Konsumrausch

Heute gibt es eine längliche Aufzählung allerlei Bücher und Filme, die in letzter Zeit meinen Weg kreuzten.
Da wäre einmal “Freiheit“, von Jonathan Franzen, ein dicker Schmöker von einem Familienroman der gottseidank keine Südstaatenfarm sondern das Leben einer ziemlich liberalen Familie im zeitgenössischen Amerika zum Inhalt hat. Diese wird auf Hunderten von Seiten in ihre Bestandteile zerlegt, was nicht zuletzt wegen des sehr flüssigen Schreibstils sehr gut zu lesen ist. Jeder hat ein Skelett im Schrank und sie werden in diesem Buch alle hervorgeholt. Gefiel mir außerordentlich gut. Will nicht sagen dass es der Wiedererkennungswert ist ;-) sondern dass man in die Figuren fast hineingesaugt wird.
SterneSterneSterneSterneSterne.
Dann dagegen grottenschlecht die Schreibe von Jochen Seibold. “Immer nur Maultaschen” heißt das Buch, das mir meine Schwiegermutter zum Geburtstag schenkte. Man fasst sich immer wieder an den Kopf beim Anblick mancher Formulierungen, tut aber dem Lesespaß wenig Abbruch. Ein plakativ assiger Immobilienhai treibt es auf die Spitze und wird von einer alten Frau mittels einer Laugenseele(!) mit einem Schwabenfluch belegt: Fortan geschieht immer ein Unglück, sei es, er beißt in eine Brezel oder der LkW der “Schwabenreinigung” kreuzt seinen Weg. Die bekannten Schauplätze in Stuttgart machen Spaß und man verfolgt seine Heilung mit Schmunzeln.
SterneSterneSterneSterneSterne
Jetzt zweimal völliger Schwachsinn: Fast and Furious 6, komischer Autofilm in dem es irgendwie um einen Einbruch geht. Richtig kapiert hab ich es nicht. Man muss sich das einmal vorstellen: Alle wichtigen Ingredienzien sind beisammen: Schöne Frauen, schnelle Autos, vernünftiger Soundtrack und die Kulisse von Rio. Action pur und doch ist es irgendwie nur langweilig. Wie kann das angehen?
SterneSterneSterneSterneSterne
Noch bitterer sind die zwei Stunden, die man bei Battle LA. aushalten muss. Das ist so eine seltsame Mischung zwischen einem Army Werbevideo und einem Trailer für einen 1st person shooter. Bloß ohne Schauspieler. Autsch! SterneSterneSterneSterneSterne Mönsch, jetzt hab ich nur einen Stern vergeben, ich hab eigentlich nichts gegen solche Filme.
Ein Lichtstrahl dagegen die leise Geschichte “Winter’s Bone“. Der kann auf alle Effekte verzichten. Eine Siebzehnjährige (Ree) lebt irgendwo in Kanada oder der nördl. USA unter ganz armseligen Verhältnissen im Wald. Sie muss sich um ihre beiden kleineren Geschwister und die Mutter kümmern, die komplett gaga ist. Als ob das nicht schon reicht taucht der Sheriff auf der verlangt, dass der Vater einen Gerichtstermin wahrnimmt. Falls er den verpasst, verfällt die Kaution und die Familie damit ihre Bleibe. Nur, wo steckt der Vater? Ree macht sich auf die Suche und kommt bei den blockenden Nachbarn und Verwandten nicht recht weiter. Was ist passiert, was ist ihr Vater für ein Kerl? Das schält sich langsam heraus.. man könnte den Film deprimierend nennen aber das ist er nicht. Am besten gefiel mir die Stimmungs-“Aura”, die von den durchweg ordentlichen Schauspielern ohne Schnitzer über die gesamte Länge überzeugend vorgetragen wird. Klingt seltsam? Keine Ahnung, am besten selbst reingehen! :)
SterneSterneSterneSterneSterne
Kaum hat man was Nettes gesehen, gibt es wieder einen Tiefschlag: “Little Red Riding Hood” ist eine aktuelle Verfilmung von Rotkäppchen und der böse Wolf. Rotkäppchen ist ein glubschäugiges Girlie die .. tja.. meistens intensiv dreinschaut und sich nicht zwischen zwei Mitgliedern einer Boy-Band entscheiden kann. Mittendrin gibts noch einen Wolf aber mehr zu schreiben ist dieses Machwerk einfach nicht würdig. Bäh!
SterneSterneSterneSterneSterne
Zuguterletzt: “Clockers” von Richard Price. Ich mag eigentlich keine Krimis aber der hier ist mehr was man eine Milieustudie nennen würde. Das Buch ist schon vor 20 Jahren erschienen, hatte keinen großen Erfolg und wurde erneut aufgelegt. Das merkt man kurioserweise nur an den Autotypen und daran, dass die Gangster mit Münztelefonen und Pagern kommunizieren statt mit Handys. Es geht darum, dass ein Kleindealer (“Strike”) von seinem Scheff das Angebot erhält aufzusteigen – dazu muss er nur denjenigen, den er ersetzen soll beseitigen. Nachdem er feststellt, dass er dazu nicht in der Lage ist, ist der Betreffende auf einmal umgebracht worden.. nur, von wem? Der ermittelnde Polizist ist überzeugt, dass es nur Strike gewesen sein kann – nur der wurde von dem Toten ebenfalls überrascht. Die Stärke des Buchs liegt in der behutsamen Erzählweise und der Einfühlsamkeit auch für kleinere Figuren. Price braucht nur wenige Sätze, um sie überzeugend zum Leben zu erwecken, eine seltene Fähigkeit. Kann ich sehr empfehlen!
SterneSterneSterneSterneSterne

Leave a Reply