Codekicker: Was gut ist muss auch teuer sein?

Seit den Anfängen bin ich Fan und Mitglied von stackoverflow. Das ist eine Webseite, auf der Entwickler ihre Fragen loswerden können, die dann von anderen Entwicklern und Fachleuten beantwortet werden. Dafür bekommen sowohl Fragesteller als auch Beantworter Punkte, sogenanntes Karma. Das Karma vergibt nicht die Administration, sondern die anderen Benutzer, die ihre Stimme abgeben können, wenn ihnen eine Frage oder Antwort besonders gut gefällt. Für eine falsche Antwort oder eine nicht fachlich passende Frage kann sogar Karma abgezogen werden. Und weil die Menschen so fürchterlich angeben, wie toll sie sind funktioniert das Ganze ausgezeichnet. Stellt man eine Frage stürzen sich sogleich zig eifrige Karmajäger drauf und fabrizieren mehr oder weniger sinnvolle Antworten. Das Ganze kostet nichts – die Betreiber leben allein von der hohen Besucherzahl von ausgewiesenen Profis des Fachs und den dabei dezent (und vermutlich ziemlich teuer) geschalteten Anzeigen. Stackoverflow ist wirklich der Fundus bei Schwierigkeiten rund um die Entwicklung. Unsere firmeneigene iOS Anwendung hätte ohne diese Site eine zig-mal höhere Entwicklungszeit benötigt.

Benutzerprofil von puls200Seit ein paar Wochen gibt es jetzt den (wohl unvermeidlichen) Klon auf deutsch: Das Ganze nennt sich codekicker (wer hat sich nur den Namen ausgedacht?) und verfolgt genau dasselbe Geschäftsmodell. Dabei wurde sogar das Layout fast 1:1 übernommen, wer stackoverflow kennt fragt sich wo eigentlich die Unterschiede sind. Ich habe mich angemeldet und seit ein paar Tagen fröhlich mitgepostet. Das geht noch ganz gut, da die Menge der Teilnehmer noch etwas überschaubar ist. Mein erstes Fazit:

  1. Sehr .NET-lastig, kaum Fragen zu Java, Webentwicklung und Mobilem
  2. Wie bei stackoverflow gibt es die unvermeidlichen Dauer-Antworter, die zu jeder Frage ihren mehr oder weniger qualitativ wertigen Senf abgeben und das Karma horten
  3. Das Niveau der Fragen ist nicht besonders hoch. Ich vermute, dass diejenigen dann eher bei stackoverflow posten, des Englischen ohnehin besser mächtig
  4. Einige sinnvolle Features von stackoverflow wurden kurioserweise weggelassen, z.B. die Moderation und Überarbeitung von Fragen, die Acceptance-Rate, usw.
  5. Der speziell in deutschen Foren oft anzutreffende rechthaberische Ton ist gottseidank nur sehr selten zu vernehmen

Ich denke wenn sich die Gefolgschaft von dotNetPro geschlossen anmeldet besteht eine konkrete Überlebenschance. Ich werde die Site definitiv noch eine Weile aktiv begleiten.

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