Westweg Etappe 4: Ochsenstall – Kniebis

Donnerstag, 22.6.2017
Um 4 Uhr ist es hell, ich weiß gar nicht, ob die Vögel zwischendrin überhaupt mit dem Gepiepe aufgehört haben. Lohnt eigentlich fast nicht ;-)
Um 6 halte ich es nicht mehr aus in der Koje, stehe auf und geh runter, packe das vorbereitete Frühstück meines Wirts mit auf die Bierbank nach draußen. Herrlich. Doch die Ruhe währt nur kurz: Schritte auf dem Weg, es ist die Wandersfrau vom ersten Tag. Nach kurzem Hallo zieht sie weiter ihrer Wege. Ich treffe sie dann später nicht mehr an. In aller Ruhe zusammengepackt, der Schlüssel an vereinbarter Stelle versteckt und wieder auf den Weg: Direkt hinauf, auf die Hornisgrinde in noch ganz schrägem Licht. Es ist kein Mensch weit und breit. Ich passiere den Funkturm, das einsame Windrad und mache ein paar Fotos vom altmodischen Bismarckturm herunter. Schön hier und noch ganz kühl.. Dann geht es bergab zum Mummelsee, am Hotel sind die Schirme noch zusammengeklappt, einzelne Gäste sitzen bereits beim Frühstück. Ich umrunde den See, niemand ist zu sehen. Hinter dem Mummelseetor ein Hindernis: Baumfällarbeiten, ein Harvester wirbelt Staub auf und sortiert Baumstämme wie Salzstangen. Aber ich bin im Glück, der Fahrer bemerkt mich und winkt mich vorbei. Kurze Zeit später stehe ich am Seibels Eck. Hier gibt es einen kleinen Brunnen, mit dem ich gleich die Vorräte wieder auffrische. Die Sonne ist jetzt da und gleich wieder Betriebstemperatur. Auf breiten Forstwegen weiter Richtung Ruhstein. Kurz nach der Darmstädter Hütte kann man zum Wildsee absteigen – muss aber denselben Weg wieder hinauf. In Anbetracht der noch zu bewältigenden Strecke belasse ich es bei einem Foto von oben. Am Ruhstein alles, bloß keine Ruhe(höhö), die kahlen Wintersportanlagen zusammen mit der Baustelle des neuen Besucherzentrums sind nicht so ansprechend. Ich überhole eine Schulklasse, die eine Art Walderlebnistag machen. Dann komme ich vom Weg ab, stehe unten an der Sprungschanze und will nicht wieder umkehren. Ich weiß noch vom Warmup her, dass der Weg oben entlangführt, so nehme ich einfach die steilen Stahlstufen neben der Schanze und komme reichlich verschwitzt oben an. Und ernsthaft, an keinem “Betreten verboten” Schild vorbeigekommen, jedenfalls nicht aus dieser Richtung. Ich setze mich auf die oberste Stufe und mache kurz Pause, habe schon wieder anderthalb Liter Kühlwasser verbraucht. Die Kräfte kehren etwas zurück und ich gehe den wunderschönen, schnurgeraden Pfad hinauf zum Schliffkopf. Dort ist das Rentneraufkommen etwas höher, ich kenne das schon von meinem letzten Besuch. Grund ist das nahegelegene Schliffkopfhotel, das eine gepflegte Umgebung bietet. Die habe ich auch gleich genutzt für ein Stück Kuchen und einen doppelten Espresso. Bin schließlich im Urlaub oder was. Irgendwann durfte ich dann auch zahlen und ich bin zum zweiten Tagesteil aufgebrochen, das restliche Stück bis zur Alexanderschanze. Dieses sog. “Etappenende” ist eigentlich nur eine Kreuzung im Nirgendwo, an der ein verfallenes Hotel steht, das anno dazuback anscheinend der Übernachtungs-Spot des Westwegs war. Bis dorthin mussten allerdings noch viele Kilometer Forstweg bewältigt werden. Unterwegs habe ich einen echten Raben gesehen, passiert mir nicht so oft. Man kommt außerdem am hinteren Ende des “Lotharpfads” vorbei, eine Art Baumwipfelweg, der damals nach dem Sturm zur Dokumentation angelegt wurde. Heute sind die jungen Bäume wieder so 5-7m hoch und man sieht von den niedrigeren Plattformen nichts mehr. Interessant aber allemal. Ich habe nur kurz gestoppt und bin an der Röschenschanze (sieht man nicht viel von) vorbei zum Gasthof “Zuflucht”, der einen sehr schönen Biergarten besitzt. Angesichts dessen musste ich unbedingt auf ein Radler anhalten. Dann die restliche Strecke zu Alexanderschanze, dort die Straße überquert, den Westweg verlassen und die letzten 3km auf der gelben Raute hinunter in den vormals badisch-württembergischen Grenzort Kniebis. Dort steht ein sehr christliches Seminargebäude und gegenüber der so richtig typische “Gasthof Schwarzwald”, in dem die Zeit in den 80ern stehengeblieben zu sein scheint. Aber der Schein täuscht: Ich wurde dort wunderbar bewirtet und untergebracht. Das Dekor kann man zwar kaum glauben, aber es ist herrlich urig. Am nächsten Morgen hat mich der Wirt sogar die Straße wieder hinauf zur Kreuzung mitgenommen, damit ich das Stück nicht doppelt laufen muss. War klasse. Ich habe dort außerdem sehr gut gegessen. Das war auch die letzte Unterkunft, die ich im voraus gebucht hatte. Da mir nicht klar war, wie gut zu Fuß ich wirklich bin und ob ich dann die “offizielle” Etappe 5 + 6 zusammen schaffe habe ich darauf verzichtet und ab jetzt immer abends recherchiert und dann mögliche Orte abtelefoniert. Das hat sehr gut geklappt, wobei ich an dem Wochenende sicherlich Glück hatte. Außerdem sind aktuell keine Ferien.


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(irgendwas stimmt mit dem Track nicht ganz, im Groben ist es aber richtig!)

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