Westweg Etappe 7: Wilhelmshöhe – Thurner

Sonntag, 25.6.2017
Der Frühstücksmann in der Wilhelmshöhe ist der grummeligste Zeitgenosse der Woche. Mit Abstand. Kommt man um 7:28, darf man noch zwei Minuten draußen warten. Als ein Gast ein schwäbisches “Haja” an einen Satz anhängt kam von ihm ein “Schwäble odder?!!”. Herrlich. Gleich zum Frühstück lerne ich wieder neue Leute kennen: Ein Trio Arbeitskollegen, zwei Ältere, die den Westweg laufen (bisher und nachher nie wieder gesehen?!) und eine jüngere, die, extrovertiert veranlagt, mich gleich an ihren Tisch einlädt. Sie ist nur für den Tag dabei. Wir treffen uns später noch am Start-Tor Richtung Süden.
Es ist bedeckt und der Weg beginnt über ein kurzes Bohlenstück durch ein Moor. Danach geht es ganz unspektakulär weiter, leider an diesem Tag längere Wegstücke auf Hartbelag. Das liegt an den zahlreichen Höfen mit Viehhaltung. Quer über die Weide ist nicht, dann halt auf der Straße. Nicht so schön aber wahrscheinlich geht es nicht anders. Vorher kommt man allerdings noch an einem sagenhaft schönen, nur leider sehr kurzen Teilstück vorbei: Der Blindensee mit der zugehörigen Moorlandschaft. Angeblich gehörte der See mal dem blinden Bauer des (Blinden-)hofs ganz in der Nähe. Der hatte Pech, daß er sich das nicht anschauen konnte. Der Weg verläuft ebenfalls über Bohlen, überall knistert und gluckert es. Hier kann man auch mal einfach so hinkommen, wenn man in der Gegend ist (Furtwangen), es lohnt sich. Nach 10km ist der Brand-Turm erreicht, ebenfalls ein schöner Aussichtspunkt. Direkt in der Nähe ist auch ein Wanderheim mit Übernachtungsgelegenheit, das allerdings nicht so recht in den Etappenverlauf passt (hierher hätte ich es gestern nicht mehr geschafft).
Im weiteren Verlauf rollt der Weg ohne große Höhenunterschiede durch eine Hügellandschaft – wir befinden uns auf dem Hochschwarzwald in ca. 1000m Höhe. Kleines Wäldchen, Weide, kleines Tal mit malerischem Hof (Blumenkästen satt), Hügel rauf, kleines Wäldchen, usw. Das ist wahrscheinlich irgendwann doof wenn es regnet, aber jetzt kommt die Sonne raus und man kann alle paar hundert Meter ein “Postkartenfoto” machen. Es ist sehr angenehm und ich komme recht zügig voran. Am frühen Nachmittag erreiche ich bereits die “Kalte Herberge”, ein weiterer Gasthof und das offizielle Ende der heutigen Etappe. Ich möchte aber den Tag noch etwas füllen und habe mein Tagesziel 7km weiter, am “Gasthof zum Kreuz” gewählt. Vorher betrete ich allerdings noch die Herberge und bestelle mir eine kleine Stärkung. Auch hier wieder das Publikum 70+: Es ist Sonntag nachmittag und das perfekte Ausflugsziel für Kaffee und Kuchen.
Zum späteren Nachmittag erreiche ich dann nach einem eher unspektakulären Wandertag mein Ziel. Da in dem Zimmer ein Fernseher steht, erwische ich zufällig die zweite Halbzeit des Confed-Cup Spiels gegen Kamerun: Hoher Unterhaltungswert (für Fußball). In der Gaststube wieder dasselbe Bild wie in der Kalten Herberge, ich esse vorzüglich und ziehe mich zeitig zurück.


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Wie man sehen kann hat das GPS den halben Tag nicht aufgezeichnet. Ich muss eine andere Lösung finden.. Anfangs- und Endpunkt sind aber richtig.

Westweg Etappe 6: Hausach – Wilhelmshöhe

Samstag, 24.6. 2017
Am Morgen ist der Himmel – oh Wunder – bedeckt, als ich aus dem Fenster schaue. Es sollte zwar nicht regnen an diesem Tag, aber immer wieder ziehen Wolken durch, so dass es nicht mehr ganz so heiß wird. Aber zunächst bediene ich mich am üppigen Frühstückbuffet. Frisch gepackt durchquere ich dann erneut Hausach in Richtung der Burg Husen. Im Ort ist eine großer Betrieb der zur Zeit Nachtschichten fährt und ich bin froh, dass es immer ruhiger wird. Wieder komme ich an einer, wie ich finde komplett übertriebenen Kirche vorbei, aber die Erklärung ist einfach: Hausach war damals eine wohlhabende Ecke, es gab reichlich Silber- und Eisenerzminen. Die Burg, auf einem niedrigen Vorsprung ins Tal hineingebaut diente zu deren Schutz. Mitten von der Hauptstraße zweigt dann der Westweg steil nach oben ab. Nach kurzer Zeit stehe ich inzwischen wieder in völliger Einsamkeit unter dem dicken Burgturm. Komische Geräusche? Am Turm hinauf entdecke ich einen langen Vogelkackebremsstreifen bis zu einem kleinen Loch, aus dem die Köpfe von drei kleinen und einem großen Wanderfalken(?) schauen. Kaum ist der Ernährer abgeflogen fängt ein herzzerreissendes Gepiepe an. Fast möchte ich einen Müsliriegel ausgeben. Einmal mehr ärgere ich mich, keine Kamera mit vernünftiger Optik dabei zu haben.
Jetzt folgt der Anstieg auf den Farrenkopf. Oben angelangt, befinde ich mich praktisch wieder auf der “Schwarzwald-Ebene” von knapp unter 1000m. Unterwegs überhole ich doch glatt einige Wanderer, das hätte ich nun nicht für möglich gehalten. Man muss es sich aber mehr wie eine Art LKW-Überholung vorstellen. Unmerklich, sozusagen. Auf dem Farrenkopf treffen wir uns dann alle wieder, eine Gruppe älterer Wanderer und ein junger Kerl, der seinen Sohn aus rein sportlichen Gründen in einer Rückentrage hochgeschleppt hat. Der steht dann auf seinen eigenen, etwas wackligen Beinen oben auf dem Berg mit der Brezel in der Hand, blinzelt und wundert sich wie er denn hierher gekommen ist. Wir unterhalten uns ein bisschen und ich gehe dann aber relativ kurzfristig weiter.. der Gipfel ist einfach zu klein für uns alle ;-)
Der Weg führt jetzt mehr oder weniger eben direkt Richtung Süden. Irgendwann erreicht man die Prechtaler Schanze, ein inzwischen unkenntlich zugewachsenes Abwehrbauwerk gegen die pösen Franzosen. Mir hat diese Strecke nicht so gut gefallen – ich bin allerdings auch kein ausgewiesener Windkraft-Fan. Man unterläuft nacheinander 5? Windräder und durchquert jeweils deren tellerartig geschotterte, komplett-gerodete Bodenflächen. In dieser schönen Landschaft muss ich ganz doll an Atom- und Kohlekraftwerke denken, um das noch einigermassen ok zu finden. Ich würde hier den Westweg ummarkieren. Hinter dem Huberfelsen ist es aber geschafft, und pünktlich dazu kommt die Sonne wieder heraus. Während ich oben stehe und ein paar Bilder mache tauchen meine Wanderer wieder auf und ziehen vorbei, ohne den Felsen zu beachten. Die waren anscheinend schon mal hier. Es ist oben ein etwas komisches Gefühl da oben, da die Felsform rund ist und nur ein niedriges Geländer drumherum hat. Vielleicht sollte ich auch einfach etwas essen.
Ab hier wird der Weg wieder schön und man erreicht nach einiger Zeit den Karlsstein. Auch hier werden die Bäume größer und die Aussicht kleiner, aber es ist immer noch ein interessanter Blick, diesmal Richtung Osten. Ein paar Meter weiter kommt man am Hotel/Gasthof “Schöne Aussicht” (jaja, immer schön freischneiden, gell?) wieder aus dem Wald. Ich kehre hier nicht ein, sondern folge dem Weg weiter nach Karlsstein/Rensberg, einem weiteren leicht abgerockten Gasthof direkt an der (nur minimal befahrenen) Straße. Dort stehen Bierbänke und sie haben Kuchen! Ich bin der einzige Gast draußen. Kurze Zeit später nähert sich ein uralter Mazda, ein ebenfalls fast uralter Mann steigt aus und setzt sich nach kurzer Überlegung mir direkt gegenüber. Ohne Bestellung erhält er ein Pils. Stille. Ich schaffe es nicht, ein Gespräch in Gang zu bringen, er bleibt einsilbig. Vielleicht musste er einfach mal raus von zuhause am Samstag mittag und möchte nicht sprechen. Irgendwann stelle ich meine Bemühungen ein. Dann sind wir soweit fertig und verabschieden uns freundlich. Er knattert davon, ich laufe weiter. Das letzte Wegstück zur Wilhelmshöhe ist wieder wunderschön und ich bin dann relativ früh am Ziel. Auch hier Zimmer schön und Restaurant einfach, aber lecker. Man kann nochmal draußen sitzen, obwohl der Wind jetzt schon recht kräftig weht. Als die Sonne hinter dem Haus verschwindet wird es mir tatsächlich etwas kalt und ich mache Schluß für heute.


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Westweg Etappe 5: Kniebis – Hausach

Freitag, 23.6.2017
Frisch auf den Weg gesetzt bin ich gleich nach 50m wieder zur Haltestelle umgedreht, habe mich auf die Bank gesetzt und das Autan gezückt. Das ist so wichtig für das Wohlempfinden. Krabbler auf den Beinen nerven einfach nur. Dann los direkt Richtung Süden. Zunächst ein ganzes Stück auf den bekannten Forstautobahnen verschwenkt der Weg dann an einer unscheinbaren Stelle in den Wald, und ab dort ist man kilometerweit auf einem sehr schmalen Fußpfad im Unterholz unterwegs. Es knistert, piept und tut um einen herum, einfach wunderbar. Den Abzweig zur Teufelskanzel habe ich leider verpasst, aber mein Mittagsdate am Harkhof hinderte mich dann daran, nochmal umzukehren. Nach einem weiteren Stück Unterholz geht es dann auf der Ostseite des Bergrückens weiter dem Harkhof entgegen. Diese ersten 15km erlauben auch fast keine Ausblicke, so dass man irgendwann kurz vor dem Baum-Flash steht und völlig entgeistert am Harkhof aus dem Wald kommt. Die Ecke sieht dann auf einmal aus wie im Allgäu. Komplett mit Kuhweide. Leider befindet sich neben der Terrasse gerade eine große Baustelle, so dass die “Gemütlichkeit” aktuell etwas leidet. Man kann dagegen wunderbar lecker essen: Selbstgemachte Bauernwürste mit geschmelzten Zwiebeln und frischem Brot – dazu ein Russ.. man das war lecker. Ich habe dann noch etwas Material mit dem Versorgungsfahrzeug getauscht ;-) und bin weiter auf dem Weg nach Hausach. Das ist im Grunde eine separater Etappe, wobei ich beide jeweils einzeln betrachtet als zu kurz empfinde. Ich hatte dabei dann allerdings keine Energie mehr, die neben dem Weg befindlichen Extra-Ziele noch mitzumachen. Ich bin also z.B. am Brandenkopf direkt vorbei im Wald marschiert. Kurz vor Hausach macht man einen ähnlichen Abstieg wie schon in Forbach: Der Bergrücken wird verlassen und man steigt bis auf die Talsohle des Kinzig-Tals ab, das in Ost-West Richtung gelegen, nicht anders überwunden werden kann.
An der Hohenlocher Hütte kurz nach Beginn des Abstiegs befindet sich nochmal eine sagenhafte Übernachtungsgelegenheit, außerdem eine super mit Plumpsklo und Brunnen ausgestattete Umgebung, direkt am Wanderweg gelegen. Da hätte ich mich schon direkt hinlegen können, aber ich musste ja noch irgendwie runter kommen. Etwas weiter öffnet sich der Wald um man steht auf dem Wiesenhang über dem Käpplehof mit einer tollen Aussicht. Ich habe minutenlang einem Rotmilan zugesehen, der sich vom Hof ganz unten bis auf über den Höhenrücken ohne einen Flügelschlag hochschraubte. Zurück im Wald treffe ich auf einen Bauer, der gerade die Wegränder abmäht. Er dreht sich zu mir um und ruft mir zu: “Mitfahren?!”. Ich lehne freundlich ab, meine Beine rufen: “Spinnst du??!”. Kurze Zeit später wird mir klar, dass ich besser bald ankommen sollte. Blick auf die Karten-App: Ok, wenn ich hier links runter gehe, komme ich 1,5km schneller herunter und spare den Weg um den Ausläufer des Bergrückens herum. Das war zwar grundsätzlich richtig, wurde dann aber schnell zu einer ungemähten Waldschneise. Keine so tolle Idee. Ich habe mich trotzdem durchs Unterholz gewühlt, die alten Geocacher-Instinkte leben noch. Jetzt so richtig praktisch mit Autan an den Beinen. Irgendwann unten auf einem Weg gelandet und festgestellt: Klasse, wirklich gar nicht so schlecht gekürzt. Durchs Wohngebiet, eine Fußgängerbrücke über die Kinzig und nochmal 1-2km Asphalt quer durch die Stadt, bis ich mein Ziel (Gasthof Blume) direkt am Bahnhof erreicht hatte. Jetzt war ich komplett erledigt. Kurze Dusche und dann wie gewohnt ab auf die Terrasse zu einem kühlen Getränk – so kann man es aushalten. Auch dort habe ich sehr lecker gegessen und bin noch lange mit meinem Buch draußen gesessen.

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Die Tracks sehen etwas komisch aus – ich vermute wegen dem Handy im Energiespar-Modus.

Westweg Etappe 4: Ochsenstall – Kniebis

Donnerstag, 22.6.2017
Um 4 Uhr ist es hell, ich weiß gar nicht, ob die Vögel zwischendrin überhaupt mit dem Gepiepe aufgehört haben. Lohnt eigentlich fast nicht ;-)
Um 6 halte ich es nicht mehr aus in der Koje, stehe auf und geh runter, packe das vorbereitete Frühstück meines Wirts mit auf die Bierbank nach draußen. Herrlich. Doch die Ruhe währt nur kurz: Schritte auf dem Weg, es ist die Wandersfrau vom ersten Tag. Nach kurzem Hallo zieht sie weiter ihrer Wege. Ich treffe sie dann später nicht mehr an. In aller Ruhe zusammengepackt, der Schlüssel an vereinbarter Stelle versteckt und wieder auf den Weg: Direkt hinauf, auf die Hornisgrinde in noch ganz schrägem Licht. Es ist kein Mensch weit und breit. Ich passiere den Funkturm, das einsame Windrad und mache ein paar Fotos vom altmodischen Bismarckturm herunter. Schön hier und noch ganz kühl.. Dann geht es bergab zum Mummelsee, am Hotel sind die Schirme noch zusammengeklappt, einzelne Gäste sitzen bereits beim Frühstück. Ich umrunde den See, niemand ist zu sehen. Hinter dem Mummelseetor ein Hindernis: Baumfällarbeiten, ein Harvester wirbelt Staub auf und sortiert Baumstämme wie Salzstangen. Aber ich bin im Glück, der Fahrer bemerkt mich und winkt mich vorbei. Kurze Zeit später stehe ich am Seibels Eck. Hier gibt es einen kleinen Brunnen, mit dem ich gleich die Vorräte wieder auffrische. Die Sonne ist jetzt da und gleich wieder Betriebstemperatur. Auf breiten Forstwegen weiter Richtung Ruhstein. Kurz nach der Darmstädter Hütte kann man zum Wildsee absteigen – muss aber denselben Weg wieder hinauf. In Anbetracht der noch zu bewältigenden Strecke belasse ich es bei einem Foto von oben. Am Ruhstein alles, bloß keine Ruhe(höhö), die kahlen Wintersportanlagen zusammen mit der Baustelle des neuen Besucherzentrums sind nicht so ansprechend. Ich überhole eine Schulklasse, die eine Art Walderlebnistag machen. Dann komme ich vom Weg ab, stehe unten an der Sprungschanze und will nicht wieder umkehren. Ich weiß noch vom Warmup her, dass der Weg oben entlangführt, so nehme ich einfach die steilen Stahlstufen neben der Schanze und komme reichlich verschwitzt oben an. Und ernsthaft, an keinem “Betreten verboten” Schild vorbeigekommen, jedenfalls nicht aus dieser Richtung. Ich setze mich auf die oberste Stufe und mache kurz Pause, habe schon wieder anderthalb Liter Kühlwasser verbraucht. Die Kräfte kehren etwas zurück und ich gehe den wunderschönen, schnurgeraden Pfad hinauf zum Schliffkopf. Dort ist das Rentneraufkommen etwas höher, ich kenne das schon von meinem letzten Besuch. Grund ist das nahegelegene Schliffkopfhotel, das eine gepflegte Umgebung bietet. Die habe ich auch gleich genutzt für ein Stück Kuchen und einen doppelten Espresso. Bin schließlich im Urlaub oder was. Irgendwann durfte ich dann auch zahlen und ich bin zum zweiten Tagesteil aufgebrochen, das restliche Stück bis zur Alexanderschanze. Dieses sog. “Etappenende” ist eigentlich nur eine Kreuzung im Nirgendwo, an der ein verfallenes Hotel steht, das anno dazuback anscheinend der Übernachtungs-Spot des Westwegs war. Bis dorthin mussten allerdings noch viele Kilometer Forstweg bewältigt werden. Unterwegs habe ich einen echten Raben gesehen, passiert mir nicht so oft. Man kommt außerdem am hinteren Ende des “Lotharpfads” vorbei, eine Art Baumwipfelweg, der damals nach dem Sturm zur Dokumentation angelegt wurde. Heute sind die jungen Bäume wieder so 5-7m hoch und man sieht von den niedrigeren Plattformen nichts mehr. Interessant aber allemal. Ich habe nur kurz gestoppt und bin an der Röschenschanze (sieht man nicht viel von) vorbei zum Gasthof “Zuflucht”, der einen sehr schönen Biergarten besitzt. Angesichts dessen musste ich unbedingt auf ein Radler anhalten. Dann die restliche Strecke zu Alexanderschanze, dort die Straße überquert, den Westweg verlassen und die letzten 3km auf der gelben Raute hinunter in den vormals badisch-württembergischen Grenzort Kniebis. Dort steht ein sehr christliches Seminargebäude und gegenüber der so richtig typische “Gasthof Schwarzwald”, in dem die Zeit in den 80ern stehengeblieben zu sein scheint. Aber der Schein täuscht: Ich wurde dort wunderbar bewirtet und untergebracht. Das Dekor kann man zwar kaum glauben, aber es ist herrlich urig. Am nächsten Morgen hat mich der Wirt sogar die Straße wieder hinauf zur Kreuzung mitgenommen, damit ich das Stück nicht doppelt laufen muss. War klasse. Ich habe dort außerdem sehr gut gegessen. Das war auch die letzte Unterkunft, die ich im voraus gebucht hatte. Da mir nicht klar war, wie gut zu Fuß ich wirklich bin und ob ich dann die “offizielle” Etappe 5 + 6 zusammen schaffe habe ich darauf verzichtet und ab jetzt immer abends recherchiert und dann mögliche Orte abtelefoniert. Das hat sehr gut geklappt, wobei ich an dem Wochenende sicherlich Glück hatte. Außerdem sind aktuell keine Ferien.


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(irgendwas stimmt mit dem Track nicht ganz, im Groben ist es aber richtig!)

Westweg Etappe 3: Forbach – Ochsenstall

Mittwoch, 22.6.2017
Auch dieser Tag ist wettertechnisch gnadenlos: Um 8 beim Frühstück scheint bereits die Sonne herein, es ist zwar noch nicht richtig heiß, aber die schwüle Luft treibt die ersten Schweißperlen hervor. Vor dieser Etappe hatte ich im Vorfeld den meisten Respekt: Ich bin jetzt auf bisher unbekanntem Terrain, es ist wieder relativ weit und der Tag beginnt mit einem Höhenunterschied von 600m. Hinterher sieht man das natürlich alles etwas entspannter. Direkt hinter der Unterkunft noch mitten im Ort geht die Steigung los. Nach den letzten Häusern erreicht man eine Baumreihe und der Weg führt an einer Weide entlang. Die Mücken sind um diese Zeit auch schon auf und stürzen sich auf das einsame Frühstück. Hier hilft es ungemein, auch etwas Autan auf Hals und Gesicht zu verteilen (Sicherheitshinweis: Dabei Augen permanent geschlossen halten). Nach einiger Zeit ist die erste Rampe geschafft und ich erreiche die Hütte am Wegscheid. Die hat sogar einen Schlafboden und bietet sich als alternative Übernachtungsgelegenheit geradezu an. Vielleicht beim nächsten Mal. Ab hier wieder ein leichtes Gefälle, es geht an einem Brunnen vorbei durch lichten Wald auf die Schwarzenbach-Talsperre zu, an deren Ufer man aber nur kurze Zeit entlang geht. Der Weg zweigt in den Wald hinein und es geht wieder kontinuierlich bergauf. Zuerst auf einem Forstweg, am Anwesen der Murgtalschiffer (und deren Privatwald) vorbei, bis man über einen erneuten steilen Abschnitt den Herrenwieser See erreicht. Eine letzte Rampe hinauf auf den Seekopf, hier sind dann die 1000 Höhenmeter erreicht. Man betritt den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Nach einem kurzen Stück durch niedrigen Sturmwald erreicht man die Badener Höhe. Dieser Aussichtsturm ist meiner Meinung nach eine der schönsten Stellen des gesamten Wegs. Auch weil man es hier erst einmal “geschafft hat” und oben angekommen ist. Vom Turm hinunter schlängelt sich dann ein schattiger Forstweg am Naturfreundehaus vorbei zum “Sand”, wo der Westweg auf die B-500 trifft (und die Waldesruh erstmal wieder vorbei ist). Ab dem Naturfreundehaus bieten sich jetzt im weiteren Wegesverlauf zahlreiche Einkehrmöglichkeiten, so dass eine Stärkung jederzeit möglich ist. Am Hundseck mache ich eine Pause an Peters Fahrradladen, wir quatschen eine ganze Weile. Die wirtschaftliche Entwicklung der direkten Umgebung, das Kurhaus, Hunde, wir finden jede Menge Gesprächsthemen. Irgendwie sind dann zwei Stunden rum und ich mache mich auf den Weg zu meinem Quartier. Bis nach Unterstmatt verläuft der Weg auf einem ganz schmalen Weg über den Hochkopf – das ist eine der schönsten Wegstellen, die man auch mal kurz beim “Vorbeifahren” mitnehmen kann. Gegen Abend erreiche ich dann das Wanderheim Ochsenstall und bin heute – abgesehen von ein paar Wohnmobilen – der einzige(!) Gast. Der Kerl hinter dem Tresen ist zunächst etwas grummelig, stellt mir dann aber einen herrlichen Wurstsalat hin und wir unterhalten uns noch eine Weile bis er seine Küche zuschließt und nach Hause fährt. Ich komme noch ins Gespräch mit einer netten Dame aus einem der Wohnmobile – sie hat sich eine kleine Datscha in der Ukraine zugelegt. Sie zeigt mir Bilder davon auf dem Handy – ein irres Projekt, Sanierung mit einfachsten Mitteln fernab uns bekannter Möglichkeiten. Ich ziehe mehrfach meinen gedanklichen Hut. Wäre ich etwas handwerklicher veranlagt, könnte ich mir so etwas auch gut vorstellen. Der Abend ist lang – es ist Sonnwend! Wir verabschieden uns und ich suche nach einem kurzen Spaziergang meine Schlafkammer auf – das Innere des Wanderheims ist mit seiner Notbeleuchtung, den dunklen holzvertäfelten Wänden und engem Flur reichlich spuksig. Hier könnte man ohne Ausgaben für Requisiten einen wunderbaren Thriller drehen. Ist mir aber an sich egal, ich bin totmüde und falle in das winzige Bett. Ein bisschen wie in einer Schiffskoje.

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Westweg Etappe 2: Dobel-Forbach

Dienstag, 20.6.2017
Aufstehen mit den Handwerkern: Kein Problem, wenn man am Abend zuvor früh umgekippt ist. Das Frühstück ist etwas spartanisch, wird aber durch die illustre Runde in der Gaststube mehr als wett gemacht. Zwei weitere Wanderfrauen sitzen querab, wir grüßen als ich gehe. Ich sehe die beiden am Abend wieder, sie haben dasselbe Ziel. Früh gehe ich durch das “Sonnentor” in Dobel, das diesmal seinem Namen alle Ehre macht. Der Weg ist zunächst richtig schön: Über Waldwege, dann auf Forstwegen entlang der westlichen Kante des Bergrückens: Famose Aussichten, es hört gar nicht mehr auf. Bevor Kaltenbronn erreicht ist, allerdings sehr lange Abschnitte “Waldautobahn”: Forstweg mit beidseitig, ca. 5m breitem gerodeten Streifen. Schatten: 0%. Das geht bei 30°+ langsam auf die Nerven und noch mehr auf den Wasserverbrauch. In Kaltenbronn dann noch eine kleine Enttäuschung: Betriebsferien! Ich hatte so auf ein Schorle mit einem Stück Kuchen spekuliert. Stattdessen wird Mitgebrachtes verzehrt: Dann wird immerhin der Rucksack leichter. Diesen zweiten Tag habe ich richtig schwer zu tragen, das Ding auf meinem Rücken scheint ein immenses Gewicht zu haben. Später zu war das allerdings überhaupt kein Problem mehr. Hinter Kaltenbronn geht es kurz steil bergan, bis das Hochmoor mit dem Hohloh-See auf Bretterwegen durchquert wird. Tiere sind keine zu sehen, die haben heute anscheinend hitzefrei. Nach einer kleinen Schotterpiste erreicht man den Hohloh-Turm. Beim letzten Mal war die Spitze im Nebel, aber diesmal gehe ich rauf, es erwartet mich eine gigantische 360° Aussicht über den Nordschwarzwald. Phänomenal! Im Westen sehe ich schon den Turm auf der Badener Höhe, das ist mein morgiges Ziel. Abgestiegen, getrunken, geht es auf Waldautobahnen weiter, bis der Abstieg Richtung Forbach am Latschigfelsen beginnt. Ein Pärchen auf Rädern hat sich verirrt: Sie möchten nach Forbach. Ich empfehle die breite Forstautobahn, sie sehen aber nur das Schild “Forbach” auf dem Westweg. Ich erkläre ihnen, dass der Weg etwas weiter höchstens noch für geübte Downhill-Profis befahrbar ist, sie riskieren es trotzdem. Wie nicht anders zu erwarten, treffe ich die beiden ein paar Kehren weiter wieder, inzwischen entnervt aber immerhin meiner Meinung, was den Weg angeht. Mit Hilfe der Karte auf meinem Handy kann ich sie schließlich auf eine weitere Forstautobahn lotsen und sie entschwinden. Der Abstieg wird jetzt richtig steil und es geht ans Eingemachte: Wasser verbraucht, Fußsohlen brennen, Knie butterweich und es ist knalle heiß. Ich lasse es langsam angehen. Als ich unten endlich aus dem Wald komme, erkenne ich das kleine Hexenbrünnele wieder. Die Oase!! Klappe auf, Kopf drunter, es ist einfach herrlich. Trotz sehr müder Beine kann ich jetzt in aller Ruhe nach Forbach eintrudeln. Am Bahnhof treffe ich kurioserweise meine Radfahrer wieder und bin erleichtert, dass sie dem dunklen Forst entronnen sind. Das Moor auf 1000m Höhe, Forbach auf 330m bedeutet einen fast alpinen Abstieg. Mit 27,6km war es heute nicht ganz so weit, aber der gestrige Tag steckt mir noch etwas in den Knochen. Ich erreiche meine Herberge “Hotel-Pension Am Mühlbach” und stolpere unter die Dusche. Zisch! Später raffe ich mich noch einmal hoch, erkunde den Ort mit seiner völlig überdimensionierten katholischen Kirche, hole eine weitere Eistee-Plastikflasche aus dem Supermarkt und esse sehr lecker auf der Terrasse einer etwas spelunkig wirkenden Gaststätte “Zum Adler”. Dieses Ereignis wird durch das Eintreffen einer englischen Motorradgruppe noch etwas angewürzt: Unterhaltung pur!
Übrigens: Meine Befürchtung, auf dem Weg völlig zu vereinsamen und nicht zu wissen, was man den Abend über anstellen soll hat sich als völlig unbegründet herausgestellt. Zum einen kommt man ständig mit Leuten ins Gespräch, zum anderen ist so ein Abend auch nicht so lang, wenn man nach dem Essen mit dem Wachbleiben kämpft.

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Westweg Etappe 1: Pforzheim – Dobel

Montag, 19.6.2017
Einfach schön, am Montagmorgen mit kurzen Hosen, Wanderschuhen und Rucksack in die Bahn einzusteigen, während alle anderen ihre Aktentäschchen umklammern :)
Mit dem Zug um 7.14 war ich dann 8.39 in Pforzheim am Startpunkt. Noch ein kurzer Besuch beim Bäcker und ein Abstecher in die Drogerie (Autan!), dann flink auf den Weg Richtung Kupferhammer. Die ersten beiden Etappen bin ich bereits gelaufen, ich wusste also, wo es hingeht. Keine 10 Minuten vom Bahnhof klingelt das Handy: Wie könnte es auch anders sein, die Arbeit ruft mit murphyscher Präzision: Nach Updates am Wochenende funktioniert ein wichtiger Dienst nicht mehr. So wichtig, dass ich hätte gleich wieder in die Bahn einsteigen können. Von einer Bank im Lindenpark am Zusammenfluss von Nagold und Enz (sehr schöne Stelle) konnte ich allerdings meine Kollegin dirigieren, ein Backup einzuspielen, mit dem das System dann erfolgreich weiterlief. Ich darf also auf den Westweg. Am Kupferhammer mache ich das obligatorische Selfie und justiere nochmal den ungewohnt gewordenen Rucksack: Das Gewicht beeindruckt mich dann doch. Hinter mir bemerke ich wie eine Dame mit ebenfalls großem Rucksack verabschiedet wird, sie hat anscheinend dasselbe Ziel wie ich. Ich sollte sie noch einige Male treffen.
Kurze Zeit später die Nagold überquert, kurze Wegweiserverwirrung wegen einem Anruf (“System funktioniert wieder!”) sorgen für 3 Extra-Kilometer, nachdem mir irgendwann auffällt, das die Raute weg ist. Und das auf dem bereits bekannten Abschnitt! Peinliche Angelegenheit. Ich zurück, über die Bahn, durchs Wohngebiet wieder in den Wald. Dort widerfährt mir etwas ganz Eigenartiges: Ein großes schwarzes Etwas mit wenig weißen Anteilen flattert mit lautem “bibibibibibi” neben mir durch den Wald, heftet sich dann an einen Baum, und hebt sofort wieder in Gegenrichtung ab. Größe etwa ein stattliches Huhn. Könnte ich ein Auerhuhn gesehen haben? Die per Whatsapp kontaktierte Expertenrunde war sich uneins :-) So ein Viech hatte ich jedenfalls noch nie gesehen.
Etwas später gabelt sich der Weg: Ich habe die linke Variante an der Enz entlang gewählt und nicht die neuere Strecke “auf der Höhe”, die wir letztes Mal gelaufen sind. Ist in jedem Fall zu empfehlen, der Weg an der Enz ist viel schöner und vor allem wesentlich ruhiger. Man kommt außerdem am Schloß Neuenbürg vorbei, das man auf der anderen Seite komplett verpasst. Dort holte mich auch die Wanderin ein und überholte nach kurzem Gespräch: Ich merke, dass ich noch an meiner Form arbeiten muß. In der alten Burg hinter dem Schloß ist ein toller Grill/Rastplatz, der aber verschlossene Türen hat. Oben im nicht-begehbaren Gemäuer hausen einige Falken: Sie machen einen Mords-Radau, als ich unten durchquere.
Nach kurzer Pause den steilen Schlossweg hinab und über die Enz. Jetzt hat es deutlich über 30 Grad und es wartet ein steiler, unbeschatteter Aufstieg auf der anderen Seite. Scheint der einzige Nachteil dieser Wegvariante zu sein. Vorteil: Unten an der Abzweigung ist ein alter Brunnen direkt an einem Wohnhaus. Die Frau, die dort ihre Gießkannen füllt lacht, als ich meinen Kopf im Becken untertauche. Ganz schee hoiß heit! Oben angekommen durchquert man ein weiteres Wohngebiet, kommt wieder in den Wald und in kurzer Zeit auf der anderen Seite in Straubenhardt wieder heraus: Dort führt der Weg, der jetzt “Aussichtsweg” heißt, am Waldrand entlang mit einer gigantischen Aussicht. Sichtweite 100km+ würde ich behaupten, trotz leichtem Dunst. Als ich das letzte Mal hier war, hörte der Regen kurz auf und man konnte die Häuser von Schwann in 1km Entfernung erkennen.. Eine weitere Rast am Segelflugplatz, auf dem heute Betrieb ist. Bessere Bedingungen gibt es wohl kaum. Ich merke inzwischen die Hitze und das Gewicht. Doch es geht weiter, jetzt kommt ein längerer Waldabschnitt, der erst kurz vor Dobel endet. Was man dabei nicht so richtig bemerkt, ist die ständige, flache Steigung: Das Ziel liegt auf knapp 700m, Pforzheim auf 260m. Es ist klar: 2 Wasserflaschen sind bei den Temperaturen dafür unterdimensioniert.
In Dobel geht es die wenig attraktive Hauptstraße entlang bis zum Gasthof Linde, meinem Ziel. Der ganze Ort macht (mit Ausnahme der Asylbewerber in 2 Häusern) einen eher ausgestorbenen Eindruck. Essen und Übernachtung waren dagegen tadellos, sehr preiswert und empfehlenswert. Ein Vorteil hier: Es gibt Frühstück ab 6:30, was möglichweise auch an einigen Geschäftsreisenden liegt. Ich bin heute 30,1km gelaufen mit einem Schnitt von 4,1 km/h, eine Geschwindigkeit, die ich danach nie mehr erreicht habe. Wie bei jeder Etappe falle ich praktisch um, sobald das Abendessen mit dem Gerstensaft mein Inneres erreicht. Überdosis Frischluft.