergütet wird das Ganze mit sagenhaften 35,00€ die Stunde. Die gibt es allerdings nur für die tatsächlich gehaltene Vorlesungszeit, die Prüfungs- oder Vorbereitungszeit muß dazu erbracht werden.
In diesem Sinne richtet sich das Angebot anscheinend eher an emeritierte Praktiker denn an Fachleute aus Unternehmen, die wirklich was auf der Pfanne haben. Diese benötigen dann auch eine Wagenladung an Idealismus, um hier zuzugreifen. Vielleicht kann einer mitmachen, der keine Familie, Freunde oder Hobbies hat, aber nüchtern betrachtet klingt das ganze wie ein Witz.
Um an der DHBW eine hochwertige Ausbildung zu ermöglichen braucht die Hochschule natürlich in erster Linie fähige Dozenten. Die Leute direkt aus den Unternehmen zu rekrutieren halte ich für eine schlaue Idee, da diese im Umkehrschluss direkt davon profitieren. Damit gute Leute anbeißen sollte das aber anders gelöst werden. Vielleicht indem das Unternehmen eine Förderung für die Freistellung eines MA für diese Zeit erhält, so daß derjenige nicht seine Freizeit opfern muss. Oder durch eine attraktivere Vergütung.
Oder habe ich einen zu merkantilen Ansatz? Sollte ich sagen, hey, das ist Berufung, das ist mir wichtig, würde ich sogar ohne Geld machen!
Könnte sein. Vielleicht weil mich sonst keiner mag. Oder mir keiner zuhören will.
Ich gebe zu, eine Minute hat mich die Idee gereizt. Aber nicht länger.

Abschaffen!

Nachdem sich gestern die CDU abgeschafft hat hatte ich auch sofort Ideen, was man alles abschaffen könnte. Eingedenk dessen, daß ich heute morgen wieder völlig verschlafen bei der Arbeit aufschlug habe ich einen meiner Lieblingsabschaffungskandidaten für euch herausgepickt: Die Sommerzeit. Ursprünglich gut gemeint als Verlängerung der Tageszeit (in anderen Ländern spricht man von “daylight savings time“) hat sie meinem Empfinden nach überhaupt keine positive Auswirkung. Energie wird anscheinend auch nicht gespart. Es gab vor ein paar Jahren schon mehrere Petitionen zu dem Thema, sie wieder loszuwerden. Diese wurden abgeschlossen, was soviel wie abgelehnt bedeutet. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Begründung, warum dem Anliegen nicht entsprochen werden kann: Dem Argument der Nutzlosigkeit wird darin beigepflichtet, allerdings ist das vorgeschützte Ziel der möglichst hohe zeitliche Gleichlauf aller europäischer Länder. Der sei sehr wichtig. Durchaus korrekt. Nur warum müssen wir dazu alle die Uhr umstellen? Der Fehler muss also auf europäischer Ebene behoben werden, was natürlich bei dieser Bürokratie vollkommen unmöglich ist. Das steht zwar nicht wörtlich drin, dennoch ist diese Offenheit fast schon erfrischend. Einen arabischen Imperator loszuwerden scheint fast einfacher zu sein. Sei’s drum.
In der nächsten Folge geht es weiter mit meinen anderen Wunschkandidaten: Dem Steuergesetz und dem öffentlich-rechtlichen Funk und Fernsehen :-)

Verdünnung

Wenn man sich aufrafft zum Blutspenden zu gehen und der untersuchenden Ärztin verrät, daß man morgens ein Aspirin eingenommen hat sind lange Gesichter gewiß: Jetzt ist man zwar nicht disqualifiziert, das Blut kann jedoch nur noch sehr eingeschränkt verwendet werden! Besser ist es also, noch einen Tag zu warten. Termine gibt es in der Regel fortlaufend. Nur wenn man dann schon in der Halle steht, ist es eben zu spät.

Auf der Couch

Neulich hatten wir bei der Arbeit das Vergnügen, an einem Teamworkshop teilnehmen zu können. Das “Vergnügen” ist übrigens völlig zynismusfrei zu verstehen. Der Anbieter hatte sehr professionelle Leute vor Ort, die ausnahmslos alle Kollegen zur kreativen Mitarbeit bewegen konnten. Ungewöhnlich, aber sehr effektiv, soweit ich es beurteilen kann. Schön und gut, die letzte Stunde wurde einer fast schon heiteren Vorstellung eines psychologischen Denkmodells gewidmet. Von einem Herrn Riemann im letzten Jahrhundert entwickelt, werden in diesem Modell vier seelische Grundausprägungen definiert, die unten als Kästchen dargestellt sind. Einige der charakterlichen Eigenschaften sind in blau aufgeführt. Dabei ist es nicht so zu verstehen, daß ein Mensch ausschließlich einer Gruppe zugehört. Es ist vielmehr so, daß in uns Bestandteile aller Gruppen in unterschiedlicher Stärke enthalten sind. Soweit ist es noch nicht ganz interessant. Die wesentliche Beobachtung liegt daran, daß in der Regel zwei Richtungen vorherrschend sind. Diese sind zumeist direkt benachbart, wir in meiner amateurhaften Skizze durch die roten Elemente verdeutlicht. So erkennt man sich schon eher wieder. Richtig lustig wurde es, als einige Teilnehmer dann ihre Selbsteinschätzung in diesem Diagramm zum Besten gaben. Anscheinend haben manche eine recht gewagte Selbstwahrnehmung. Die Schwerpunkte sind übrigens nicht unverrückbar. Es kann durchaus vorkommen, daß Menschen im Laufe ihres Lebens quasi über den Plan wandern oder für bestimmte Situationen einen anderen Platz einnehmen. In Gruppen sind oft alle Elemente vertreten, auch wenn die Gruppenteilnehmer vorwiegend aus einer Ecke des Plans kommen. Alle erfüllen dann in der Gruppe eine bestimmte Aufgabe.

Auch wenn mir eine solche Kategorisierung von Personen eher widerstrebt war es trotzdem ganz interessant, sich einmal damit auseinanderzusetzen.

Chili 2010

Auch in diesem Jahr haben wir wieder fleißig Chilis ausgesät (wie schon früher berichtet), umtopft und natürlich immer reichlich gegossen. Im Unterschied zu den Vorjahren habe ich aber wieder bei Rühlemann Samen bestellt, um neue Sorten auszuprobieren. (Der Laden ist übrigens ein exzellentes Beispiel dafür, wie man mit ein bißchen Geschick selbst eine Gärtnerei 100% internet-tauglich machen kann). Am Ende hatten wird dann 8 Sorten am Start. Wir haben uns auf wenige Samen pro Sorte beschränkt, damit das hinterher auf der Dachterasse nicht überhand nimmt mit den Töpfen. Und Glück gehabt, bis auf eine Sorte konnten wir aus allen Varianten Pflanzen ziehen. Der für die meisten von uns eher unangenehm feuchte Sommer war aber für die Pflanzen nicht schlecht, da es trotzdem warm war und die Wasserversorgung auf der Dachterrasse immer sichergestellt war. Dazu habe ich dieses Jahr auch endlich einen Schlauch besorgt, den ich bei Bedarf bei geöffnetem Fenster mit unserem Küchenwasserhahn verbinden kann. Die Früchte wurde also zahlreich und sind nach wie vor recht saftig. Leider nicht bei allen Pflanzen, manche haben es jetzt erst zu Blüten geschafft. Dieses Jahr werde ich auch erstmalig einen Überwinterungsversuch machen, zumindest bei den Sorten, die dafür angeblich geeignet sind.

Die Glockenchilis sind noch ein Überbleibsel vom Vorjahr. Sie sehen vor allem lustig aus, besonders scharf werden sie nicht.

Die ewige Criolla Sella war dieses Jahr natürlich auch wieder mit von der Partie, allerdings nur mit einer Pflanze. Daß das gut abgeht wissen wir schon. Schärfe ist ausreichend vorhanden, vor allem in den Samen. 3 komplette Früchte machen eine Tomatensauce schon fast ungenießbar.

Der Überraschungstreffer 2010 ist die Cayenne Chili (Capsicum annuum). Der gedeiht bei uns fantastisch, wir haben nur eine Pflanze aber die hängt brechend voll. Ich werde die Früchte vermutlich trocknen und nächstes Jahr hier definitiv weitermachen.

Die ungar. Kirschpeperoni war ebenfalls ein Erfolg, wenn sich hier auch nicht so viele Früchte an der Pflanze gebildet haben. Ich vermute, daß dazu etwas mehr Schatten und vor allem wesentlich größere Töpfe benötigt werden. Die kann man auf unserer Dachterrasse aber nicht mehr verargumentieren, hier steht ohnehin alles dicht an dicht. Tja, was man alles mit einem Gewächshaus ausrichten könnte.. :-)

Ich kann es nur weiterempfehlen. Die Mühe hält sich in Grenzen, die Pflanzen und Früchte sind sehr dekorativ und der geerntete Vorrat reicht meistens locker bis zur nächsten Ernte. :)

Stupor Mundi

Vergangenes Wochenende wurde reichlich in der staufischen Vergangenheit gewühlt. Das begann am Donnerstag eher unfreiwillig mit dem Besuch des Kinofilms “Robin Hood” im Open Air Kino, der die Entstehung der Legende thematisiert. Der Film (eigentlich recht sehenswert, SterneSterneSterneSterneSterne) beginnt mit der Belagerung einer Burg durch Richard I., (aka Löwenherz) angeblich auf seiner Rückkehr nach der Gefangennahme. Dabei wird Richard tödlich verletzt. In Wahrheit geschah das erst 5 Jahre später (1199) bei Kämpfen in Aquitanien. Einer der Geiselnehmer, der Staufer Heinrich VI, war der Vater von Friedrich II, dem “stupor mundi“, so eine Art mittelalterlicher Ausnahmeerscheinung. War er doch sehr gebildet und angeblich nicht so rustikal wie seine Vor- oder Nachfahren. An dem Menschen hatte ich mich festgelesen. Liegt wohl an dem exzentrischen Titel ;-) Sei’s drum, zurück zu Löwenherz. Nach der Überstellung des Gefangenen von Leopold V, der diesen in Wien geschnappt hatte, an Heinrich saß dieser auf Burg Trifels ein, auf der wir dann zwei Tage später standen.

Kurz hinter Landau in der Pfalz gelegen kann man hier wunderschön wandern. Der Trifels ist übrigens eine der wenigen intakten Burganlagen der Gegend, in der es von Ruinen nur so wimmelt. Allerdings nicht in der ursprünglichen Form erhalten, sondern von einem Hr. Esterer gestaltet, im dritten Reich wieder restauriert. Das tut der Anlage meines Erachtens aber keinen Abbruch. In staufischer Zeit wurde die Gegend als eine der sichersten des Reiches betrachtet, hier wurden die Schätze (Reichskleinodien) verwahrt. Später, als die Staufer weg waren verfiel auch die Bedeutung der Burg bis sie schließlich nach einem Blitzschlag abbrannte.

Das ganze Ding ist auf einer Klippe aus relativ weichem, roten Sandstein gebaut, heute auch ein beliebtes Ziel von Kletterern. Wirklich erstaunlich, wie haltbar der Berg ist. Überhaupt, die ganze Gegend gefällt mir gut: Von der Wärme der Rheinebene profitieren die Weinberge, in den Wäldern stehen allerlei Pflanzen, die man teilweise erst wieder südlich der Alpen findet, z.B. Eßkastanien, der Pälzer nennt sie Keschde. Außerdem viele Kiefern, Farne und Heidekraut auf sandigen Böden. Diese stehen in der Regel auf der Westseite der Hügel. In den Ostlagen findet man dafür relativ hohe Buchenwälder mit doppelten Baumhöhen. Kurzum, das Ambiente ist unterhaltsam.

Überhaupt, der Wanderer ist gut versorgt. Reichlich Möglichkeit zum Einkehren, schöne Wege (mit leider etwas zuviel Mountainbikern), gut markiert. Ein paar Caches obendrauf. Ich hatte übrigens mit wesentlich mehr Publikumsverkehr gerechnet, auf vielen Aussichtspunkten saßen wir ganz allein und begegneten unterwegs nicht vielen Leuten. I’ll be back!