Rom snippets


Wer U-Bahn fahren will: Sinnlos, am Hauptbahnhof einen Fahrkartenautomaten zu suchen. Man sucht stattdessen einen Zeitschriftenkiosk! Ist auch irgendwie interaktiver als ein Automat. Dort gibt es für den Touristen passend 24-, 48- und 72-Stunden Tickets. Perfekt. Überall kann man gedankenlos einsteigen. Fahrzeug statt Bahn vom Flugplatz lohnt sich m.E. ab 3 Personen, da der Leonardo pro Person/Richtung 14€ fix kostet.

Ich weiß nicht wie ich es geschafft habe, hier ein Bild ohne Menschen zu machen.

Du warst nicht da, wenn du nicht da warst.

Dieser Flohmarkt existiert immer noch! An der Via Appia, rechts halten direkt nach der Stadtmauer. Ich war hier zuletzt vor knapp 20 Jahren.

Nette Idee, durchwachsene Umsetzung: Das Dorf aus Cafes, Bars und Bühnen entlang des Tibers. Es erstreckt sich mit Unterbrechungen praktisch kilometerweit. Der Betrieb beginnt erst mit dem Einbruch der Dunkelheit. Dann kann flaniert werden! Vieles ist auch sehr schön dekoriert, aber im großen und ganzen war trotz Wochenende nichts los. Oder man wurde nicht bedient. Oder die Preise waren so angesetzt, dass man gleich keinen Durst mehr hatte. Vielleicht auch einfach deshalb, weil es in dieser Stadt schon genügend schöne Plätze zum Ausstrecken gibt. Am Ende dann doch noch eine passable Bluesband-Bühne gefunden.

Straßenbahnfahren ist hier ein großer Spaß. Neben ein paar (semi-) modernen Zügen fahren hier auch so allerliebste Fuhrwerke (wie das hier) herum. Teilweise sogar mit unterschiedlichen Spurweiten. Technisch sicher an die 100 Jahre alt, mit mechanischen Türen, die mit einem Knall vor der Nase zufahren. Eine ehrliche Angelegenheit und prima um Römer in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten ;-)

Ab und zu kann man in einer Kirche auch nach unten sehen. Huch! :) (San Giovanni in Fonte)

..oder nach oben. Wenn man die Kohle oben parkt, kommen die Plünderer auch nicht so gut heran. Grandios. Wenn man so viel Geld hat, dass man gar nicht mehr weiß wohin – dann werden manchmal irre Sachen beauftragt.

Pax mongolica


Im Urlaub tut man gemeinhin immer das, was man sonst nicht so oft macht. Wie auch in meinem Fall: Ich habe die Gelegenheit genutzt, mich durch einige tausend Seiten der Historienromane von Conn Iggulden zu wühlen. In 5 Bänden wird hier das Leben von Temujin / Genghis Khan und seiner Nachfahren skizziert. In einer derart lebendigen Art und Weise dass man sich fragt, wieso man sich jemals mit “Game of Thrones” abgegeben hat, wenn wahre Begebenheiten doch noch packender sind. Die Geschichte wird allerdings nicht ganz 100% korrekt wiedergegeben, mit Rücksicht auf die Spannungsbögen der einzelnen Figuren. Der Anhang jedes Buches listet die Differenzen auf. Auch ein Blick auf die entsprechenden Wikipedia-Seiten von Genghis (Dschingis) Khan, dem genialen General Tsubodai, Kublai Khan und anderen wichtigen Figuren wie Mongke oder Sokhartani macht klar, dass es wahrscheinlich mehr oder weniger so gewesen sein muss. Drachen sind völlig überbewertet! ;-)

Wolf of the Plains” ist das Intro, das Thema der heranwachsende Khan und die Unmöglichkeit, die mongolischen Stämme zu vereinen.
Lords of the Bow” setzt die Geschichte unmittelbar fort, die Stämme reiten gegen Xi Xia, einen chinesischen Vasallenstaat.
Bones of the Hills” beschreibt im Anschluss daran den Feldzug gegen den Chorezm-Schah, der damals große Teile Persiens (heutiges Iran/Irak/Afghanistan) beherrschte und dessen Reich durch den Angriff der Mongolen völlig zerstört wurde. Das Buch endet mit dem Tod des Khans.
Empire of Silver” ist eine Generation später angesiedelt. Mittelpunkt ist das Schicksal Ögedai Khans, der als Herrscher den Feldzug der Mongolen gegen Russland und Westeuropa befahl. In wenigen Jahren erreichten die Reiter Budapest und Wien und hätten Europe vollständig überrollt, wenn der Feldzug nicht durch den Tod des Khans unterbrochen worden wäre.
Eine irre Vorstellung: Der überraschende, verfrühte Tod eines einzelnen Menschen 1241 ist vermutlich dafür verantwortlich, dass wir heute keine chinesische Schrift haben!
Es gibt noch ein fünftes Buch über Kublai Khan (“Conqueror“), das wiederum eine Generation später das Schicksal dieses Enkels von Genghis Khan schildert. Ich habe es allerdings noch nicht gelesen.

Wer ein bisschen historisches Interesse mitbringt und nichts gegen detaillierte Taktik-Schilderungen hat ist hier genau richtig, sehr empfehlenswert!

Der Goldfisch

Goldfisch Diese Art Goldfisch meine ich nicht. Eher zufällig stießen wir beim Cachen in der Nähe von Obrigheim auf den Lehrpfad “Goldfisch”, der ein Teil der Gedenkstätte des KZ Neckarelz ist. Ich möchte jetzt hier auf gar keinen Fall die betroffene SPON-Karte spielen, nein, gar nicht. Aber wer durch die Gegend kommt, sollte kurz anhalten und diesen rund 30-minütigen Spaziergang durch den Wald machen. Sei es nur um sich in Erinnerung zu rufen, was für ein kranker Schwachkopf dieser Führer eigentlich war. Hier wurde gegen Ende des Krieges versucht, die Flugzeugmotorenfabrikation von Daimler unterirdisch in einen ehemaligen Gipsstock zu verlegen – vermeintlich sicher vor Luftangriffen. Wie so vieles andere auch vergebliche Mühe. Die allerdings war teuer bezahlt, es gab keine Transportmöglichkeiten und so musste die Verbindung zwischen der Bahnlinie an der Neckarsohle und dem Stolleneingang rund 60m höher mit Menschenkraft hergestellt werden. Mit entsprechenden Folgen. Der Stollen selbst ist leider nicht begehbar aber die Anlage soweit freigeschnitten, daß man sich ein grobes Bild von der Lage und den Ausmaßen machen kann. Für Cacher: GCGQTD.

Endlich gehoben : Schatz der Ulmer

Jedes Mal wenn ich mit meinen entzückenden MitCacherDamen unterwegs bin fragen sie mich, ob ich schon beim “Schatz der Ulmer” war. Dieser Geocache ist anscheinend einer der berühmtesten in ganz Süddeutschland und bis letzten Freitag musste ich diese Frage jedes Mal verneinen. Aber nicht mehr! Nur zu zweit sind Franzi und ich morgens um halb acht auf dem Parkplatz gestanden und haben unsere Wanderstiefel geschnürt. Wobei man nicht viel zum Wandern kommt. Stiefel braucht man eigentlich mehr dafür, dass der Matsch nicht in die Halbschuhe läuft. Doch worum geht es hier eigentlich? Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war man nach der erfolgreichen Eroberung Süddeutschlands durch Napoleon der Ansicht, das sowas unter gar keinen Umständen wieder passieren dürfe. Daher wurden unglaubliche Mittel bereitgestellt, um an zentralen Orten Bollwerke zu errichten, die einer angreifenden Armee im Landesinneren lange Widerstand leisten sollten: Die sogenannten Bundesfestungen. Nix Bundesrepublik, damals war es noch der Deutsche Bund. Mainz, Luxemburg, Landau, Rastatt und! Ja genau, Ulm. Militärisch dienten sie der Abschreckung. Diesem Anspruch gerecht geworden waren die Anlagen auch nie direkt in kriegerische Handlungen involviert. An verschiedenen Standorten stark zurückgebaut kann man heute vor allem in Ulm noch sehr viele gut erhaltene Anlagen vorfinden. Durch eines dieser Forts führt dann auch der Cache, der mit 5-12 Stunden Dauer recht zeitaufwendig ist. Wir selbst haben 9,5 Stunden gebraucht und hatten noch Glück am Anfang alles relativ schnell zu finden. So bewegt man sich durch Gräben, Geschützstellungen, Gegenminen-Stollen, Munitionsaufzüge(!) und Verteidigungsanlagen – alles mitten in der Stadt. Die Tour liefert außerdem reichlich geschichtlichen Hintergrund, zudem spannende Rätsel und der Epoche angepasste Verstecke: Man trifft auf keine einzige Tupperbox. Wir waren schwer begeistert obwohl am Ende doch ganz glücklich, den “Schatz” endlich gefunden zu haben – ziemlich ausgepumpt und auch nicht mehr mit 100% Konzentration bei der Sache.
Ich kann an dieser Stelle versichern, daß allein dieser Cache es lohnt, sich mit dem Thema Geocaching auseinanderzusetzen. Aber ganz grün darf man an die Sache natürlich auch nicht herangehen, es gibt einige heikle Passagen, still muss man die Häuser der Anwohner umschiffen und ein paar Rätsel haben durchaus das Attribut “knackig” verdient. Das gilt auch für anderes aber in diesem Fall: Rätsel! ;-) Besonders hervorzuheben ist außerdem dass der Schatz von einem äußerst rührigen Mitglied der Szene betreut wird, der jedes Team mit einer individuellen Tip-Liste und seiner eigenen Handynummer versorgt, sollte man mal feststecken und nicht weiterkommen. Diesen Ruf mussten wir dann auch einmal in Anspruch nehmen, weniger dem Rätsel geschuldet als einer etwas mißverständlichen Wegbeschreibung. Ein spannendes Erlebnis, das die Augen wieder ein wenig weiter geöffnet hat.

Der Tunnel

Das ist kaum zu glauben, wir waren in einem Lost-Place ohne Cache. Echt. Wobei ich nicht sicher bin, ob nicht doch einer drinliegt. Neben der Tür ist eine kleine Öffnung, durch die man sich zur Not quetschen kann (T4.5), um auf der anderen Seite artgerecht herunterzukrachen. Es ist der “alte” Rosensteintunnel, der neben der Bahnverbindung zwischen Bad Cannstatt und Stuttgart noch existiert. Wir hatten über die Verkehrsfreunde Stuttgart die Möglichkeit, an einer Führung teilzunehmen. Mitte des 19. Jahrhunderts schon wurde dieser Tunnel (direkt unter dem Schloß) durch den Berg des Rosensteinparks bergmännisch gegraben. So dicht unter dem Schloß übrigens, dass der Teich einmal wegen einer Leckage direkt in den Tunnel abgeflossen ist. Ups! 2-gleisig konnte man so in das Stadtzentrum gelangen, ohne den schönen englischen Park in Mitleidenschaft zu ziehen. Äh, Parallelen zur Gegenwart sind rein zufällig und nicht unbedingt beabsichtigt. Der neue Rosensteintunnel wurde bereits vor dem ersten Weltkrieg gebaut und ist seit 1915 im Einsatz. Seither wird der alte Tunnel nicht mehr verwendet, was sich auch an spannenden Kalkablagerungen an den Wänden zeigt. Sollte S21 gebaut werden wird dann auch der jetzt verwendete Tunnel ersetzt. Mehr dazu bei Wikipedia.

Das reich verzierte Tunnelportal

Der Tunnel ist bis zu einer Distanz von etwa 300m (2/3 der Strecke) begehbar. Dahinter ist er fest verschlossen und Teil einer Tiefbauanlage auf der anderen Seite.

Auch hier gibt es interessante Höhlenmalereien, die von Schlangenmenschen an die Wand gezaubert wurden.

Mehr Bücher und Filme

[Buch] Boris Meyn, Die Schattenflotte. Für mich als Ex-Hamburger hat das Buch ein interessantes Setting.. die Hansestadt zur Jahrhundertwende in der Kaiserzeit. Viele Figuren nach denen heute Straßenzüge benannt sind tauchen darin auf. Das macht Spaß zu lesen und ist ziemlich informativ. Daß das nun ausgerechnet wieder ein Krimi sein muß.. ich weiß ja nicht. Mit anderen Worten: Auch unter Weglassung der kriminalistischen Handlung hätte das Werk nur unwesentlich gelitten. Sei’s drum, das ist was für Fäns: SterneSterneSterneSterneSterne


The Fountain” von Darren Aronofsky . Ein etwas psychedelischer Streifen in 3 Zeitebenen. Die dritte spielt in einer Seifenblase. Doch, echt. Das Ding ist unwahrscheinlich schön fotografiert, wenn auch die ständigen von-oben-herab Einstellungen mit der Zeit etwas nerven. Die Geschichte, nun ja. Ein bißchen Gralsuche, die Rettung der Totkranken.. sehr bekanntes Schema von daher nichts neues. Leider fehlt die erzählerische Durchschlagskraft. Der enormen Wertung auf imdb kann ich nicht folgen. SterneSterneSterneSterneSterne


Der Untergang” von Oliver Hirschbiegel. Starker Stoff. Man muß etwas Willen mitbringen, die 2,5 Stunden zu sehen. Der Wahnsinn an Zerstörung durch den Egoismus eines einzelnen ist ziemlich schwer verdaulich. Die Frage, die für mich ganz im Mittelpunkt stand und der Film nicht beantwortet: Warum tut keiner was? Sie hören ihm alle zu, das Schwadronieren über die Wendung, den Endsieg, wohlwissend, daß es nur Quatsch ist? Das hat sich die Generation nach dem Krieg auch gefragt, warum in aller Welt tat keiner was? Befehle werden stumpf ausgeführt und nach dem Tod des “Führers” stehen die Mannen ratlos im Bunker. Was nun? Diese Momente fängt der Film wie ich finde sehr treffend ein.
Von Bernd Eichinger produziert ist er außerdem großartig fotografiert und wartet mit exzellenter schauspielerischer Leistung auf. Ich könnte mir das durchaus auch als Theaterstück vorstellen. Unbedingt zu empfehlen.
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Würde, wenn, hätte!

What if?

Das ist die Idee hinter dem eben von mir zuende gelesenen Buch “What if?”. An jedem Stammtisch bereits in epischer Breite diskutiert, wäre dieses Tor reingegangen, der VfB wäre dann wieder Meister … ne, das ist vielleicht zu unrealistisch ;-)

Das Werk ist eine Sammlung an Essays mehr oder weniger bekannter Historiker des englischen Sprachraums. Ich kannte nur einen von ihnen, John Keegan, furztrocken aber sehr kompetent. Jeder der Autoren wurde gebeten, über eine historische Begebenheit zu berichten, die mit etwas Glück, Pech oder Zufall völlig anders ausgegangen wäre. Die Folge dann ein möglichst gravierender, alternativer Geschichtsverlauf. Beispiel: Bei der Belagerung Jerusalems durch die Assyrer ca. 700 v. Chr. brach unter den Belagerern eine üble Seuche aus, die viele der Soldaten dahinraffte. Wäre das nicht passiert, hätte vermutlich die lächerliche Befestigung der Stadt der assyrischen Kriegsmaschine nicht mehr lange standgehalten und der frisch erbaute Tempel wäre eingeebnet worden, möglicherweise gleich zusammen mit dem Monotheismus. Aber der König der Assyrer, ein gewisser Herr Sennacherib, wollte weitere Verluste um eine strategisch unwichtige Position vermeiden und zog weiter. Glück gehabt.
Weitere Szenarien unter anderem:

  • Alexander der Große stirbt nicht plötzlich an einem Fieber sondern wird alt und stabilisiert sein Großreich.
  • Die Germanen verlieren die Schlacht im Teutoburger Wald. Wäre Germanien römisch geworden?
  • Die Griechen verlieren die Seeschlacht bei Salamis und das gesamte Mittelmeer wird von den Persern dominiert
  • Die spanische Armada landet erfolgreich in England
  • Eine Unmenge Artikel über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, die zwar ganz unterhaltsam sind, deren tiefe historische Bedeutung leider etwas blaß bleibt
  • Von Kluck’s 1. Armee erreicht 1914 gemäß des Schlieffen Plans wie erwartet Paris, was den ersten Weltkrieg nach einem halben Jahr beendet.
  • Amerikanische Aufklärer entdecken von Midway aus Yamamotos Flotte nicht rechtzeitig
  • Chiang Kai-shek marschiert nicht in der Manschurei ein. Er erleidet wenig Verluste, Maos Armee kann ihn nicht verdrängen, China bleibt wie Korea und später Deutschland geteilt.

Klingt interessant, nicht wahr? Ist es auch. Das Hauptmanko ist der extreme Fokus auf den amerikanischen Bürgerkrieg, aber darin kannten sich die Autoren vermutlich am besten aus. Andere Artikel bleiben etwas zu oberflächlich, manche auch fast klischeehaft. Dafür gibts dann auch keine volle Punktzahl mehr. Mir gefiel es gut, eine wichtige Auffrischung der eingerosteten Geschichtssinne. :-)

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