Töpfe, Pfründe und die Verhältnismäßigkeit

Seit einiger Zeit versuche ich in kleinem Rahmen, an der Organisation und eventuell auch ein wenig an der Zukunft unseres Quartiers mitzuwirken. Neulich gab es eine interessante Gelegenheit, den Baubürgermeister, die Leiterin des Amts für Wirtschaftsförderung und den Leiter des Stadtplanungsamts persönlich kennenzulernen. Letzterer ist übrigens als “Erfinder” des innenstädtischen Kreisverkehrs zur Verkehrsentlastung bekannt was unter anderem dazu führte, dass es hier im Ort kaum mehr eckige Kreuzungen gibt. Gut, ich mag Kurven auch lieber.
Ein großer Teil unseres Viertels ist ein sog. Sanierungsgebiet. In diesem Bereich können Bau- und Renovierungsprojekte von der Stadt gefördert werden, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Das Geld dafür kommt sowohl vom Land als auch vom Bund. Die Förderung beträgt sensationelle 22%. Zu Beginn präsentierte der Baubürgermeister mit vielen Powerpoints die geförderten Objekte. Ich muss es ihm lassen, das Geld hätte man schlechter anlegen können. Allerdings war ich erstaunt, welche unterschiedlichen Projekte zum Zug kommen. Auf der einen Seite der private Häuslessanierer, der seiner Fassade einen neuen Anstrich verpaßt, auf der anderen Seite bekommt eine Fondsgesellschaft für ein Großprojekt aus den Fördermitteln die Baugrube bezahlt. Auch in meiner unmittelbaren Nachbarschaft reibt sich einer die Hände: Für sensationelle 2 Millionen Euro wird ein Mehrfamilienhaus in .. deluxe-Innenstadtwohnungen umgebaut. 22%, wir erinnern uns, das sind dann 440.000€ Euro Förderung. Nicht schlecht oder? Das minimiert das unternehmerische Risiko. Aber man sollte nicht in den S-21 Modus verfallen. Es hat auch sein Gutes, wenn die öffentliche Hand Geld ausgibt, allen voran die Aufwertung des gesamten Quartiers.
Vor einigen Wochen erhielten wir einen Brief, in dem die Stadt die Vergrößerung des Sanierungsgebiets ankündigte. Unser Block gehört nun auch dazu. Da wir einige Baustellen am Haus haben, rief ich selbst im Rathaus an, um die Möglichkeiten z.B. zur Sanierung unseres Gewölbekellers auszuloten. Es sei aktuell kein Geld mehr vorhanden wurde mir beschieden, ich solle doch nach dem Sommer nochmals anrufen. Jetzt ist mir auch etwas klarer, warum das so ist. Aber warum wird ein Sanierungsgebiet vergrößert, wenn keine Mittel mehr vorhanden sind? Irgendwo sitzt einer in den Startlöchern.
Während ich also die Aktivitäten mit Interesse verfolge bin ich trotzdem ein bisschen skeptisch. Irgendwo passt hier was nicht ganz zusammen. Nicht viel, aber ein bisschen. Schade ist auch, dass die Aktion nicht richtig transparent ist. Der Bürger bekommt nicht das ganze Bild mit, höchstens als Randnotiz, wenn der Gemeinderat oder wenn es reicht dessen techn. Ausschuss gerade über eine Einzelmaßnahme abgestimmt hat. Im ganzen betrachtet macht es schon was her.
Ich glaube auch, viele der Hausbesitzer wissen nicht einmal, welche Möglichkeiten sie haben. Auch deshalb plant der Baubürgermeister eine Broschüre oder Flyer über die erfolgten Sanierungsmassnahmen. Schade nur, dass sie fast zuende sind. Immerhin hat er dann eine klasse Referenz für seinen weiteren Werdegang. Uh, das klingt jetzt ein bisschen böse, ist aber nicht so gemeint. Es ist doch immer learning by doing. Ich learne das gerade.

Rekord!

Kurze Zusammenfassung der Ereignisse von gestern:

Morgens Erdrutsch an der B29, nachmittags läuft Backnang voll und abends um halb 10 erreicht der Rems-Pegel in Schorndorf den Jahrhundert-Rekordwert (5,22m). Beachtlich vor allem die Geschwindigkeit, mit der das Wasser angestiegen ist. Anscheinend waren die Schutzmaßnahmen aber soweit erfolgreich, dass keine größeren Schäden entstanden sind, zumindest in Schorndorf.

Quelle: Hochwasser-Vorhersage-Zentrale BW

Das sieht dann ziemlich beeindruckend aus, unter den Brücken ist dann (fast) keine Luft mehr.

Schopedia


Es gibt Dinge, die erfährt man erst durchs Zeitungslesen. Wie zum Beispiel, daß unser kleines Dorf ein eigenes Stadt-Wiki hat! Ja wirklich. In Anlehnung an Wikipedia nennt sich das dann “Schopedia“. Der Inhalt ist noch etwas dünne, aber das wird sich ja nun hoffentlich bald ändern. Auch hier wird es interessant sein zu sehen, ob die Seite es schafft die kritische Masse zu erreichen um ein Selbstläufer zu werden. Ich wünsche es den Initiatoren.

Chili 2010

Auch in diesem Jahr haben wir wieder fleißig Chilis ausgesät (wie schon früher berichtet), umtopft und natürlich immer reichlich gegossen. Im Unterschied zu den Vorjahren habe ich aber wieder bei Rühlemann Samen bestellt, um neue Sorten auszuprobieren. (Der Laden ist übrigens ein exzellentes Beispiel dafür, wie man mit ein bißchen Geschick selbst eine Gärtnerei 100% internet-tauglich machen kann). Am Ende hatten wird dann 8 Sorten am Start. Wir haben uns auf wenige Samen pro Sorte beschränkt, damit das hinterher auf der Dachterasse nicht überhand nimmt mit den Töpfen. Und Glück gehabt, bis auf eine Sorte konnten wir aus allen Varianten Pflanzen ziehen. Der für die meisten von uns eher unangenehm feuchte Sommer war aber für die Pflanzen nicht schlecht, da es trotzdem warm war und die Wasserversorgung auf der Dachterrasse immer sichergestellt war. Dazu habe ich dieses Jahr auch endlich einen Schlauch besorgt, den ich bei Bedarf bei geöffnetem Fenster mit unserem Küchenwasserhahn verbinden kann. Die Früchte wurde also zahlreich und sind nach wie vor recht saftig. Leider nicht bei allen Pflanzen, manche haben es jetzt erst zu Blüten geschafft. Dieses Jahr werde ich auch erstmalig einen Überwinterungsversuch machen, zumindest bei den Sorten, die dafür angeblich geeignet sind.

Die Glockenchilis sind noch ein Überbleibsel vom Vorjahr. Sie sehen vor allem lustig aus, besonders scharf werden sie nicht.

Die ewige Criolla Sella war dieses Jahr natürlich auch wieder mit von der Partie, allerdings nur mit einer Pflanze. Daß das gut abgeht wissen wir schon. Schärfe ist ausreichend vorhanden, vor allem in den Samen. 3 komplette Früchte machen eine Tomatensauce schon fast ungenießbar.

Der Überraschungstreffer 2010 ist die Cayenne Chili (Capsicum annuum). Der gedeiht bei uns fantastisch, wir haben nur eine Pflanze aber die hängt brechend voll. Ich werde die Früchte vermutlich trocknen und nächstes Jahr hier definitiv weitermachen.

Die ungar. Kirschpeperoni war ebenfalls ein Erfolg, wenn sich hier auch nicht so viele Früchte an der Pflanze gebildet haben. Ich vermute, daß dazu etwas mehr Schatten und vor allem wesentlich größere Töpfe benötigt werden. Die kann man auf unserer Dachterrasse aber nicht mehr verargumentieren, hier steht ohnehin alles dicht an dicht. Tja, was man alles mit einem Gewächshaus ausrichten könnte.. :-)

Ich kann es nur weiterempfehlen. Die Mühe hält sich in Grenzen, die Pflanzen und Früchte sind sehr dekorativ und der geerntete Vorrat reicht meistens locker bis zur nächsten Ernte. :)

Innenstadt Racing

Radrennen direkt vor der Tür – wer hat schon sowas. Heute hat das “activity racing team” eins der Etappenrennen im Rems-Murr-Kreis hier in der Innenstadt veranstaltet. Weiter geht es am Wochenende in Backnang und Fellbach. Hier in der Stadt ziemlich eng um die Kurve: Gottlieb-Daimler-Straße, Neue Straße, Marktplatz. Unser Haus stand also im Innenbereich :)
Beim Zeitfahren gab es einen ordentlichen Crash direkt vor unseren Augen bei dem gottseidank nix passiert ist.. in der Einfahrt zum Marktplatz fuhr einer ziemlich geradeaus *wham* .. da war das Rad ab (und ein bisschen Haut vom Ellbogen auch). Sonst gings aber störungsfrei. Leider haben die Veranstalter ziemlich mit der Werbung gespart: Entsprechend leer waren die Straßenränder. Schade eigentlich, da hätte man mehr draus machen können. Anbei noch ein paar Impressionen :)

Jetzt erst recht

Wenn man lange über seine Verhältnisse gelebt hat und komplett pleite ist, hauen manche erst so richtig das Geld raus. Klingt nach Griechenland? Nein. Stuttgart 21? Ist es auch nicht.
Wir bleiben für diese Randnotiz in unserem bescheidenen Städtchen. Ja wie, komplett pleite oder was?! Naja, wer eine Schuldenaufnahme von über 11 Millionen Euro braucht um seine Ausgaben zu decken ist ziemlich pleite, würde ich sagen. (Quelle: Kennzahlen Haushaltsplan 2010). Mitten in dieser Situation wird beschlossen, das Freibad für über 2 Millionen rundzuerneuern. Sogar mit klarem Wasser dank Filteranlage (das bei einem Natursee!). Wer das für einen Witz hält – sorry, es ist keiner. Mitten im Sommerloch formiert sich etwas Widerstand – ich hoffe, er hat noch Erfolg.

Kehraus

Die große Sause war leider schneller vorbei als gedacht, wir sind zurück bei Gesundheitsreform, Ölkatastrophe und zwei frisch eingebürgerten Terroristen. Fußball kann doch schön sein! Schade auch.
Kleiner Nachtrag zur Kirchgasse: Mit einer ziemlich verschwurbelten Begründung wurde die Nutzung als Gaststätte am Ende doch abgelehnt. Da wären einerseits die Belange der Anwohner und dann würde der Investor die Wohnungen nicht richtig sanieren.. was auch immer richtig saniert genau ist. Die Fraktionen waren sich uneins. Auf der einen Seite kommt endlich ein Investor und mit ihm ein bisschen Geld in die Innenstadt, auf der anderen Seite treten den Herren die mehr oder weniger einflußreichen Anwohner und Lobbyisten auf die Füße. Merke auf wer sich in diesem Bereich engagieren will – die Stadt darf man als Risiko-Komponente nicht unterschätzen.

Quo vadis, Schorndorf?

Schorndorfer Nachrichten: Der technische Ausschuss des Gemeinderats hat die gastronomische Nutzung der Kirchgasse 17-19 abgelehnt. Da kam ein Investor und wollte ein Gebäude der Weststadt sanieren, neu mit Leben füllen und die Stadt blockt ab. Als Anwohner der Weststadt frage ich mich mich langsam, wo das alles hinführen soll. In unserem eigenen Gebäude steht seit einem halben Jahr 200qm Ladenfläche leer. Zwei Häuser weiter der nächste Leerstand, dazu noch viele weitere in der Kirchgasse und der Neuen Straße. Die Lage “sei nix” hören wir oft (durch die Blume), oder es sind keine Stellplätze vorhanden, die Fläche zu groß(!) usw. Die Fußgängerzone ist zwar schön, nutzt aber nicht viel wenn kaum mehr jemand dort zu Fuß unterwegs ist, ausgenommen die Spaziergänger am Sonntag nachmittag.
Es ist ein Art Teufelskreis: Leerstände führen dazu, daß Passanten abwandern, was die Lage für die verbleibenden Geschäfte wiederum verschärft.
Ursachen:
Der Anfang vom Niedergang der Weststadt war sicherlich der Rückbau des Fußgängerübergangs über die Bahn. Die meisten Fußgänger nehmen nun lieber das Auto (mit dem sie evtl. dann ganz woanders einkaufen), oder weichen auf die Unterführung am Bahnhof aus. Der Gehweg durch den Tunnel zur Stuttgarter Straße nimmt man nur wenn man wirklich keine Wahl hat. In der Folge die intensive Sanierung im Osten der Innenstadt (Arnold-Areal), der Neubau einer Fußgängerbrücke auf der dortigen Seite und die Ansiedelung weiterer Publikumsmagnete im dortigen Umfeld (Lidl, Media Markt). Damit wurden die Fußgängerströme in der Innenstadt nachhaltig zu ungunsten der Weststadt verschoben. Und die Zukunft wird dieses Problem noch weiter verschärfen durch die Bebauung des Breuninger-Areals und den “neuen Postturm”.
Lösungsmöglichkeiten:

  • Bei einem Treffen der “Initiative Weststadt”, an dem ich vor einiger Zeit teilnahm wurde immer von einem “Frequenzbringer” gesprochen. Das müßte ein sehr attraktives Ladengeschäft sein, zentral in der Weststadt gelegen, der die Besucherströme wieder umlenken soll. Das erschien damals logisch. Inzwischen, nach 6 Monaten der Nachmietersuche kann ich allerdings sagen, daß das nicht funktionieren kann. Kein großer Filialist akzeptiert bei einer Neueröffnung eine “B”-Lage. Kann man vergessen.
    Alle anderen werden Jahre dazu brauchen, mit dem großen Risiko unterwegs zu “verhungern”.
  • Die Veränderung der Lage wird von den Verantwortlichen im Rathaus endlich akzeptiert und formuliert. Sanierungs-Subventionen für die Weststadt sind zwecklos, wenn keine Kunden das frisch sanierte Gebäude betreten. Vielleicht muß man sogar ein Tabu brechen und die Fußgängerzone in Teilen für den Fahrzeugverkehr wieder freigeben.
  • Umlenkung des Verkehrs im Umfeld der Innenstadt: Ein Versuch, die Schlichtener Straße zur einfacheren Erreichbarkeit der Weststadt beidseitig befahrbar zu machen wurde von der Stadt ebenfalls abgelehnt.

Ich darf keine Gaststätte sein. Die Pressemitteilung der Stadt zum Thema.

Die Stadtkirche braucht Geld

Heute fand bei uns der 1. Schorndorfer Altstadtlauf statt, eine Benefizveranstaltung zur Sanierung der Stadtkirche. Die ist nämlich ungeheuer teuer. Die Sanierung. So teuer, dass man alles probieren muss. Hier im ersten Bild sieht man gleich die Kirchenoberhäupter beim Auftakt, ich muss sagen, sie haben sich richtig Mühe gegeben:

Dann gingen die restlichen Läufer an den Start, die Strecke war ganz einfach das Karree um unser Haus.

Man konnte auch wohlwollende Blicke auf außergewöhnliche Laufbekleidung werfen.

Ich weiß nicht was der liebe Gott davon hielt, jedenfalls schickte er nur Minuten später eine kräftige Abkühlung (aber nur ganz kurz):

Ich habe mich als bekennender Sport-Allergiker rein der Dokumentation des Ereignisses gewidmet.

Die schwäbische Waldbahn

Wie ich hier (ich hoffe nicht zum Leidwesen der Leser) schon mehrfach berichtete, gibt es seit einiger Zeit Bestrebungen, das Streckenstück von Rudersberg nach Welzheim als Touristikbahn wiederzubeleben. Jetzt hat das Projekt endgültig Formen angenommen und der Starttermin steht fest: Ab dem 8. Mai sollen an jedem Wochenende Züge nach Welzheim rollen, gefahren wird wahrscheinlich mit dem Rollmaterial der DBK (64 419 und V100).
Das ganze nennt sich jetzt “Die Schwäbische Waldbahn“, ganz passend wie ich finde. Ich hoffe daß sich das rechnet, die 12€ für eine einfache Fahrt bzw. 40€ für ein Familienticket sind möglicherweise zu nah an der Schmerzgrenze.

Hier gibt es dazu noch eine Fernsehbeitrag des SWR, von dem die ersten 6 Minuten von Interesse sind.