Was es wert ist

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Heute: Ein praktischer Fall. In unserem Unternehmen betreue ich seit einiger Zeit die sog. “BA-Studenten”. Die Berufsakademie heißt inzwischen etwas sperriger “Duale Hochschule Baden-Württemberg” kurz DHBW, die Bezeichnung hat sich aber noch nicht auf die Studenten übertragen. Das ist zumeist keine unangenehme Aufgabe. Gestern erreichte mich nun eine Zuschrift der DHBW, in der diese um nebenberufliche Dozenten warb. Zitat:

“Zur Praxisorientierung gehört auch, dass die Vorlesungen zum überwiegenden Teil von Praktikern aus den Unternehmen gehalten werden.”

Man übernimmt also eine Vorlesung inkl. ausführlichem Curriculum, darf sich darauf vorbereiten, Klausuren durchführen und korrigieren. Diese Tätigkeit ist steuerfrei bis 2.100€ wegen des “Übungsleiterfreibetrags”. Vergütet wird das Ganze mit sagenhaften 35,00€ die Stunde. Die gibt es allerdings nur für die tatsächlich gehaltene Vorlesungszeit, die Prüfungs- oder Vorbereitungszeit muß dazu erbracht werden.
In diesem Sinne richtet sich das Angebot anscheinend eher an emeritierte Praktiker denn an Fachleute aus Unternehmen, die wirklich was auf der Pfanne haben. Diese benötigen dann auch eine Wagenladung an Idealismus, um hier zuzugreifen. Vielleicht kann einer mitmachen, der keine Familie, Freunde oder Hobbies hat, aber nüchtern betrachtet klingt das ganze wie ein Witz.
Um an der DHBW eine hochwertige Ausbildung zu ermöglichen braucht die Hochschule natürlich in erster Linie fähige Dozenten. Die Leute direkt aus den Unternehmen zu rekrutieren halte ich für eine schlaue Idee, da diese im Umkehrschluss direkt davon profitieren. Damit gute Leute anbeißen sollte das aber anders gelöst werden. Vielleicht indem das Unternehmen eine Förderung für die Freistellung eines MA für diese Zeit erhält, so daß derjenige nicht seine Freizeit opfern muss. Oder durch eine attraktivere Vergütung.
Oder habe ich einen zu merkantilen Ansatz? Sollte ich sagen, hey, das ist Berufung, das ist mir wichtig, würde ich sogar ohne Geld machen!
Könnte sein. Vielleicht weil mich sonst keiner mag. Oder mir keiner zuhören will.
Ich gebe zu, eine Minute hat mich die Idee gereizt. Aber nicht länger.

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