Westweg Etappe 6: Hausach – Wilhelmshöhe

Samstag, 24.6. 2017
Am Morgen ist der Himmel – oh Wunder – bedeckt, als ich aus dem Fenster schaue. Es sollte zwar nicht regnen an diesem Tag, aber immer wieder ziehen Wolken durch, so dass es nicht mehr ganz so heiß wird. Aber zunächst bediene ich mich am üppigen Frühstückbuffet. Frisch gepackt durchquere ich dann erneut Hausach in Richtung der Burg Husen. Im Ort ist eine großer Betrieb der zur Zeit Nachtschichten fährt und ich bin froh, dass es immer ruhiger wird. Wieder komme ich an einer, wie ich finde komplett übertriebenen Kirche vorbei, aber die Erklärung ist einfach: Hausach war damals eine wohlhabende Ecke, es gab reichlich Silber- und Eisenerzminen. Die Burg, auf einem niedrigen Vorsprung ins Tal hineingebaut diente zu deren Schutz. Mitten von der Hauptstraße zweigt dann der Westweg steil nach oben ab. Nach kurzer Zeit stehe ich inzwischen wieder in völliger Einsamkeit unter dem dicken Burgturm. Komische Geräusche? Am Turm hinauf entdecke ich einen langen Vogelkackebremsstreifen bis zu einem kleinen Loch, aus dem die Köpfe von drei kleinen und einem großen Wanderfalken(?) schauen. Kaum ist der Ernährer abgeflogen fängt ein herzzerreissendes Gepiepe an. Fast möchte ich einen Müsliriegel ausgeben. Einmal mehr ärgere ich mich, keine Kamera mit vernünftiger Optik dabei zu haben.
Jetzt folgt der Anstieg auf den Farrenkopf. Oben angelangt, befinde ich mich praktisch wieder auf der “Schwarzwald-Ebene” von knapp unter 1000m. Unterwegs überhole ich doch glatt einige Wanderer, das hätte ich nun nicht für möglich gehalten. Man muss es sich aber mehr wie eine Art LKW-Überholung vorstellen. Unmerklich, sozusagen. Auf dem Farrenkopf treffen wir uns dann alle wieder, eine Gruppe älterer Wanderer und ein junger Kerl, der seinen Sohn aus rein sportlichen Gründen in einer Rückentrage hochgeschleppt hat. Der steht dann auf seinen eigenen, etwas wackligen Beinen oben auf dem Berg mit der Brezel in der Hand, blinzelt und wundert sich wie er denn hierher gekommen ist. Wir unterhalten uns ein bisschen und ich gehe dann aber relativ kurzfristig weiter.. der Gipfel ist einfach zu klein für uns alle ;-)
Der Weg führt jetzt mehr oder weniger eben direkt Richtung Süden. Irgendwann erreicht man die Prechtaler Schanze, ein inzwischen unkenntlich zugewachsenes Abwehrbauwerk gegen die pösen Franzosen. Mir hat diese Strecke nicht so gut gefallen – ich bin allerdings auch kein ausgewiesener Windkraft-Fan. Man unterläuft nacheinander 5? Windräder und durchquert jeweils deren tellerartig geschotterte, komplett-gerodete Bodenflächen. In dieser schönen Landschaft muss ich ganz doll an Atom- und Kohlekraftwerke denken, um das noch einigermassen ok zu finden. Ich würde hier den Westweg ummarkieren. Hinter dem Huberfelsen ist es aber geschafft, und pünktlich dazu kommt die Sonne wieder heraus. Während ich oben stehe und ein paar Bilder mache tauchen meine Wanderer wieder auf und ziehen vorbei, ohne den Felsen zu beachten. Die waren anscheinend schon mal hier. Es ist oben ein etwas komisches Gefühl da oben, da die Felsform rund ist und nur ein niedriges Geländer drumherum hat. Vielleicht sollte ich auch einfach etwas essen.
Ab hier wird der Weg wieder schön und man erreicht nach einiger Zeit den Karlsstein. Auch hier werden die Bäume größer und die Aussicht kleiner, aber es ist immer noch ein interessanter Blick, diesmal Richtung Osten. Ein paar Meter weiter kommt man am Hotel/Gasthof “Schöne Aussicht” (jaja, immer schön freischneiden, gell?) wieder aus dem Wald. Ich kehre hier nicht ein, sondern folge dem Weg weiter nach Karlsstein/Rensberg, einem weiteren leicht abgerockten Gasthof direkt an der (nur minimal befahrenen) Straße. Dort stehen Bierbänke und sie haben Kuchen! Ich bin der einzige Gast draußen. Kurze Zeit später nähert sich ein uralter Mazda, ein ebenfalls fast uralter Mann steigt aus und setzt sich nach kurzer Überlegung mir direkt gegenüber. Ohne Bestellung erhält er ein Pils. Stille. Ich schaffe es nicht, ein Gespräch in Gang zu bringen, er bleibt einsilbig. Vielleicht musste er einfach mal raus von zuhause am Samstag mittag und möchte nicht sprechen. Irgendwann stelle ich meine Bemühungen ein. Dann sind wir soweit fertig und verabschieden uns freundlich. Er knattert davon, ich laufe weiter. Das letzte Wegstück zur Wilhelmshöhe ist wieder wunderschön und ich bin dann relativ früh am Ziel. Auch hier Zimmer schön und Restaurant einfach, aber lecker. Man kann nochmal draußen sitzen, obwohl der Wind jetzt schon recht kräftig weht. Als die Sonne hinter dem Haus verschwindet wird es mir tatsächlich etwas kalt und ich mache Schluß für heute.


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