Geocaching ade

Seit vielen Jahren tickerte hier dieser kleine Zähler:

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auf meiner Website. Und ein spannendes Hobby war es, zumindest eine Zeit lang. Mühevoll den ersten kleinen Petling ohne Erfahrung und geeignetem GPS gesucht, das ist bald 10 Jahre her. Ganz hier in der Nähe war das, an einer Leitplanke(!), in einem Brombeergestrüpp. Am Ende war ich 4 Mal vor Ort, bis ich das Ding glücklich gefunden hatte. Nach sog. Wanderrunden mit einfachen Verstecken habe ich mit dem Rad die nähere Umgebung “abgegrast”.

Dann der Urknall: Aus irgendeinem Grunde dachte ich, ich müsste andere Geocacher kennenlernen und begab mich zu einem der Regionaltreffen in einer Pizzeria bei Winnenden. Und wie es der Zufall wollte, geriet ich an ein Tischende, an dem ich eine Mischung von herzlich netten Leuten antraf, mit denen ich bis heute unterwegs bin. Einige von ihnen waren bereits erfahrener und so wurden unsere Ausflüge immer interessanter: Nachtcaches mit genialen Lichteffekten, Klettereien, knallharte Rätsel und natürlich(!) die sog. Lost Places. Von denen gibt es nicht so viele, daher fuhren wir bald durch ganz Deutschland und machten oft mehrtägige Touren. Das führte zu allerlei merkwürdigen Effekten, z.B. dass ich von einigen Städten im Osten (Chemnitz, Magdeburg) eigentlich nur gruslig verlassene Industrieanlagen kenne. Aber immerhin das kleine Abenteuer, unerkannt auf den Geländen unterwegs zu sein und teils extrem knifflige Rätsel zu lösen und in irgendwelche Löcher zu klettern, worauf man sonst im Leben nie gekommen wäre. Aber diese Highlights waren sehr selten.

Irgendwann folgt die Ernüchterung. Ich will einfach nicht mehr unter Baumstümpfen im offensichtlichen Versteck herumwühlen und quadratmeterweise Grünfläche plätten, um den nächsten bedeutungslosen Punkt zu ziehen. Schöne Wanderungen? Hm. So wie beim Einstieg gab es auch für den Ausstieg ein Schlüsselerlebnis: Anfang des Jahres, am Dreikönigstag traf sich die bewährte Mannschaft und stiefelte hier ganz in der Nähe im Wald herum. Ein Teilereignis des Tages war das Abklappern eines sog. “Adventskalenders”, 24 Petlingen, die völlig unchristlich im Wald hingen, allerdings in niedlich gehäkelten Söckchen “versteckt”. An jedem Tag vor Weihnachten wurde da einer freigeschaltet und das ganze Ensemble danach noch etwas offengehalten, damit soviel Leute wie möglich diese wunderbare Runde genießen die Punkte ziehen konnten.
Was sich an diesem wunderschönen eisig-sonnigen Tag dort abspielte, war wie auf dem Wasen, nur ohne Dirndl. Scharen von Cachern entstiegen SUVs und bewegten sich mit ihren Funktionshosen und mit Navis behängten Goretex-Jacken gewandt durch den Wald. Fast immer in Sichtweite des nächsten Trupps. An vielen “Locations” durften wir dann zum Unterschreiben anstehen oder einer wurde vorgeschickt, der das dann für alle erledigte. Wie es da im Unterholz aussah kann man sich vorstellen. Mir war klar: Für mich ist das jetzt genug.

Das alles heißt nicht, dass ich nie wieder cachen gehe. Ich bin sicherlich dabei, wenn es bei Gelegenheit wieder um einen netten LP / NC geht oder wenn ich zu einer Tour eingeladen werde. Nur für meine eigene Vorstellung ist es eine Beschäftigung, die in der Vergangenheit liegt. Ich schaue nach vorn.

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