Westweg Etappe 10: Belchen – Kandern

31.8.18
Die Faulheit hat schon am Vorabend zugeschlagen. Ich verschlafe. Am nächsten Morgen unterhalte ich mich lange mit einem netten Menschen beim Frühstück. Pünktlich zum Betriebsbeginn der Bällchenbahn erreiche ich die Talstation und fahre hinauf. Ich geb’s zu. Ne wirklich, ich *bin* schon einmal den Weg gegangen, jetzt kann man ja auch mal fahren :-)
Die doch relativ ernsten Geschichten meiner Frühstücks-Begegnung gehen mir im Kopf herum, als ich Richtung Süden durch das Naturschutzgebiet vom Belchen absteige. Es ist ziemlich erstaunlich, welche sehr direkten und offenen Gespräche Menschen mit einem führen, wenn sie wissen, dass es eine einmalige Begegnung ist. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor des Allein-Wanderns. Heute war für den ganzen Tag mäßiger bis starker Regen angesagt, deshalb bin ich froh, dass es relativ lange trocken bleibt.
Kurz vor dem Haldenhof geht es dann aber los, und ich verkrieche mich unter meinen Poncho. Das funktioniert relativ gut, auch wenn er sich als nicht ganz 100% dicht herausstellt. Der ist doch nicht ganz dicht!! Stimmt :) Ich muss das Ding noch einmal großzügig imprägnieren. Aber die Idee ist richtig: Hände frei und relativ luftig untenrum, so dass man nicht so leicht ins Schwitzen gerät. Hinter dem Haldenhof hakt es einmal kurz mit der Orientierung, es ist so verhangen und ich habe 1000 Wassertropfen im Gesicht. Dann wieder glücklich eine Kuhweide passiert. Normalerweise sind die Weidezäune auf der Seite des Weges, wo auch das Vieh steht. Aber wenn das Vieh auf beiden Seiten steht, machen die halt keine zwei Zäune hin. Damit muss man offenbar immer rechnen. Hinter dem Kreuzweg geht es in den Wald hinein und es beginnt ein relativ langer Waldabschnitt, den man auf ganz schmalen, weichen Waldwegen geht. Das ist auch bei Regen in Ordnung, viel mehr sehen würde man bei Sonnenschein nicht. Es gluckst und blubbert und an manchen Stellen hat sich der Weg ungefragt in einen kleinen Bach verwandelt. Diese Etappe geht sich jedenfalls bis zum Blauen hervorragend, der Pfad-Anteil ist noch höher als gestern. Der Anstieg zum Blauen ist relativ kurz und man erreicht den Aussichtsturm nach wenigen Schritten, oben ist auch eine (übernachtungsfähige!) Gastronomie. Leider habe ich wieder Pech wie auf dem Feldberg. Die Sichtweite beträgt höchstens 20 Meter. Aber Kuchen haben sie trotzdem. Von oben geht es dann an der Sausenburg vorbei weit hinunter nach Kandern. Auf diesem Stück verlässt man den Schwarzwald. Auf einmal nur Laubbäume um einen herum, der Pfad wird wieder zur Waldautobahn aka Schotterweg und unten kommt man aus dem Wald und steht in einer Streuobstwiese. Hä? Kaum bin ich da, hört auch noch der Regen pünktlich auf. War irgendwie klar :) Das erste Haus, an dem man vorbeikommt holt einen dann auch wieder unangenehm schnell in die Zivilisation zurück. Da ist alles dabei, was mich an den aktuellen, private Bauvorhaben stört: Flachdach, Obi-Hütte, monströse graue Garage, Schießscharten und Rollrasen. Achja, eine Schotter-Draht Mauer haben sie natürlich auch. Gruselig, ich will zurück in den Wald ;-)
Ich komme am Ort gut unter und schlafe schlecht.

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