Westweg Etappe 5: Kniebis – Hausach

Freitag, 23.6.2017
Frisch auf den Weg gesetzt bin ich gleich nach 50m wieder zur Haltestelle umgedreht, habe mich auf die Bank gesetzt und das Autan gezückt. Das ist so wichtig für das Wohlempfinden. Krabbler auf den Beinen nerven einfach nur. Dann los direkt Richtung Süden. Zunächst ein ganzes Stück auf den bekannten Forstautobahnen verschwenkt der Weg dann an einer unscheinbaren Stelle in den Wald, und ab dort ist man kilometerweit auf einem sehr schmalen Fußpfad im Unterholz unterwegs. Es knistert, piept und tut um einen herum, einfach wunderbar. Den Abzweig zur Teufelskanzel habe ich leider verpasst, aber mein Mittagsdate am Harkhof hinderte mich dann daran, nochmal umzukehren. Nach einem weiteren Stück Unterholz geht es dann auf der Ostseite des Bergrückens weiter dem Harkhof entgegen. Diese ersten 15km erlauben auch fast keine Ausblicke, so dass man irgendwann kurz vor dem Baum-Flash steht und völlig entgeistert am Harkhof aus dem Wald kommt. Die Ecke sieht dann auf einmal aus wie im Allgäu. Komplett mit Kuhweide. Leider befindet sich neben der Terrasse gerade eine große Baustelle, so dass die “Gemütlichkeit” aktuell etwas leidet. Man kann dagegen wunderbar lecker essen: Selbstgemachte Bauernwürste mit geschmelzten Zwiebeln und frischem Brot – dazu ein Russ.. man das war lecker. Ich habe dann noch etwas Material mit dem Versorgungsfahrzeug getauscht ;-) und bin weiter auf dem Weg nach Hausach. Das ist im Grunde eine separater Etappe, wobei ich beide jeweils einzeln betrachtet als zu kurz empfinde. Ich hatte dabei dann allerdings keine Energie mehr, die neben dem Weg befindlichen Extra-Ziele noch mitzumachen. Ich bin also z.B. am Brandenkopf direkt vorbei im Wald marschiert. Kurz vor Hausach macht man einen ähnlichen Abstieg wie schon in Forbach: Der Bergrücken wird verlassen und man steigt bis auf die Talsohle des Kinzig-Tals ab, das in Ost-West Richtung gelegen, nicht anders überwunden werden kann.
An der Hohenlocher Hütte kurz nach Beginn des Abstiegs befindet sich nochmal eine sagenhafte Übernachtungsgelegenheit, außerdem eine super mit Plumpsklo und Brunnen ausgestattete Umgebung, direkt am Wanderweg gelegen. Da hätte ich mich schon direkt hinlegen können, aber ich musste ja noch irgendwie runter kommen. Etwas weiter öffnet sich der Wald um man steht auf dem Wiesenhang über dem Käpplehof mit einer tollen Aussicht. Ich habe minutenlang einem Rotmilan zugesehen, der sich vom Hof ganz unten bis auf über den Höhenrücken ohne einen Flügelschlag hochschraubte. Zurück im Wald treffe ich auf einen Bauer, der gerade die Wegränder abmäht. Er dreht sich zu mir um und ruft mir zu: “Mitfahren?!”. Ich lehne freundlich ab, meine Beine rufen: “Spinnst du??!”. Kurze Zeit später wird mir klar, dass ich besser bald ankommen sollte. Blick auf die Karten-App: Ok, wenn ich hier links runter gehe, komme ich 1,5km schneller herunter und spare den Weg um den Ausläufer des Bergrückens herum. Das war zwar grundsätzlich richtig, wurde dann aber schnell zu einer ungemähten Waldschneise. Keine so tolle Idee. Ich habe mich trotzdem durchs Unterholz gewühlt, die alten Geocacher-Instinkte leben noch. Jetzt so richtig praktisch mit Autan an den Beinen. Irgendwann unten auf einem Weg gelandet und festgestellt: Klasse, wirklich gar nicht so schlecht gekürzt. Durchs Wohngebiet, eine Fußgängerbrücke über die Kinzig und nochmal 1-2km Asphalt quer durch die Stadt, bis ich mein Ziel (Gasthof Blume) direkt am Bahnhof erreicht hatte. Jetzt war ich komplett erledigt. Kurze Dusche und dann wie gewohnt ab auf die Terrasse zu einem kühlen Getränk – so kann man es aushalten. Auch dort habe ich sehr lecker gegessen und bin noch lange mit meinem Buch draußen gesessen.

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Die Tracks sehen etwas komisch aus – ich vermute wegen dem Handy im Energiespar-Modus.

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