Westweg Etappe 4: Ochsenstall – Kniebis

Donnerstag, 22.6.2017
Um 4 Uhr ist es hell, ich weiß gar nicht, ob die Vögel zwischendrin überhaupt mit dem Gepiepe aufgehört haben. Lohnt eigentlich fast nicht ;-)
Um 6 halte ich es nicht mehr aus in der Koje, stehe auf und geh runter, packe das vorbereitete Frühstück meines Wirts mit auf die Bierbank nach draußen. Herrlich. Doch die Ruhe währt nur kurz: Schritte auf dem Weg, es ist die Wandersfrau vom ersten Tag. Nach kurzem Hallo zieht sie weiter ihrer Wege. Ich treffe sie dann später nicht mehr an. In aller Ruhe zusammengepackt, der Schlüssel an vereinbarter Stelle versteckt und wieder auf den Weg: Direkt hinauf, auf die Hornisgrinde in noch ganz schrägem Licht. Es ist kein Mensch weit und breit. Ich passiere den Funkturm, das einsame Windrad und mache ein paar Fotos vom altmodischen Bismarckturm herunter. Schön hier und noch ganz kühl.. Dann geht es bergab zum Mummelsee, am Hotel sind die Schirme noch zusammengeklappt, einzelne Gäste sitzen bereits beim Frühstück. Ich umrunde den See, niemand ist zu sehen. Hinter dem Mummelseetor ein Hindernis: Baumfällarbeiten, ein Harvester wirbelt Staub auf und sortiert Baumstämme wie Salzstangen. Aber ich bin im Glück, der Fahrer bemerkt mich und winkt mich vorbei. Kurze Zeit später stehe ich am Seibels Eck. Hier gibt es einen kleinen Brunnen, mit dem ich gleich die Vorräte wieder auffrische. Die Sonne ist jetzt da und gleich wieder Betriebstemperatur. Auf breiten Forstwegen weiter Richtung Ruhstein. Kurz nach der Darmstädter Hütte kann man zum Wildsee absteigen – muss aber denselben Weg wieder hinauf. In Anbetracht der noch zu bewältigenden Strecke belasse ich es bei einem Foto von oben. Am Ruhstein alles, bloß keine Ruhe(höhö), die kahlen Wintersportanlagen zusammen mit der Baustelle des neuen Besucherzentrums sind nicht so ansprechend. Ich überhole eine Schulklasse, die eine Art Walderlebnistag machen. Dann komme ich vom Weg ab, stehe unten an der Sprungschanze und will nicht wieder umkehren. Ich weiß noch vom Warmup her, dass der Weg oben entlangführt, so nehme ich einfach die steilen Stahlstufen neben der Schanze und komme reichlich verschwitzt oben an. Und ernsthaft, an keinem “Betreten verboten” Schild vorbeigekommen, jedenfalls nicht aus dieser Richtung. Ich setze mich auf die oberste Stufe und mache kurz Pause, habe schon wieder anderthalb Liter Kühlwasser verbraucht. Die Kräfte kehren etwas zurück und ich gehe den wunderschönen, schnurgeraden Pfad hinauf zum Schliffkopf. Dort ist das Rentneraufkommen etwas höher, ich kenne das schon von meinem letzten Besuch. Grund ist das nahegelegene Schliffkopfhotel, das eine gepflegte Umgebung bietet. Die habe ich auch gleich genutzt für ein Stück Kuchen und einen doppelten Espresso. Bin schließlich im Urlaub oder was. Irgendwann durfte ich dann auch zahlen und ich bin zum zweiten Tagesteil aufgebrochen, das restliche Stück bis zur Alexanderschanze. Dieses sog. “Etappenende” ist eigentlich nur eine Kreuzung im Nirgendwo, an der ein verfallenes Hotel steht, das anno dazuback anscheinend der Übernachtungs-Spot des Westwegs war. Bis dorthin mussten allerdings noch viele Kilometer Forstweg bewältigt werden. Unterwegs habe ich einen echten Raben gesehen, passiert mir nicht so oft. Man kommt außerdem am hinteren Ende des “Lotharpfads” vorbei, eine Art Baumwipfelweg, der damals nach dem Sturm zur Dokumentation angelegt wurde. Heute sind die jungen Bäume wieder so 5-7m hoch und man sieht von den niedrigeren Plattformen nichts mehr. Interessant aber allemal. Ich habe nur kurz gestoppt und bin an der Röschenschanze (sieht man nicht viel von) vorbei zum Gasthof “Zuflucht”, der einen sehr schönen Biergarten besitzt. Angesichts dessen musste ich unbedingt auf ein Radler anhalten. Dann die restliche Strecke zu Alexanderschanze, dort die Straße überquert, den Westweg verlassen und die letzten 3km auf der gelben Raute hinunter in den vormals badisch-württembergischen Grenzort Kniebis. Dort steht ein sehr christliches Seminargebäude und gegenüber der so richtig typische “Gasthof Schwarzwald”, in dem die Zeit in den 80ern stehengeblieben zu sein scheint. Aber der Schein täuscht: Ich wurde dort wunderbar bewirtet und untergebracht. Das Dekor kann man zwar kaum glauben, aber es ist herrlich urig. Am nächsten Morgen hat mich der Wirt sogar die Straße wieder hinauf zur Kreuzung mitgenommen, damit ich das Stück nicht doppelt laufen muss. War klasse. Ich habe dort außerdem sehr gut gegessen. Das war auch die letzte Unterkunft, die ich im voraus gebucht hatte. Da mir nicht klar war, wie gut zu Fuß ich wirklich bin und ob ich dann die “offizielle” Etappe 5 + 6 zusammen schaffe habe ich darauf verzichtet und ab jetzt immer abends recherchiert und dann mögliche Orte abtelefoniert. Das hat sehr gut geklappt, wobei ich an dem Wochenende sicherlich Glück hatte. Außerdem sind aktuell keine Ferien.


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(irgendwas stimmt mit dem Track nicht ganz, im Groben ist es aber richtig!)

Westweg Etappe 3: Forbach – Ochsenstall

Mittwoch, 22.6.2017
Auch dieser Tag ist wettertechnisch gnadenlos: Um 8 beim Frühstück scheint bereits die Sonne herein, es ist zwar noch nicht richtig heiß, aber die schwüle Luft treibt die ersten Schweißperlen hervor. Vor dieser Etappe hatte ich im Vorfeld den meisten Respekt: Ich bin jetzt auf bisher unbekanntem Terrain, es ist wieder relativ weit und der Tag beginnt mit einem Höhenunterschied von 600m. Hinterher sieht man das natürlich alles etwas entspannter. Direkt hinter der Unterkunft noch mitten im Ort geht die Steigung los. Nach den letzten Häusern erreicht man eine Baumreihe und der Weg führt an einer Weide entlang. Die Mücken sind um diese Zeit auch schon auf und stürzen sich auf das einsame Frühstück. Hier hilft es ungemein, auch etwas Autan auf Hals und Gesicht zu verteilen (Sicherheitshinweis: Dabei Augen permanent geschlossen halten). Nach einiger Zeit ist die erste Rampe geschafft und ich erreiche die Hütte am Wegscheid. Die hat sogar einen Schlafboden und bietet sich als alternative Übernachtungsgelegenheit geradezu an. Vielleicht beim nächsten Mal. Ab hier wieder ein leichtes Gefälle, es geht an einem Brunnen vorbei durch lichten Wald auf die Schwarzenbach-Talsperre zu, an deren Ufer man aber nur kurze Zeit entlang geht. Der Weg zweigt in den Wald hinein und es geht wieder kontinuierlich bergauf. Zuerst auf einem Forstweg, am Anwesen der Murgtalschiffer (und deren Privatwald) vorbei, bis man über einen erneuten steilen Abschnitt den Herrenwieser See erreicht. Eine letzte Rampe hinauf auf den Seekopf, hier sind dann die 1000 Höhenmeter erreicht. Man betritt den Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. Nach einem kurzen Stück durch niedrigen Sturmwald erreicht man die Badener Höhe. Dieser Aussichtsturm ist meiner Meinung nach eine der schönsten Stellen des gesamten Wegs. Auch weil man es hier erst einmal “geschafft hat” und oben angekommen ist. Vom Turm hinunter schlängelt sich dann ein schattiger Forstweg am Naturfreundehaus vorbei zum “Sand”, wo der Westweg auf die B-500 trifft (und die Waldesruh erstmal wieder vorbei ist). Ab dem Naturfreundehaus bieten sich jetzt im weiteren Wegesverlauf zahlreiche Einkehrmöglichkeiten, so dass eine Stärkung jederzeit möglich ist. Am Hundseck mache ich eine Pause an Peters Fahrradladen, wir quatschen eine ganze Weile. Die wirtschaftliche Entwicklung der direkten Umgebung, das Kurhaus, Hunde, wir finden jede Menge Gesprächsthemen. Irgendwie sind dann zwei Stunden rum und ich mache mich auf den Weg zu meinem Quartier. Bis nach Unterstmatt verläuft der Weg auf einem ganz schmalen Weg über den Hochkopf – das ist eine der schönsten Wegstellen, die man auch mal kurz beim “Vorbeifahren” mitnehmen kann. Gegen Abend erreiche ich dann das Wanderheim Ochsenstall und bin heute – abgesehen von ein paar Wohnmobilen – der einzige(!) Gast. Der Kerl hinter dem Tresen ist zunächst etwas grummelig, stellt mir dann aber einen herrlichen Wurstsalat hin und wir unterhalten uns noch eine Weile bis er seine Küche zuschließt und nach Hause fährt. Ich komme noch ins Gespräch mit einer netten Dame aus einem der Wohnmobile – sie hat sich eine kleine Datscha in der Ukraine zugelegt. Sie zeigt mir Bilder davon auf dem Handy – ein irres Projekt, Sanierung mit einfachsten Mitteln fernab uns bekannter Möglichkeiten. Ich ziehe mehrfach meinen gedanklichen Hut. Wäre ich etwas handwerklicher veranlagt, könnte ich mir so etwas auch gut vorstellen. Der Abend ist lang – es ist Sonnwend! Wir verabschieden uns und ich suche nach einem kurzen Spaziergang meine Schlafkammer auf – das Innere des Wanderheims ist mit seiner Notbeleuchtung, den dunklen holzvertäfelten Wänden und engem Flur reichlich spuksig. Hier könnte man ohne Ausgaben für Requisiten einen wunderbaren Thriller drehen. Ist mir aber an sich egal, ich bin totmüde und falle in das winzige Bett. Ein bisschen wie in einer Schiffskoje.

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Westweg Etappe 2: Dobel-Forbach

Dienstag, 20.6.2017
Aufstehen mit den Handwerkern: Kein Problem, wenn man am Abend zuvor früh umgekippt ist. Das Frühstück ist etwas spartanisch, wird aber durch die illustre Runde in der Gaststube mehr als wett gemacht. Zwei weitere Wanderfrauen sitzen querab, wir grüßen als ich gehe. Ich sehe die beiden am Abend wieder, sie haben dasselbe Ziel. Früh gehe ich durch das “Sonnentor” in Dobel, das diesmal seinem Namen alle Ehre macht. Der Weg ist zunächst richtig schön: Über Waldwege, dann auf Forstwegen entlang der westlichen Kante des Bergrückens: Famose Aussichten, es hört gar nicht mehr auf. Bevor Kaltenbronn erreicht ist, allerdings sehr lange Abschnitte “Waldautobahn”: Forstweg mit beidseitig, ca. 5m breitem gerodeten Streifen. Schatten: 0%. Das geht bei 30°+ langsam auf die Nerven und noch mehr auf den Wasserverbrauch. In Kaltenbronn dann noch eine kleine Enttäuschung: Betriebsferien! Ich hatte so auf ein Schorle mit einem Stück Kuchen spekuliert. Stattdessen wird Mitgebrachtes verzehrt: Dann wird immerhin der Rucksack leichter. Diesen zweiten Tag habe ich richtig schwer zu tragen, das Ding auf meinem Rücken scheint ein immenses Gewicht zu haben. Später zu war das allerdings überhaupt kein Problem mehr. Hinter Kaltenbronn geht es kurz steil bergan, bis das Hochmoor mit dem Hohloh-See auf Bretterwegen durchquert wird. Tiere sind keine zu sehen, die haben heute anscheinend hitzefrei. Nach einer kleinen Schotterpiste erreicht man den Hohloh-Turm. Beim letzten Mal war die Spitze im Nebel, aber diesmal gehe ich rauf, es erwartet mich eine gigantische 360° Aussicht über den Nordschwarzwald. Phänomenal! Im Westen sehe ich schon den Turm auf der Badener Höhe, das ist mein morgiges Ziel. Abgestiegen, getrunken, geht es auf Waldautobahnen weiter, bis der Abstieg Richtung Forbach am Latschigfelsen beginnt. Ein Pärchen auf Rädern hat sich verirrt: Sie möchten nach Forbach. Ich empfehle die breite Forstautobahn, sie sehen aber nur das Schild “Forbach” auf dem Westweg. Ich erkläre ihnen, dass der Weg etwas weiter höchstens noch für geübte Downhill-Profis befahrbar ist, sie riskieren es trotzdem. Wie nicht anders zu erwarten, treffe ich die beiden ein paar Kehren weiter wieder, inzwischen entnervt aber immerhin meiner Meinung, was den Weg angeht. Mit Hilfe der Karte auf meinem Handy kann ich sie schließlich auf eine weitere Forstautobahn lotsen und sie entschwinden. Der Abstieg wird jetzt richtig steil und es geht ans Eingemachte: Wasser verbraucht, Fußsohlen brennen, Knie butterweich und es ist knalle heiß. Ich lasse es langsam angehen. Als ich unten endlich aus dem Wald komme, erkenne ich das kleine Hexenbrünnele wieder. Die Oase!! Klappe auf, Kopf drunter, es ist einfach herrlich. Trotz sehr müder Beine kann ich jetzt in aller Ruhe nach Forbach eintrudeln. Am Bahnhof treffe ich kurioserweise meine Radfahrer wieder und bin erleichtert, dass sie dem dunklen Forst entronnen sind. Das Moor auf 1000m Höhe, Forbach auf 330m bedeutet einen fast alpinen Abstieg. Mit 27,6km war es heute nicht ganz so weit, aber der gestrige Tag steckt mir noch etwas in den Knochen. Ich erreiche meine Herberge “Hotel-Pension Am Mühlbach” und stolpere unter die Dusche. Zisch! Später raffe ich mich noch einmal hoch, erkunde den Ort mit seiner völlig überdimensionierten katholischen Kirche, hole eine weitere Eistee-Plastikflasche aus dem Supermarkt und esse sehr lecker auf der Terrasse einer etwas spelunkig wirkenden Gaststätte “Zum Adler”. Dieses Ereignis wird durch das Eintreffen einer englischen Motorradgruppe noch etwas angewürzt: Unterhaltung pur!
Übrigens: Meine Befürchtung, auf dem Weg völlig zu vereinsamen und nicht zu wissen, was man den Abend über anstellen soll hat sich als völlig unbegründet herausgestellt. Zum einen kommt man ständig mit Leuten ins Gespräch, zum anderen ist so ein Abend auch nicht so lang, wenn man nach dem Essen mit dem Wachbleiben kämpft.

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Westweg Etappe 1: Pforzheim – Dobel

Montag, 19.6.2017
Einfach schön, am Montagmorgen mit kurzen Hosen, Wanderschuhen und Rucksack in die Bahn einzusteigen, während alle anderen ihre Aktentäschchen umklammern :)
Mit dem Zug um 7.14 war ich dann 8.39 in Pforzheim am Startpunkt. Noch ein kurzer Besuch beim Bäcker und ein Abstecher in die Drogerie (Autan!), dann flink auf den Weg Richtung Kupferhammer. Die ersten beiden Etappen bin ich bereits gelaufen, ich wusste also, wo es hingeht. Keine 10 Minuten vom Bahnhof klingelt das Handy: Wie könnte es auch anders sein, die Arbeit ruft mit murphyscher Präzision: Nach Updates am Wochenende funktioniert ein wichtiger Dienst nicht mehr. So wichtig, dass ich hätte gleich wieder in die Bahn einsteigen können. Von einer Bank im Lindenpark am Zusammenfluss von Nagold und Enz (sehr schöne Stelle) konnte ich allerdings meine Kollegin dirigieren, ein Backup einzuspielen, mit dem das System dann erfolgreich weiterlief. Ich darf also auf den Westweg. Am Kupferhammer mache ich das obligatorische Selfie und justiere nochmal den ungewohnt gewordenen Rucksack: Das Gewicht beeindruckt mich dann doch. Hinter mir bemerke ich wie eine Dame mit ebenfalls großem Rucksack verabschiedet wird, sie hat anscheinend dasselbe Ziel wie ich. Ich sollte sie noch einige Male treffen.
Kurze Zeit später die Nagold überquert, kurze Wegweiserverwirrung wegen einem Anruf (“System funktioniert wieder!”) sorgen für 3 Extra-Kilometer, nachdem mir irgendwann auffällt, das die Raute weg ist. Und das auf dem bereits bekannten Abschnitt! Peinliche Angelegenheit. Ich zurück, über die Bahn, durchs Wohngebiet wieder in den Wald. Dort widerfährt mir etwas ganz Eigenartiges: Ein großes schwarzes Etwas mit wenig weißen Anteilen flattert mit lautem “bibibibibibi” neben mir durch den Wald, heftet sich dann an einen Baum, und hebt sofort wieder in Gegenrichtung ab. Größe etwa ein stattliches Huhn. Könnte ich ein Auerhuhn gesehen haben? Die per Whatsapp kontaktierte Expertenrunde war sich uneins :-) So ein Viech hatte ich jedenfalls noch nie gesehen.
Etwas später gabelt sich der Weg: Ich habe die linke Variante an der Enz entlang gewählt und nicht die neuere Strecke “auf der Höhe”, die wir letztes Mal gelaufen sind. Ist in jedem Fall zu empfehlen, der Weg an der Enz ist viel schöner und vor allem wesentlich ruhiger. Man kommt außerdem am Schloß Neuenbürg vorbei, das man auf der anderen Seite komplett verpasst. Dort holte mich auch die Wanderin ein und überholte nach kurzem Gespräch: Ich merke, dass ich noch an meiner Form arbeiten muß. In der alten Burg hinter dem Schloß ist ein toller Grill/Rastplatz, der aber verschlossene Türen hat. Oben im nicht-begehbaren Gemäuer hausen einige Falken: Sie machen einen Mords-Radau, als ich unten durchquere.
Nach kurzer Pause den steilen Schlossweg hinab und über die Enz. Jetzt hat es deutlich über 30 Grad und es wartet ein steiler, unbeschatteter Aufstieg auf der anderen Seite. Scheint der einzige Nachteil dieser Wegvariante zu sein. Vorteil: Unten an der Abzweigung ist ein alter Brunnen direkt an einem Wohnhaus. Die Frau, die dort ihre Gießkannen füllt lacht, als ich meinen Kopf im Becken untertauche. Ganz schee hoiß heit! Oben angekommen durchquert man ein weiteres Wohngebiet, kommt wieder in den Wald und in kurzer Zeit auf der anderen Seite in Straubenhardt wieder heraus: Dort führt der Weg, der jetzt “Aussichtsweg” heißt, am Waldrand entlang mit einer gigantischen Aussicht. Sichtweite 100km+ würde ich behaupten, trotz leichtem Dunst. Als ich das letzte Mal hier war, hörte der Regen kurz auf und man konnte die Häuser von Schwann in 1km Entfernung erkennen.. Eine weitere Rast am Segelflugplatz, auf dem heute Betrieb ist. Bessere Bedingungen gibt es wohl kaum. Ich merke inzwischen die Hitze und das Gewicht. Doch es geht weiter, jetzt kommt ein längerer Waldabschnitt, der erst kurz vor Dobel endet. Was man dabei nicht so richtig bemerkt, ist die ständige, flache Steigung: Das Ziel liegt auf knapp 700m, Pforzheim auf 260m. Es ist klar: 2 Wasserflaschen sind bei den Temperaturen dafür unterdimensioniert.
In Dobel geht es die wenig attraktive Hauptstraße entlang bis zum Gasthof Linde, meinem Ziel. Der ganze Ort macht (mit Ausnahme der Asylbewerber in 2 Häusern) einen eher ausgestorbenen Eindruck. Essen und Übernachtung waren dagegen tadellos, sehr preiswert und empfehlenswert. Ein Vorteil hier: Es gibt Frühstück ab 6:30, was möglichweise auch an einigen Geschäftsreisenden liegt. Ich bin heute 30,1km gelaufen mit einem Schnitt von 4,1 km/h, eine Geschwindigkeit, die ich danach nie mehr erreicht habe. Wie bei jeder Etappe falle ich praktisch um, sobald das Abendessen mit dem Gerstensaft mein Inneres erreicht. Überdosis Frischluft.

Jagsttalwiesen 2017

Nach etwas längerem inter-familiärem Hin-und Her sind wir schlußendlich doch an die Jagst aufgebrochen, um an dem alljährlichen Mega-Wanderevent “Jagsttal Wiesenwanderung” teilzunehmen. Leider etwas weit zu fahren. Zusammen mit reichhaltig(en) Gleichgesinnten haben wir am Ende der offiziellen Tour (38,5km) ein kleines Stück abgewandert. Bei strahlendem Sonnenschein und knapp 30 Grad eine heiße Angelegenheit. Neben dem wirklich sehenswerten Langenburg strömt die Jagst hier absolut verkehrsberuhigt durch ein relativ enges Tal. Kleine Wehre in den Orten mit Staukanälen, darin ein mörderisches Gequake von Fröschen (oder Unken?) beachtlicher Ausmaße. Wir sind in Bächlingen gestartet, hinauf nach Langenburg und erstmal direkt ins Café, Kuchen und Espresso. Hey, es ist Wochenende. Dann flußabwärts auf der Ostseite bis Eberbach, ein frisches Radler und auf der anderen Seite wieder zurück. Das gab schön Salzkruste auf dem T-Shirt nach den knapp 20 Kilometern.. Der Weg ist leider mit viel Asphalt, aber trotzdem schön zu gehen, weil nur eine Fahrspur und praktisch kein Verkehr bis auf ein paar Fahrräder. Fazit: Kann man sich durchaus mal anschauen, die hohenlohische Gegend.. ;-)

Westweg ’17: Warmup

Gestern nahm ich die Gelegenheit wahr und nutzte ein Shuttle Richtung Schwarzwald :-) Dabei hatte ich dann die Gelegenheit, von Allerheiligen aus eine Runde zu den Wasserfällen zu machen und anschließend zum Schliffkopf aufzusteigen. Weil das zeitig gut geklappt hat bin ich dann die paar Kilometer weiter bis zum Treffpunkt am Ruhestein.
Dabei habe ich die neuen Stiefel eingelaufen. Zumindest versucht, im Augenblick steht es 1:0 (Stiefel vs. Autor). Zum Schliffkopf hinauf habe ich mir kurz vertan, dann aber doch noch den richtigen Aufstieg gefunden (*nicht* die gelbe Raute, autsch, okay, rückwärts..).

Hier die Wegstrecke:

Das wirklich verrückte an diesem Tag war neben gehörigem Unterzucker allerdings das Wetter. Schon seit Tagen dieses Schauer und Gewitter, so dass die Luft trotz viele Wolken absolut klar war und eine gigantische Fernsicht bot. Ich schätze mind. 150km. Dazu neue Gewittertürmchen und passende Dramatik am Himmel :-). Ein paar Impressionen:

Am Ende waren es unspektakuläre 12km mit etwa 700 Höhenmeter, für die ich mit einigen Pausen knapp 4 Stunden gebraucht habe. Am Ruhestein bin ich übrigens (nicht völlig überraschend) in die Grundsteinlegung des Nationalparkzentrums geraten. Anschließend haben wir uns in der Kniebis-Hütte mit einem leckeren Essen (Knödel, yay!) belohnt.

Westweg ’17: Vorbereitungen

Ich habe das Gefühl, ich gehe zu blauäugig ran an die Sache. (übrigens, wieso heißt es eigentlich blauäugig? Sind Leute mit blauen Augen dämlicher?). Andrerseits will ich nicht so funktionsaufgetakelt unterwegs sein, wie der überwältigende Rest der Bevölkerung. (Ist es euch schon aufgefallen? Deutschland drinnen: Schlabberhose. Deutschland draußen: Funktionskleidung (kann auch umgekehrt sein)).
Aber ein paar Vorbereitungen sind schon wichtig. Stabiles, eingetragenes Schuhwerk. Notfallmaßnahmen gegen Unterzuckerung. Genug Flüssigkeit. Cam.
Im Web finde ich viele Berichte. Fast alle fallen in eine der beiden Kategorien:
a) Reisegruppe Ü50 mit Gepäcktransfer (“…es bieten sich überwältigende Ausblicke..”)
b) 24h-Extrem-Trekker mit 65km Reichweite am Tag (“..am nächsten Morgen waren wir schon in Forbach und kein bisschen müde..”)

Was ist denn mit den ganz normalen Leuten passiert, die da einfach mit einem Rucksack auf dem Rücken langlaufen. Mal sehen wer mir da unterwegs so begegnet. Ich habe jetzt eine Liste die ich in den nächsten Wochen abarbeite und zusehe, was ich tatsächlich noch benötige..

Air Travel

Über Ostern waren wir in kleiner Besetzung in Sevilla. 3 Tage eine fremde Stadt unsicher machen, eine prima Sache. Normalerweise nicht so unsere Art, aber dieses Mal haben wir (aus Versehen!) vieles richtig gemacht. Semana Santa, AirBNB, im Park mit einem Buch auf der Bank, Cafe lecche und Churros, einfach prima.

Aber die Reise. “Moderner” Luftverkehr existiert in der aktuellen Form seit mindestens 50 Jahren. Aber nach wie vor ist es für den Passagier ein grandios hakeliges Unterfangen. Damit meine ich jetzt nicht das ganze Security Theatre, das man über sich ergehen lässt (Stuttgart seit dem letzten Mal als ich dort war: Jetzt auch mit Nacktscanner), sondern schlicht und ergreifend den ganzen Ablauf. Ich verstehe ja, dass man Fahrzeuge im Innenraum so optimiert, das möglichst viele Menschen reinpassen, ist im neuen ICE auch nicht anders. Aber diese Leute müssen auch diese Plätze irgendwie einnehmen können. Und daran hakt’s. Durch den “Finger” spart man sich zwar den Bus, aber der hat nur einen Eingang. Warum eigentlich? Dann rennen natürlich diejenigen als erste los, die die vorderen Plätze haben. Bis am Ende eine halbe Stunde um ist, bis so ein 180 Personen Airbus boarding complete hat. Beim Aussteigen der ganze Quatsch noch einmal, vielleicht marginal schneller, weil die Leute ihre Plätze nicht suchen müssen.
Aber übrigens, Security Theatre: Wenn man mal in den Gate-Bereich muss, so als, sagen wir Staatsfeind oder so geht man doch nicht durch die Sicherheitskontrolle! Nein, man lässt sich mit einer Bordkarte bei der Gepäckausgabe wieder in den Innenraum schleusen. “Ah, habe meine Tasche vergessen, muss der Oma helfen”, was auch immer.

Qualität bei Dienstleistern zeigt oder versteckt sich immer dann, wenn etwas schief geht. z.B. schnelles DSL hat jeder, aber was passiert bei einer Störung? Kommt dann ein Mitarbeiter oder telefoniere ich erst eine Stunde mit Mumbai? Im Luftverkehr ist das genauso. Wir kamen in den Genuss von Vueling, das ist die “Billig”-Tochter von Iberia. Auf dem Rückflug passierte dann folgendes: Nebel über dem Ziel (Flugzeit 1 Stunde, man hätte also vorbereitet sein können..), der Flieger in der Schleife und der Sprit geht zur Neige. Ausweichen zu einem anderen Flugfeld. Soweit, so gut. Wir stehen auf dem Feld, es heißt wir tanken und es geht weiter. Dann die Meldung, es dauert noch drei Stunden, wir sollen alle aussteigen. Der ganze Flieger in einen Bus, passt nicht, einige müssen auf dem Flugfeld stehen bleiben. Warum weiß eigentlich niemand, wieviel Leute im Flieger sind und wieviel Menschen in einen Bus passen? Dieses Wissen muss irgendwann verloren gegangen sein. Das Gefährt setzt sich Richtung Terminal in Bewegung. Stoppt direkt davor, Rückwärtsgang wird eingelegt (kein Witz, wir sind auf dem FLUGFELD(!)), es geht zurück zum Flieger. Alle wieder rein. Hatte ich schon erwähnt, wie lang das jedes Mal dauert? Mitteilung, es geht jetzt doch weiter, Terminal dauert zu lange. Ein kollektives Aufseufzen geht durch die Maschine. Die Spanier, muss man fairerweise sagen, nehmen die Situation mit stoischer Gelassenheit hin. Ich bin froh, nicht in einem deutschen Ferienflieger zu sitzen. Wir warten noch 45 Minuten. Dann sind wir viel später doch noch am Ziel. Die Transitpassagiere am Zielflughafen in Aufregung, es hat nun jeder seinen Anschlussflug verpasst. Keine Durchsage, kein Personal am Terminal, gar nichts. Durchfragen im Terminal, Ticketing, ein Glücksfall: Wir werden umgebucht zu Germanwings. Und kommen sogar noch am gleichen Tag nach Hause, viele andere müssen übernachten. Jetzt kommen wieder die um die Ecke, die sagen, was hast du für ein Problem bei dem Preis. Gute Frage. Aber es muss doch auch möglich sein, ein komplett industrialisiertes Flugtransportangebot zu machen, ohne die Kunden so zu behandeln. In anderen Branchen klappt das doch auch, von Starbucks bis ATU. Nur beim Fliegen herrscht immer noch der Kenntnisstand von 1961, außer das kein freundliches Personal mehr vorgehalten wird und die Sitzreihen so eng sind, dass meine Knie (1,87m) in ECO nicht mehr dazwischen gehen. Forget it!

Moselsteig Etappe 16

Etappe 16 ist eine kurze Angelegenheit (11 / 8,5 km). Wir haben die abgekürzte Variante bis zum Bahnhof Ediger gewählt, um die geschickte Rückfahrmöglichkeit nicht auszulassen. Über die Brücke hinter Neef umgeht man den Ort Bremm und steigt schon bald wieder komplett an. Das hat es durchaus in sich. Am höchsten Punkt, einer Art Wegspinne kurz vor dem sog. “Gipfelkreuz” steht man wieder auf Feldern und wundert sich, wo die Moselszenerie geblieben ist. Doch nach kurzem Weg ist der phänomenale Aussichtspunkt erreicht. Mit Mühe bekommt man noch einen Platz auf der Bank, denn die Stelle ist Austragungsort eines Frühstücks-Caterings, das offensichtlich eine Menge Gäste anzieht. Kann man sich mal merken. An weiteren Aussichtspunkten vorbei verläuft der Weg noch wenige Kilometer auf einem Grat entlang, man wandert in einem lichten Eichenwäldchen. An einer Stelle trifft man sogar auf römische Ruinen. Hier gibt es einfach alles. Der Grat hört unvermittelt auf und der Weg geht sehr steil hinab zum Bahnhof Ediger. Hier geht es über Schieferplatten und mit losem Gestein zur Sache, man braucht immer wieder die Hände. Mitten drin zweigt der Calmont-Klettersteig ab, auf dem man in halber Hanghöhe wieder zurück Richtung Bremm kommt. Das ist eine empfehlenswerte Route für einen Tagesausflug, da die Eisenbahnbrücke leider nicht für Fußgänger begehbar ist.
Die Züge fahren stündlich, man muss also nicht lange warten und kann dann preiswert das Auto wieder erreichen. Würde man weitergehen, könnte man wahrscheinlich mehr oder weniger problemlos die Etappe 17 noch dazunehmen, Zeit ist noch genug vorhanden. Würde man also einen weiteren Tag hinzufügen, kann man den Steig bis Cochem gehen und dort wieder in die Bahn einsteigen.

Zugegeben, meine Erwartungen an diese Wandergegend waren relativ hoch. Insgesamt habe ich es aber geschafft, positiv überrascht zu werden. Wir sind viel weniger Wanderern begegnet als z.B. am Rheinsteig und es gab wesentlich mehr Einkehrmöglichkeiten. Das ganze ist auch etwas kleinteiliger, was die Tagesetappen abwechslungsreicher macht. Sicherlich nicht mein letzter Besuch.

Moselsteig Etappe 15

Bei Etappe 15 von Zell nach Neef wird man gleich am Anfang mit einer ordentlichen Dosis Steigung versorgt. Hinter ein paar Häusern geht es links den Berg hoch und man bekommt gleich ein paar kernige Warnschilder serviert. Steil! Trittsicher! usw. muss man alles sein. Denn jetzt kommt unsere erste Klettereinlage, die aber aufgrund der zahlreich in den Fels gehauenen Stifte und Krampen ziemlich harmlos ist. Es gibt sogar einen seniorengerechten Umgehungspfad, auf dem meine Wanderpartnerin mich vollkommen abhängte. Ich also die Stifte hinauf, am Ende kommt sogar noch eine Leiter wie im Schwimmbad, alles halb so wild. Es macht aber tüchtig Spaß, so dass man fast viel zu schnell oben am Collis-Turm ankommt. Wieder eine herrliche Aussicht, man kann sich fast daran gewöhnen! Diese als “anstrengend” ausgeflaggte Etappe von 19,5 km flacht danach sprichwörtlich etwas ab und liefert im weiteren Verlauf noch zwei Komplettanstiege, so dass man am Ende auf rund 600 Höhenmeter kommt. Der erste ist gleich in Merl, ein kleiner Weinort. Rechts geht es hinauf mit einer wieder etwas unmotiviert übertriebenen Steigung. Dann schwenkt der Weg weit nach Osten in den Wald hinein, so dass man überhaupt nicht mitbekommt, wie Bullay in der Höhe passiert wird. Immer wieder kommt man auf offene Felder, so dass es auch ohne Moselausblicke eine landschaftlich wunderbare Etappe ist. Gegenüber von Sankt Aldegund erreicht der Weg wieder die Mosel und man sieht bereits das Etappenziel Neef vor sich liegen. Die Fußlahmen können hier abkürzen und einfach direkt in den Ort hinuntergehen. Der Steig steigt zum letzten Mal voll an und umkreist den Ort auf der Höhe bis zu einem Aussichtspunkt, an dem man wieder in Gratlage linkerhand Neef und rechts hinunter auf Eller schauen kann, das Etappenziel Nr. 16. Direkt unter den Füßen eine der steilsten Weinlagen an der Mosel: Der Neefer Frauenberg. Ich habe nicht kapiert, wie man dort stehen kann, Reben schneiden und Wein lesen. Ist mir ein Rätsel geblieben, zumal der Hang komplett von losem Geröll bedeckt ist. Macht aber nichts, lecker schmeckt, was von dort kommt. Das haben wir am späteren Nachmittag bei Sabine und Axel im kleinen Weinhotel probiert. Sehr angenehme Atmosphäre, eine große Empfehlung von mir. So spät war der Nachmittag eigentlich noch gar nicht, die Strecke lässt sich relativ problemlos bewältigen. :-)