Killer.. was?

Seit sich vor einigen Tagen ein junger Mann nach dem Amoklauf in Emsdetten in die Luft gesprengt? selbst erschossen? hat, schlagen die Wogen wieder hoch. Killerspiele sind schuld! Mindestens. Alles verbieten! Verkauf an Jugendliche untersagt! (Äh, war er das nicht schon? Egal.) Die entsprechenden Gesellen werden zwar nicht weniger daddeln, sind aber dafür kriminalisiert. Na nicht so schlimm, dank exzessiver Tauschbörsennutzung sind die meisten schon abgehärtet.
Das dabei an den Tag gelegte Verhalten der Politik möchte ich mal als “hirnlosen Aktivismus” bezeichnen, eine Formulierung, die ich noch für recht milde halte. Ein Hamburger Innensenator möchte gar eine Datenbank von Killerspielern anlegen lassen. Das ist toll, weil man dann den nächsten Amokläufer eventuell schneller identifiziert. “Guck mal Harry, das Tatoo da an dem Hautrest.. muß SubZero88 sein!“. Über Symptombehandlung habe ich mich schon in Zusammenhang mit DRM ausgelassen.
Also Unfug das Ganze?
Ja und nein. Eine derartige Tat entsteht immer zuerst im Kopf. Es war keine impulsive Handlung, kein Zuschlagen nach einer Demütigung. Hier wurde lang geplant und vorbereitet. Wenn man wenig Phantasie hat, versorgt man sich von außen. Bis dahin folge ich der Logik. Aber gehört nicht noch ein bißchen mehr dazu? Waffenauktion im Internet? Soziale Kontrolle? “Mediale Verwahrlosung?” Wo waren die Kumpels? Wie wurde der eigentlich von seinen Altersgenossen behandelt?

Ich proklamiere mal folgendes: Dieses Ereignis wurde von unserer ganzen Gesellschaft generiert. Unsere Werte sind die Ursache. Das schreibt er übrigens ansatzweise selbst in seinem Abschiedsbrief (siehe unten). Wenn es OK ist, die Kinder nur vor der Glotze abzuladen und wenn es OK ist, sie in ihrer gesamten Entwicklung nur auf den Konsum hin zu trimmen, Styles, Klamotten, Klingeltöne und was weiß ich, wenn es OK ist, daß es die meisten Menschen (mangels Kinder) auch einfach nicht interessiert – ja, dann bekommen wir auch nichts anderes geliefert. Wie sagte Prinzessin Leia: “Wenn es ihnen nur ums Geld geht, dann sollen sie auch nichts anderes bekommen als Geld!”.

Wir kümmern uns viel zu wenig um die Kinder und die Heranwachsenden – weil alle lieber mit sich selbst beschäftigt sind. Kurioserweise trifft das auch auf den Täter zu, er spiegelt es einfach. Auf die Dauer verlieren wir dabei. Aber das zu ändern ist etwas, was die Politik vielleicht gar nicht mehr in der Lage sind zu leisten, selbst wenn sie es wollte. Es würde einer Selbstverneinung gleichen. Und was sollten sie den Vertretern der Elektronikindustrie und des Privatfernsehens antworten?

Hier oder hier kann man den Abschiedsbrief des Täters nachlesen. Schrecklich, wie lange es für manche Menschen dauert, zu finden, was das Leben ausmacht. Und tragisch, daß er es nicht rechtzeitig entdeckt hat.

Zum Ende der Faust:

O glücklich, wer noch hoffen kann,
Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen!
Was man nicht weiß, das eben brauchte man,
Und was man weiß, kann man nicht brauchen.

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