Wahlfrust ’17

Noch eine Woche bis zur Wahl. Der Wahlkampf könnte langweiliger nicht sein. Mein Tip: Es wird gerade so, haarscharf, wieder für die ehemalige “große” Koalition reichen. Die Union hat den rechten Rand der SPD angenagt und dabei den eigenen rechten Rand aufgegeben. Viele finden das mehr oder weniger scheiße, aber so ist das mit der Thermodynamik.
Für mich gibt es zwei Themen, die alles in den Schatten stellen:
1.) Die Veränderung unserer Gesellschaft: Dazu zähle ich Flüchtlingskrise, Integration, soziale Gerechtigkeit, Altersarmut und die “Verrohung” größerer Bevölkerungsteile mit den passenden Folgen.
2.) Klima: Überbevölkerung, Flächenverbrauch, Energiewende, Luftverschmutzung, CO2, Diesel-“Affäre”. Einfach der individuell viel zu hohe Energieverbrauch.
Die Politik hat die Möglichkeit, diese Fragen anzugehen, viel mehr als jeder Einzelne. Ich kann mich aus den vergangenen Jahren jedoch nur an zwei Situationen erinnern, an denen etwas passiert ist: Fukushima 2011 und Grenzöffnung 2015. Reaktion! Keine Gestaltung.
Ich bedaure außerordentlich, dass keiner bereit ist, anzupacken.

Ziemlich rote Wolke

Edit: Ich hatte (leider) Recht, konnte aber nicht ahnen, dass sich die SPD diesmal nicht für den Futtertrog entscheidet. Wie unerwartet. Das Ergebnis ist aber ganz ähnlich. Durch das breite Meinungsspektrum in der Koalition verlieren sie am Ende alle. Ich fürchte weiteren Stillstand..

Rock Paper Scissors (Lizard Spock)

 
 
 

 

Der Weihnachtsmarkt Schorndorf wird seit gestern durch drei Polizeifahrzeuge gesichert, die quer auf den Zufahrten stehen. Dazu müssen deren Insassen frierend daneben warten, bis die Schicht endlich vorbei ist.
Eigentlich müsste auch noch der Wochenmarkt gesichert werden, da treibt sich noch viel mehr Fußvolk herum. Einen besseren Erfolg hätten die islamischen spacken kaum erzielen können.

Ich bin ja ein großer Freund von Strategiespielen, gerne auch militärischer Art. Wie Schach. Bloss bunter. Jedes dieser Spiele läuft immer darauf hinaus, dass man gemäß dem Papier-Stein-Schere Prinzip eine Situation erzeugt, in der man den Stein hat, während der Gegner mit einer Schere hantiert. Dann kann man verlustfrei Schaden erzeugen. Alle militärhistorischen technischen und organisatorischen Entwicklungen liefen auf das Prinzip hinaus. Hast du eine große Burg vor dir? Baue Schleudern, die eine größere Reichweite haben als die der Verteidiger. Verfügt dein Gegner über keine Luftabwehr? Lass deine Bomber aufsteigen. Hast du keine vernünftigen Schiffe? Bau welche, die unter Wasser fahren können. Und so weiter.

IS zeigt uns gerade eine neue Stufe. Wir werden mit einer Art Low-Tech Angriffen attackiert, gegen die aus meiner Sicht keine vernünftige Abwehrmöglichkeit besteht. Je einfacher, desto besser. 9/11 war zwar spektakulär, aber zu aufwendig, um wiederholt zu werden. Die letzten Jahre zeigen ganz deutlich dass die Angriffe in ihrer Komplexität immer simpler werden, in der Häufigkeit und Effektivität jedoch ständig zunehmen. Europa und ganz speziell Deutschland ist völlig wehrlos in dieser Situation. Die weit entfernte Wurzel des Problems ist für uns wegen militärischer Zahnlosigkeit unerreichbar, genauso unbedeutend unser dortiger politischer Einfluss. Die Streitkräfte des Gegners lassen sich bei uns nicht identifizieren. Die Ziele sind für uns nicht nachvollziehbar und damit nicht berechenbar. Der Gegner hält sich nicht an die Regeln.

Die Medien dröhnen jetzt von Vorschlägen und Maßnahmen, die wir sofort ergreifen müssen. Wie beispielsweise Hunderte von Polizisten auf Weihnachtsmärkte stellen, statt ihre normale Arbeit machen lassen. Gestern abend im SWR Radio ein Beitrag zurm internationalen Rechtsverfolgung, die in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat. Das wird die Hobby LKW-Fahrer sicher abschrecken. Die Leute überwachen. Filmen. Ihre Daten dauerhaft speichern. Wird das helfen?

Ich bin mir unschlüssig. Im vorangegangenen Beispiel des Papier-Stein-Schere Prinzips muss man dafür sorgen, Schere gegen Papier auszutauschen wenn der andere einen Stein hat. Dazu als erstes die Schere in Sicherheit bringen, Rückzug außer Reichweite und dann so lange manövrieren, bis das Papier den Stein erlegt. Aber dazu muss man den Gegner auch als solchen begreifen und nicht nur darauf setzen, dass sich die Situation schon irgendwie von allein wieder beruhigt. Initiative!

30 jähriger Krieg, Phase II

Mein Vater hat vor Jahren den Gedanken geäußert, dass der Zustand im Nahen Osten immer mehr dem 30-jährigen Krieg gleicht. Unter dem Vorwand unterschiedlicher religiöser Praktiken wird Krieg gegen die Zivilbevölkerung geführt, dessen Ziel es ist, Ressourcen zu erobern und Machtgrenzen zu erweitern. Ressourcen sind Ölfelder und bewässerungsfähige Flächen. Kommt einem doch gleich bekannt vor. Aktuell sind nun so viele Parteien im Spiel, dass man da etwas den Überblick verlieren kann. Der Spiegel zeigte gestern als “Augenblick des Tages” ein Bild*, das mir eine Weile im Kopf herumging. Abgesehen von der etwas absurden abgebildeten Situation sind mir zwei Punkte aufgefallen, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen:
1. Der Gegner wird hier zwar militärisch bedroht, aber es geht eigentlich um Demütigung: Wir bauen hier in aller Seelenruhe deckungslos eine 15cm++ Haubitze (=Phallus) auf und haben Spass – mit eurer Stadt (=Mutter).
2. Unsere Medien freuen sich über das Bild und verbreiten es weiter. Damit wird erst echte Wirkung erzeugt – sicherlich nicht mit dem wackligen Handybild, das da entstanden sein mag.

Mir erscheint hier wieder die Ahnungslosigkeit, wie Europa vor diesem Konflikt steht. Oder kann es sogar Berechnung sein? Ich hoffe es nicht.

*) abgebildet sind (angeblich) schiitische Milizen, die die sunnitische Stadt Falludja unter Beschuss nehmen. Könnte aber auch anders herum sein, ich kenne mich nicht so gut mit Artillerie aus.

Durchwurschtelmeister 2015

Deutschland – Meister der Symptombekämpfung: Wie, die Griechen haben kein Geld mehr? Dann geben wir ihnen welches, damit sie es uns zurückzahlen können! Unkontrollierte Massen von Flüchtlingen strömen ins Land? Oh ja, tja, dann.. räumen wir mal die Turnhallen leer. Ein paar Ehrenamtliche kümmern sich bestimmt um die kleinen Verständigungsprobleme. In Paris werden in einer Nacht Leute zu Hunderten niedergeschossen? Hm, ein paar Aufklärungstornados helfen bestimmt, das Problem zu lösen. Und jetzt? 200 379 516 Anzeigen wegen sexueller Übergriffen in nur einer Nacht von einem Platz? (N.B.: Um ein Gefühl für die Dimension zu bekommen: Wie hoch ist hier die Dunkelziffer?!) Was könnte man machen? Genau! Wir feuern den Polizeipräsidenten. Denn daran ist unter Garantie mindestens die Polizei schuld. Es muss ja an uns selbst liegen – wahrscheinlich war’s eine kurze Unterbrechung der Willkommenskultur. Wie man ein stabiles, wirtschaftlich gesundes Land mit hoher innerer Sicherheit in nur einem Jahr so dicht an den Abgrund fahren kann will einfach nicht in meinen Kopf. Wie kann das alles gelöst werden? Horst kommt nicht in die Pötte, er kommt mir vor wie der Ehemann, der mit dem unsichtbaren Nudelholz bedroht wird. Es muss wohl wieder eine Linksregierung machen, so wie damals mit der Agenda 2010. Hab ich das wirklich geschrieben? Soll ich das wirklich online stellen? :-(

Podiumsdiskussion “Zukunft der Stadt”

Gestern abend war ich Gast einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Stadt. Veranstaltet vom Zeitungsverlag war der Auslöser die anstehende Kommunalwahl. Hier sollte den Parteien Gelegenheit gegeben werden, mit Fragen zu städtischen Themen Profil zu gewinnen. Mein Fazit: Ich bin schier eingeschlafen.
Politik speziell auf lokaler Ebene ist nun mal ein äußerst personen-bezogenes Geschäft. Ich wähle nicht “meine” Partei sondern den Verein, der am wenigsten Schwachköpfe aufgestellt hat. Da hätte man gestern vielleicht bis auf eine Ausnahme ein gelb- oder schwarz-grünes Bündnis schließen können. Brr! Überhaupt war ich völlig erstaunt von der Einigkeit.. oder ich nenne es lieber Profil-losigkeit der Anwesenden. Weichgespültes Phrasendreschen, keine Auseinandersetzung. Zwischenrufe? Fehlanzeige. Wie im Bundestag am letzten Sitzungstag vor der Sommerpause. Zzzzz. Dazwischen verblüffte mich vor allem das erschreckende Fehlen von Sachkenntnis. Es wurde rund 20 Minuten über die Verwendung des Breuninger-Areals diskutiert (eine stadt-nahe Industriebrache mit Ruine aus Gründerzeit), bis die Anwesenheit vom Stadtrat der FDP freundlich daran erinnert wurde, daß man damit eigentlich gar nichts machen könne solange der Besitzer das Gelände der Stadt nicht verkauft hätte. Ach. Oder ob der Gemeinderat irgendeinen Einfluß auf die Klassengrößen an den örtlichen Schulen hat. So.
Luftige Thesen gab es allerhand: Studenten-WG’s am Bahnhof, dazu noch “shared Space”, die duale Hochschule im Breuninger, Fahrradmitnahme im Bus nach Oberberken, Begegnungsstätte Jung und Alt in der neuen Mensa Grauhalde. Puh, da ging einem das Herz auf. Als dann noch das Millionengrab Stadthallensee als positive Entwicklung der letzten 10 Jahre von einem Vertreter der Grünen ausgelobt wurde habe ich den inneren Shutdown ausgelöst und bin in den Energiespar-Modus übergegangen.
Leider langweilig! Ich wähle wieder die kantigsten quer durch die Parteien :-)

Rätselhaft

Das wirkt ja wie ein Weihnachtsmärchen: Putin läßt den Chodorkowski 3 Tage vor Weihnachten nach 10 Jahren Haft frei. Bin ich der einzige, der sich jetzt fragt, was Gensch-Man dafür verkauft hat, daß der jetzt (ausgerechnet) hier frei herumläuft? Komischer Zufall auch die Meldung desselben Tages, dass die Russenmafia in ganz großem Stil am europäischen Strommarkt zockt. Mein Gutglaub-Konto ist langsam überzogen. Wer jetzt immer noch keine schlechte Laune hat, schaut mal bei Fefe rein, das dürfte dann endgültig reichen :-)

Töpfe, Pfründe und die Verhältnismäßigkeit

Seit einiger Zeit versuche ich in kleinem Rahmen, an der Organisation und eventuell auch ein wenig an der Zukunft unseres Quartiers mitzuwirken. Neulich gab es eine interessante Gelegenheit, den Baubürgermeister, die Leiterin des Amts für Wirtschaftsförderung und den Leiter des Stadtplanungsamts persönlich kennenzulernen. Letzterer ist übrigens als “Erfinder” des innenstädtischen Kreisverkehrs zur Verkehrsentlastung bekannt was unter anderem dazu führte, dass es hier im Ort kaum mehr eckige Kreuzungen gibt. Gut, ich mag Kurven auch lieber.
Ein großer Teil unseres Viertels ist ein sog. Sanierungsgebiet. In diesem Bereich können Bau- und Renovierungsprojekte von der Stadt gefördert werden, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Das Geld dafür kommt sowohl vom Land als auch vom Bund. Die Förderung beträgt sensationelle 22%. Zu Beginn präsentierte der Baubürgermeister mit vielen Powerpoints die geförderten Objekte. Ich muss es ihm lassen, das Geld hätte man schlechter anlegen können. Allerdings war ich erstaunt, welche unterschiedlichen Projekte zum Zug kommen. Auf der einen Seite der private Häuslessanierer, der seiner Fassade einen neuen Anstrich verpaßt, auf der anderen Seite bekommt eine Fondsgesellschaft für ein Großprojekt aus den Fördermitteln die Baugrube bezahlt. Auch in meiner unmittelbaren Nachbarschaft reibt sich einer die Hände: Für sensationelle 2 Millionen Euro wird ein Mehrfamilienhaus in .. deluxe-Innenstadtwohnungen umgebaut. 22%, wir erinnern uns, das sind dann 440.000€ Euro Förderung. Nicht schlecht oder? Das minimiert das unternehmerische Risiko. Aber man sollte nicht in den S-21 Modus verfallen. Es hat auch sein Gutes, wenn die öffentliche Hand Geld ausgibt, allen voran die Aufwertung des gesamten Quartiers.
Vor einigen Wochen erhielten wir einen Brief, in dem die Stadt die Vergrößerung des Sanierungsgebiets ankündigte. Unser Block gehört nun auch dazu. Da wir einige Baustellen am Haus haben, rief ich selbst im Rathaus an, um die Möglichkeiten z.B. zur Sanierung unseres Gewölbekellers auszuloten. Es sei aktuell kein Geld mehr vorhanden wurde mir beschieden, ich solle doch nach dem Sommer nochmals anrufen. Jetzt ist mir auch etwas klarer, warum das so ist. Aber warum wird ein Sanierungsgebiet vergrößert, wenn keine Mittel mehr vorhanden sind? Irgendwo sitzt einer in den Startlöchern.
Während ich also die Aktivitäten mit Interesse verfolge bin ich trotzdem ein bisschen skeptisch. Irgendwo passt hier was nicht ganz zusammen. Nicht viel, aber ein bisschen. Schade ist auch, dass die Aktion nicht richtig transparent ist. Der Bürger bekommt nicht das ganze Bild mit, höchstens als Randnotiz, wenn der Gemeinderat oder wenn es reicht dessen techn. Ausschuss gerade über eine Einzelmaßnahme abgestimmt hat. Im ganzen betrachtet macht es schon was her.
Ich glaube auch, viele der Hausbesitzer wissen nicht einmal, welche Möglichkeiten sie haben. Auch deshalb plant der Baubürgermeister eine Broschüre oder Flyer über die erfolgten Sanierungsmassnahmen. Schade nur, dass sie fast zuende sind. Immerhin hat er dann eine klasse Referenz für seinen weiteren Werdegang. Uh, das klingt jetzt ein bisschen böse, ist aber nicht so gemeint. Es ist doch immer learning by doing. Ich learne das gerade.

Was es wert ist

Bildung Bildung Bildung

Heute: Ein praktischer Fall. In unserem Unternehmen betreue ich seit einiger Zeit die sog. “BA-Studenten”. Die Berufsakademie heißt inzwischen etwas sperriger “Duale Hochschule Baden-Württemberg” kurz DHBW, die Bezeichnung hat sich aber noch nicht auf die Studenten übertragen. Das ist zumeist keine unangenehme Aufgabe. Gestern erreichte mich nun eine Zuschrift der DHBW, in der diese um nebenberufliche Dozenten warb. Zitat:

“Zur Praxisorientierung gehört auch, dass die Vorlesungen zum überwiegenden Teil von Praktikern aus den Unternehmen gehalten werden.”

Man übernimmt also eine Vorlesung inkl. ausführlichem Curriculum, darf sich darauf vorbereiten, Klausuren durchführen und korrigieren. Diese Tätigkeit ist steuerfrei bis 2.100€ wegen des “Übungsleiterfreibetrags”. Vergütet wird das Ganze mit sagenhaften 35,00€ die Stunde. Die gibt es allerdings nur für die tatsächlich gehaltene Vorlesungszeit, die Prüfungs- oder Vorbereitungszeit muß dazu erbracht werden.
In diesem Sinne richtet sich das Angebot anscheinend eher an emeritierte Praktiker denn an Fachleute aus Unternehmen, die wirklich was auf der Pfanne haben. Diese benötigen dann auch eine Wagenladung an Idealismus, um hier zuzugreifen. Vielleicht kann einer mitmachen, der keine Familie, Freunde oder Hobbies hat, aber nüchtern betrachtet klingt das ganze wie ein Witz.
Um an der DHBW eine hochwertige Ausbildung zu ermöglichen braucht die Hochschule natürlich in erster Linie fähige Dozenten. Die Leute direkt aus den Unternehmen zu rekrutieren halte ich für eine schlaue Idee, da diese im Umkehrschluss direkt davon profitieren. Damit gute Leute anbeißen sollte das aber anders gelöst werden. Vielleicht indem das Unternehmen eine Förderung für die Freistellung eines MA für diese Zeit erhält, so daß derjenige nicht seine Freizeit opfern muss. Oder durch eine attraktivere Vergütung.
Oder habe ich einen zu merkantilen Ansatz? Sollte ich sagen, hey, das ist Berufung, das ist mir wichtig, würde ich sogar ohne Geld machen!
Könnte sein. Vielleicht weil mich sonst keiner mag. Oder mir keiner zuhören will.
Ich gebe zu, eine Minute hat mich die Idee gereizt. Aber nicht länger.

Europa zahnlos, Teil 874934

Für mich war es heute morgen die Meldung des Tages: Die Verabschiedung der UN Resolution 1973:
“Um 18.32 Uhr rief Li zum Votum. Erst die Ja-Stimmen: Zehn Hände gingen hoch, darunter für die USA, Frankreich und Großbritannien. Dann die Nein-Stimmen: keine. Dann die Enthaltungen: Fünf Hände, darunter für die Vetomächte China und Russland – sowie die Hand des deutschen Botschafters Peter Wittig.”
Russland und China haben also kein Veto ausgesprochen. Die deutsche Enthaltung? Ich war im Zweifel, denn die libysche Dynastie behandelt ihr Volk wirklich widerlich. Freunde haben sie auch keine mehr, aber wenn man Atomanlagen oder Öl hat braucht man die auch nicht wirklich, sieht man doch an Nordkorea. Während die Demokratisierung in den arabischen Ländern sehr zu begrüßen ist, ist das Fortjagen eines Diktators immer noch eine innere Angelegenheit eines Landes. Und aus diesem Grund darf man nicht eingreifen, auch wenn es noch so schmerzt. Ganz abgesehen davon, dass es unserem Land komplett an den dafür notwendigen Mitteln fehlt. Stunden später macht der Diktator das aus seiner Sicht einzig Richtige: Er verkündet den Waffenstillstand. Das reicht schon, Flugzeuge wird er jetzt kaum mehr benötigen. Die Waffenruhe braucht er auch nicht ernsthaft zu beachten, denn die Resolution verbietet ein Eingreifen am Boden. Die Truppen sind warmgelaufen, der Rest kann jetzt von Hinds, Panzern und Artillerie erledigt werden. Es steht zu befürchten, dass die UN nach dieser Maßgabe ziemlich schlecht dasteht. Ich möchte nicht unken, aber eine echte “Lösung” des Konflikts ist in weiter Ferne.

Angekreuzt ist

Hätte der Bürger abgestimmt, wäre Gauck sicherlich ungefährdeter Sieger der heutigen Präsidentenwahl geworden. So muckelten die Wahlmänner und -frauen den ganzen Tag herum (und das bei schönstem Wetter), bis schließlich die Vorgabe durchgedrückt wurde, den Sieger, mit dem keiner irgendetwas anfangen kann. Wegen mir soll es so sein, schließlich ist das soweit verfassungsgemäß. Den absoluten Tiefschlag hat an diesem Tag aus meiner Sicht jedoch nicht die Regierung Merkel, sondern die Linkspartei erhalten. Sie hat abgeklemmt – und bewiesen, daß sie die DDR noch lange nicht verlassen hat. Was für ein rückwärtsgerichteter Affenzirkus. Aus ihrer Sicht mag es konsequent sein – aber eben nur aus historisch. Gauck wußte das und hat es auch formuliert – weswegen er jetzt wieder nach Hause fährt und Herr Wulff für seinen 2-jährigen Sohn im Schloß Bellevue eine Spielecke einrichtet. Tja, meine Herrschaften, das ist Demokratie.